Habsburg: Auch gegen Faschingsprinzen vorgehen

In ironischer Form wendet sich der frühere Grün-Politiker Ulrich Habsburg-Lothringen gegen "Genossin Maurer", die höhere Strafen für das Führen von Adelstiteln fordert.

Schließen

In der Debatte um höhere Strafen für das Führen von Adelstiteln meldet sich nun auch Ulrich Habsburg-Lothringen zu Wort. Der einstige grüne Gemeinderat von Wolfsberg ist mit dem Vorstoß seiner Parteikollegin im Nationalrat, Sigrid Maurer, nicht einverstanden. Statt die Strafen zu erhöhen, solle man auch in Österreich eine Regelung, wie es sie in Deutschland gibt, einführen, fordert der Habsburger im Gespräch mit der „Presse“. Dort wurden die Adelstitel nach Ende der Monarchie Bestandteil des Namens.

Die noch immer geltenden Strafdrohungen des Adelsaufhebungsgesetzes von 1919 sehen vor, dass man für das Führen eines Adelstitels bis zu 20.000 Kronen zahlen oder bis zu sechs Monate in den Arrest gehen muss. 20.000 Kronen sind aber umgerechnet nur mehr 14 Cent, weswegen die Grünen im Parlament eine Anhebung der Verwaltungsstrafe forderten.

In einem Schreiben an Maurer, das auch der „Presse“ vorliegt, verlangt nun Habsburg-Lothringen im Vorgehen gegen den Adel – sichtlich ironisch – gleich weitere Maßnahmen: „Konsequent sollte man diesbezüglich auch bei der Erziehung sein. Prinzen und Prinzessinnen in oft auch sozialdemokratisch geführten Kindergärten trifft man bei Faschingsfesten immer wieder an und auch Erwachsene geben sich als Faschingsprinz bzw. Prinzessin oder als Weinprinzessin aus“, schreibt Habsburg-Lothringen. „Auch das staatliche Fernsehen sollte sich bei Adelstiteln zurückhalten - und war es unbedingt notwendig, dass die österreichische und staatliche Heta-Abbaubank der Hypo einen Prinzen als CEO hat?“, fragt er.

Gezeichnet: Erzherzog Ulrich, Grüner von Wolfsberg

Der Anteil Adeliger dürfte in Österreich bei 0,5 Prozent der Bevölkerung liegen, wobei es sich größtenteils um Beamten- und Militäradel handle, den der Kaiser in den letzten 200 Jahren für besondere Verdienste vergeben hat, ähnlich dem Kommerzialrat oder Professor-Titel, argumentiert Habsburg-Lothringen. Und er meint kritisch in Richtung eigene grüne Partei: „Ja, die ÖVP dürfte mit ihrem Pamphlet, dem ,Rot-Grünen Manifest', schon in die richtige Richtung gewiesen haben", schreibt er. „Lieber sollte sich Genossin Maurer um Arbeitsplätze für die vielen Flüchtlinge und Arbeitslosen kümmern, die kosten mehr als die Anhebung der Strafen bei Führung eines Adelstitels einbringen könnte."

Gezeichnet ist das Schreiben an Maurer mit den Worten „Erzherzog Ulrich, Grüner von Wolfsberg“. Angst, dass er deswegen angezeigt wird und 14 Cent Strafe zahlen muss, hat Habsburg-Lothringen nicht. „Ich würde mich über eine Anzeige freuen“, sagt er zur „Presse“. Und außerdem gebe es den von ihm verwendeten Titel ja gar nicht, weswegen er keine Bestrafung fürchte.

Vor einigen Jahren schlug Habsburg-Lothringen auch vor, Adelstitel wie Wunschkennzeichen an die Bevölkerung zu verkaufen. Eine Idee, die für Schlagzeilen sorgte. Dabei sei sie gar nicht ernst gemeint gewesen, stellt Habsburg-Lothringen nun klar. Er scherze nun einmal gerne: „Ich bin da ähnlich wie Van der Bellen veranlagt – und das kann dann in die Hose gehen.“

Republik solle an Habsburger herantreten

Ernst ist es dem Wolfsberger hingegen mit dem Appell, dass die Republik von sich aus an die Habsburger herantreten solle, um die vermögensrechtlichen Fragen zu klären. Wobei er selbst kein Geld wolle. Aber man könne einen Fonds schaffen, mit dem kulturelle Einrichtungen in den Nachfolgestaaten der k. u. k. Monarchie gefördert werden. Der 100. Jahrestag der Republik im November 2018 wäre ein guter Zeitpunkt für eine solche Einigung, meint Habsburg-Lothringen.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Habsburg: Auch gegen Faschingsprinzen vorgehen

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.