Machtgefüge: Neue ÖVP-Königsmacher und Schlüsselfiguren

Im Bund taumelt die ÖVP, gleichzeitig stellt sie in sechs Bundesländern den Landeshauptmann. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei den Entscheidungen über neuen Obmann und Regierungsschicksal. Das Gewicht hat sich aber nach den Rücktritten von Erwin Pröll (Niederösterreich) und Josef Pühringer (Oberösterreich) verschoben. Die ÖVP-Bündechefs haben an Einfluss verloren, weil sie wie Christoph Leitl (Wirtschaft) oder Jakob Auer (Bauern) vor dem Abgang stehen. Andere bringen wenig Gewicht auf die Waage: Dorothea Schittenhelm (Frauen), Ingrid Korosec (Senioren), August Wöginger (ÖAAB). Die Junge ÖVP profitiert vom Aufstieg ihres Chefs, Kurz.

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Wilfried Haslauer (61)

Salzburger Landeshauptmann seit 2013

Nach den Rücktritten der ÖVP-Langzeit-Landeschefs Erwin Pröll und Josef Pühringer ist Wilfried Haslauer seit wenigen Wochen der längstdienende schwarze Landesparteiobmann. Er ist seit 2004 im Amt und seit 2013 auch Landeshauptmann. Der 61-jährige Jurist versucht sich daher nun in der Rolle als Königsmacher in der Bundes-ÖVP und väterlicher Ratgeber von Außenminister und ÖVP-Obmannkandidat Sebastian Kurz. Eigeninteresse spielt mit: Salzburg wählt im Frühjahr 2017, Haslauer will Bundeswahlen lieber heuer im Herbst.

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Johanna Mikl-Leitner (53)

Niederösterreichische Landeshauptfrau seit April dieses Jahres

Die Ex-Innenministerin ist seit wenigen Wochen Landeshauptfrau und Parteichefin in Niederösterreich. Jetzt versucht sie, was den Einfluss in der Bundespartei betrifft, erstmals in die großen Fußstapfen ihres Vorgängers, Erwin Pröll, in der Bundespolitik zu treten. Wie schon Pröll unterstützt sie Außenminister Sebastian Kurz. Sie hat den straffen Parteiapparat im schwarzen Kernland hinter sich. Wie bei Haslauer hat die 53-jährige Mikl-Leitner die eigenen Landtagswahlen im Frühjahr 2018 im Blick, Bundeswahlen im Herbst 2017 kämen ihr zupass.

Die Presse

Hermann Schützenhöfer (65)

Steirischer Landeshauptmann seit Mitte 2015

Nach zehn Jahren SPÖ-Vorherrschaft in der Steiermark ist es dem 65-Jährigen gelungen, nach der Landtagswahl 2015 an seinem politischen Lebensabend den Landeshauptmann für die ÖVP zurückzuholen. Das allein verleiht Hermann Schützenhöfe spürbar mehr Selbstbewusstsein, woran es der Steirer-ÖVP als selbst ernannter Vordenker-Organisation ohnehin selten gemangelt hat. Schützenhöfer ist nun der nach Lebensjahren älteste amtierende ÖVP-Landeshauptmann. Er mischt in einer Art elder statesman stark bei den Entscheidungen über die neue ÖVP-Führung sowie über Zukunft oder eher Ende der rot-schwarzen Koalition auf Bundesebene unter Christian Kern mit.

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Harald Mahrer (44)

Staatssekretär und ÖVP-Koalitionskoordinator

Er war bereits unter dem eben zurückgetretenen Vizekanzler und ÖVP-Chef, Reinhold Mitterlehner, für die ÖVP Regierungskoordinator. Der 44-jährige Hüne fühlt sich selbst für höhere Weihen berufen. Nun ist er in einer Schlüsselrolle. Neben der Übernahme des Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums könnte der Kurz-Vertraute auch mit dem Posten des Vizekanzlers betraut werden, wenn Kurz selbst lediglich die ÖVP-Obmannschaft übernimmt. Der Nachteil für Mahrer: Er hat sich bei namhaften ÖVP-Politikern in den vergangenen Jahren auch schon ziemlich unbeliebt gemacht.

Die Presse

Hans Jörg Schelling (63)

Finanzminister seit September 2014

Sein Name wurde wie auch jener des Tiroler Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter für den Vizekanzlerposten genannt, sollte Kurz nur ÖVP-Parteichef werden. Dem 63-jährigen Hans Jörg Schelling, einem gebürtigen Vorarlberger, der in Niederösterreich wohnt, kam und kommt jedenfalls kraft seiner Funktion als Finanzminister eine Schlüsselrolle in rot-schwarzen Planspielen zu. Er hat die SPÖ und Christian Kern zur Weißglut getrieben, wenn er kein Geld rausrücken wollte. Für eine etwaige schwarz-blaue Koalition hat er abgewinkt.

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Reinhold Lopatka (57)

ÖVP-Klubobmann im Parlament seit 2013

Der ehemalige Vertraute von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der Ära Schwarz-Blau ist für die SPÖ ein Gottseibeiuns wie Innenminister Wolfgang Sobotka. Der mit allen Wassern gewaschene altgediente Polit-Fuchs und Verbinder zur FPÖ steht derzeit als machtpolitischer Taktiker hoch im Kurs. Seine Schachzüge, Parlamentarier von Neos und Team Stronach in seinen ÖVP-Parlamentsklub zu holen, die von Parteiobmann Mitterlehner nicht immer goutiert wurden, könnten jetzt mit Verspätung für die ÖVP Früchte tragen. Denn bei einem Kampf zwischen Rot und Schwarz um eine Mehrheit für die vorzeitige Auflösung des Nationalrats und damit Neuwahlen bereits heuer im Herbst dürfte es auf ganz wenige Stimmen im Hohen Haus ankommen. Damit wird der 57-jährige Lopatka zum wichtigen Mann für ÖVP-Zukunftshoffnung Kurz, auch wenn selbst manche Schwarze dem Oststeirer nicht über den Weg trauen.

Die Presse