Schulen sollen ihre Lehrer selbst aussuchen

Nach Kritik aus den Ländern stellt sich die Bundes-ÖVP hinter die Pläne von Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ).

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(c) APA/HANS KLAUS TECHT

Wien. Auch, wenn es manchen Landesschulräten nicht passt: Direktoren werden künftig wohl ihre neuen Lehrer aussuchen dürfen. Nach Kritik der schwarzen Landesschulräte stellte sich die Bundes-ÖVP am Donnerstag hinter die Pläne von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ). Es wäre sinnvoll, wenn die Entscheidung über die Anstellung von Lehrern im Sinn der Profilbildung von Schulen künftig vom Direktor getroffen wird, sagte ÖVP-Generalsekretär Werner Amon im ORF-Radio.

Dass Schulen hier mehr Freiheit bekommen sollten, hat die Regierung im Vorjahr in der Bildungsreform paktiert. Demnach sollte die Lehrerauswahl „durch die Schulleitung im Einvernehmen mit der Schulbehörde“ geschehen, Direktoren sollten bei Neuanstellungen ein Vetorecht haben. Hammerschmid ließ von Anfang an durchblicken, dass ihr das ein bisschen zu wenig ist: Sie pochte auf volle Personalautonomie. „Ich will, dass der Direktor wirklich über sein Personal entscheiden kann“, sagte sie zuletzt.

„Die Entscheidung über die Anstellung von Lehrern sollen die Direktoren treffen können“, sagte gestern auch Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP), mit dem Hammerschmid die Umsetzung der Reform verhandelt, der „Presse“. Im Einklang mit der Bildungsministerin meint er: Behörden sollten nur in Einzelfällen die Personalentscheidung steuern – etwa, wenn Kleinschulen keine Lehrer finden.

 

Digitale Plattform in Salzburg

Ganz neu wäre es nicht, dass Direktoren ein Mitspracherecht bei der Auswahl ihrer Lehrer haben. Mahrer nennt Salzburg als Beispiel: Dort werden Pflichtschullehrer seit 2013 nicht mehr vom Land zugeteilt, sondern der Direktor kann – sofern er das auch will – selbst mitmischen. An die 60 Prozent der 670 Neuanstellungen sind laut dem Büro von Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP) seitdem auf Basis einer Onlineplattform erfolgt.

Dort können Bewerber Schulen kontaktieren. Direktoren können an alle gelisteten Lehrer herantreten, mit ihnen Gespräche führen und den Wunschkandidaten dem Land vorschlagen. Wo aber die Autonomie endet: Denn das Land prüft nicht nur, ob formell alles passt, sondern auch, ob die Reihung der Bewerber nach Kriterien wie Erfahrung oder Ausbildung ausreichend berücksichtigt wurde. Abgewickelt wird die Anstellung vom Land.

In anderen Bundesländern gibt es ähnliche digitale Plattformen, über die Schulen und Lehrer zusammenfinden können. Die Steiermark entwickelte für die höheren Schulen das Programm Get your teacher, das inzwischen auch anderswo genutzt wird. In Oberösterreich können Pflichtschuldirektoren ähnlich wie in Salzburg Wunschkandidaten definieren.

Ausgerechnet aus Linz kam die schärfste Kritik: Dass Direktoren ihre Lehrer aussuchen können, klinge zwar toll, sei aber vor allem an Pflichtschulen nicht durchführbar, sagte Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer diese Woche. Im Herbst müssten in kürzester Zeit sehr viele Anstellungen fixiert werden. Problematisch seien auch kleine, besonders abgelegene oder schwierige Schulen. ÖVP-Generalsekretär Amon entgegnete, die Landesschulräte seien etwas detailverliebt und wollten auf Schwierigkeiten aufmerksam machen. Laut Hammerschmid will man den Gesetzesentwurf zur Autonomie in den kommenden zwei Wochen dem Koalitionspartner übermitteln. Spätestens bis Weihnachten soll das Autonomiepaket den Ministerrat passieren.

AUF EINEN BLICK

Die Schulautonomie ist eines der Kernstücke der Bildungsreform. Demnach soll die Lehrerauswahl durch die Schulleitung im Einvernehmen mit der Schulbehörde geschehen, bei Neuanstellungen sollten Direktoren ein Vetorecht haben. Nun sollen Schulleiter wirklich Letztentscheider sein. Das Autonomiepaket – dabei geht es auch um Finanzen, Pädagogik und Organisation – soll bis Weihnachten den Ministerrat passieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2016)

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