Cartellverband: Bald übernimmt der nächste „Django“

Michael Jayasekara trägt nicht nur denselben Couleurnamen wie der ÖVP-Chef, er arbeitet auch für die Volkspartei im Parlament. Am Wochenende wurde der 24-Jährige zum neuen Chef des Cartellverbands gewählt – und will nun dessen Image aufpolieren.

Michael Jayasekara (l.) wird nach Peter Neuböck Präsident des ÖCV.
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Michael Jayasekara (l.) wird nach Peter Neuböck Präsident des ÖCV.
Michael Jayasekara (l.) wird nach Peter Neuböck Präsident des ÖCV. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Geschichte wiederholt sich, auch die Geschichte der Couleurnamen: ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner wurde zu Studienzeiten von seiner katholischen Verbindung „Django“ getauft – nach der berühmten Figur eines Italo-Western. Ähnlich erging es Michael Jayasekara im Jahr 2013. Als der Tarantino-Film „Django Unchained“ in die Kinos kam, wurde er nach dessen Hauptdarsteller benannt.

Und nun übernimmt der 24-jährige „Django“ den Chefsessel. Nicht der Partei, sondern des Cartellverbands: Am Wochenende wählten alle katholischen, nicht schlagenden Verbindungen den BWL-Studenten mit Wurzeln in Sri Lanka zum neuen Vorstandschef. Im Juli findet die offizielle Übergabe statt, wenn der jetzige Chef, Peter „Gstanzl“ Neuböck, abtritt.

Ähnlich wie sein Couleurnamensvetter will auch der neue „Django“ 2017 an Relevanz gewinnen: Am Hochschulstandort habe der Cartellverband an Wichtigkeit verloren, sagt Jayasekara. Nun wolle man wieder stärker mitmischen – „wir setzen am Thema Digitalisierung an Hochschulen an“.

Außerdem will er am Image der Verbindungen arbeiten: „Rein vom Äußeren erinnern wir viele an schlagende Burschenschaften und werden von diesen in eine rechte Ecke gedrängt, mit der wir nichts tun haben.“ Ein Problem sei für Außenstehende jedenfalls, dass Jayasekaras Verbindung, „Bajuvaria Wien“, die Farben Dunkelblau-Rot-Gold trägt.

Aber warum müssen Studenten 2017 überhaupt Deckel und Schläger tragen, wie Kopfbedeckung und Säbel genannt werden? „Das hat historische Gründe und symbolische Bedeutung“, meint Jayasekara. „Wir erinnern daran, dass Studenten früher auf Reisen überfallen wurden. Ihnen wurde daher erlaubt, eine Waffe bei sich zu tragen.“

Nun wolle er mit Events und Aktionen zeigen, „dass wir keine Randgruppe sind“. Im Gegenteil, befindet er: „Wir sind die Mitte der Gesellschaft.“ Schließlich seien alle möglichen Berufs- und Gesellschaftsgruppen in den Verbindungen vertreten.

Zumindest jene männlichen Gruppen, die sich zu den vier Prinzipien bekennen: Unter Neuböck wurde ein neues Grundsatzprogramm verfasst, das sich auf die Werte Religion, Heimat, Wissenschaft und Lebensfreundschaft bezieht. „Vor allem in Zeiten des Wandels wollen wir uns darauf zurückbesinnen“, sagt Neuböck. Auch über polarisierende Themen wurde diskutiert und abgestimmt: Im Papier wird Abtreibung abgelehnt, ebenso wie die Ehe für Homosexuelle. Sowohl Neuböck als auch Jayasekara tragen den Inhalt mit.

 

Bei Kopftuchverbot vorsichtig

Und was sagt der neue „Django“, auch parlamentarischer Mitarbeiter des Abgeordneten Asdin El Habbassi, zu seinem Namensvetter? An der Obmanndebatte will er sich jedenfalls nicht beteiligen. Bei dem ÖVP-Vorschlag eines Kopftuchverbots im öffentlichen Dienst sind beide Kartellbrüder eher vorsichtig: „Ich trage immer einen Rosenkranz bei mir“, sagt Jayasekara. Religion sei Privatsache. Er möchte sich nicht das Recht nehmen, über die Kleidung anderer zu bestimmen. Auch für Neuböck „ist Religionsfreiheit ein Grundrecht“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2017)

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