Frauenstudie: Quote nur mit Sanktionen

Wer den Frauenanteil in der Politik heben will, der muss mit finanziellen Nachteilen drohen.

WIEN(c.d.). 90 Jahre, nachdem die erste Frau ins Parlament einzog, sieht es mit dem Frauenanteil in der österreichischen Politik nicht so schlecht aus. Zumindest im europäischen Vergleich, wie Werner Zögernitz und sein Institut für Parlamentarismus in einer aktuellen Studie eruiert haben. Der Frauenanteil im Nationalrat liegt bei 27,9 Prozent, bei den Ministern bei 36 Prozent und im EU-Parlament sogar bei 41 Prozent (EU-Schnitt: 24, 25 bzw. 35 Prozent).

Damit platziert sich Österreich im oberen Drittel der 27 EU-Länder. Von den Spitzen ist man dennoch weit entfernt, und vor allem vom frauenfreundlichsten Staat, von Finnland. Die Finninnen stellen nämlich 60 Prozent aller Minister, 41 Prozent ihrer Abgeordneten und 62 Prozent ihrer Europaparlamentarier. Malta weist die frauenfeindlichste Politikerszene aus: Nur Männer sitzen im EU-Parlament, im Parlament sind 8,7 Prozent Frauen vertreten, Ministerinnen gibt es zumindest zu 22 Prozent.

Dass Finnland solch ein Frauenland ist, hat in jedem Fall nichts mit Quotenregelungen zu tun. Die gab es nämlich nie. „Der Status der Frauen war in Finnland immer höher“, so Studienautorin Melanie Sully. Quoten allein reichen ihrer Meinung nach auch nicht aus, um den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen. Da müsste es schon Sanktionen geben, wie zum Beispiel in Frankreich. Dort steht die Frauenquote in der Verfassung, und Parteien, die sich nicht daran halten, wird ein Teil der öffentlichen Förderung aberkannt. Negativer Beigeschmack: Großparteien, im konkreten Fall die französischen Sozialisten, richten es sich trotzdem. Und durch das Mehrheitswahlrecht kämen Frauen auch nicht weiter. Effizienter sei daher, nur Listen mit einem bestimmten Frauenanteil zu akzeptieren.

 

Dänemark am Ziel

Frauenquoten für Wahlen gibt es neben Frankreich in Belgien, Griechenland, Portugal, Slowenien und Spanien. In 22 EU-Ländern legen sich Parteien bei der Kandidatenauswahl Quoten auf. Nur fünf Staaten haben gar keine Quoten: Bulgarien, Estland, Finnland, Lettland und Dänemark. Letzteres schaffte die Quoten nach fast 20 Jahren ab. Man war am Ziel angelangt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2009)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Frauenstudie: Quote nur mit Sanktionen

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen