Österreichs Mühe mit dem Holocaust-Gedenktag

Beim Beschluss des Gedenktages habe das österreichische Parlament "den Begriff Holocaust bewusst vermieden", sagt der Wiener Historiker Peter Pirker.

Gedenken an die Opfer des Holocaust
Schließen
Gedenken an die Opfer des Holocaust
Gedenken an die Opfer des Holocaust – REUTERS

Der Jahrestag der Befreiung des KZ-Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Jänner wird international als Holocaust-Gedenktag begangen. Das offizielle Österreich hat mit diesem Gedenktag aber eine gewisse Mühe, wie der Wiener Historiker Peter Pirker am Freitag erläutert. Hierzulande wird der NS-Opfer am 5. Mai gedacht, in Anlehnung an eine Resolution des Europaparlamentes aus dem Jahr 1995.

Der Nationalrat hat im Jahr 1997 den 5. Mai als offiziellen "Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus" beschlossen und begeht diesen alljährlich mit einer feierlichen Sitzung. Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner gibt es dagegen - anders als in Deutschland - keinen offiziellen Staatsanlass.

Zusatz erfolgte auf Druck der Grünen

Beim Beschluss des Gedenktages habe das österreichische Parlament "den Begriff Holocaust bewusst vermieden", obwohl dieser vom Europaparlament vorgeschlagen worden war, berichtet Pirker. Nur durch den Verzicht auf diesen Begriff sei nämlich ein einstimmiger Beschluss im Nationalrat möglich gewesen. Auch der Zusatz "im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus" sei erst auf Druck der Grünen erreicht worden.

Der 27. Jänner wird dagegen seit 1996 von Deutschland sowie seit 2005 von den Vereinten Nationen als Holocaust-Gedenktag begangen. Seit 2009 bemühe sich die "Holocaust Task Force" darum, diesen Tag als gemeinsamen internationalen Gedenktag durchzusetzen, berichtet der auf die NS-Zeit spezialisierte Historiker und Politikwissenschafter. In Österreich sei der 27. Jänner erstmals im Jahr 2012 begangen worden, als die damalige Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) eine Veranstaltung im Parlament abhielt.

Auf Initiative der NGO "Jetzt Zeichen setzen" findet zudem eine Kundgebung vor dem Weiheraum am Heldenplatz statt, bei der heuer Wiener Stadtpolitiker vertreten waren. Das Parlament hielt bereits am Dienstag mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eine Gedenkveranstaltung ab, bei der unter anderem Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) das Wort ergriff. Bundespräsident Alexander Van der Bellen erinnerte am gestrigen Donnerstag in seiner Antrittsrede vor der Bundesversammlung an den Holocaust-Gedenktag, andere Spitzenpolitiker äußerten sich in Presseaussendungen. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) schloss sich der internationalen Twitter-Kampagne "weremember" mit einem Foto an.

(APA)

Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Österreichs Mühe mit dem Holocaust-Gedenktag

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.