Eva Glawischnig: Österreichs grüne Frontfrau tritt ab

Mit Eva Glawischnig haben die Grünen ihre bisher größten politischen Erfolge eingefahren - allen voran den Sieg Alexander Van der Bellens bei der Bundespräsidentenwahl. Nun gab die gebürtige Kärntnerin nach achteinhalb Jahren an der Parteispitze überraschend ihren Rücktritt bekannt.

Ein Rückblick auf ihren politischen Werdegang.

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Als Langzeitparteichef Alexander Van der Bellen nach der Nationalratswahl 2008 von der Parteispitze abtrat, war die langjährige "Kronprinzessin" Glawischnig zwar die logische Nachfolgerin. Die Ausgangslage der heute 48-Jährigen war allerdings durchaus schwierig: Unter Van der Bellen hatten die Grünen erstmals zweistellige Ergebnisse auf Bundesebene geschafft, und ob die Ökopartei das auch ohne ihr bürgerliches Aushängeschild schaffen würden, galt vielen als zweifelhaft.

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Doch Glawischnig überzeugte: Bei der Nationalratswahl 2013 schafften die Grünen das beste Ergebnis der Parteigeschichte (12,4 Prozent). Die Regierungsbeteiligung in Oberösterreich wurde zwar an die FPÖ verloren, dennoch regieren die Grünen derzeit in fünf Bundesländern mit (Wien, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg). Und seit Jänner sitzt erstmals ein grüner Bundespräsident in der Hofburg.

 

Die Presse

Unmittelbar nach dem Urnengang im Dezember 2016 begann es jedoch zu kriseln: Den Anfang machte ein Konflikt mit dem Langzeitabgeordneten Peter Pilz, der nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl zum wiederholten Mal eine Strategiedebatte vom Zaun brach. Pilz traf sich mit anderen Kritikern, die dem Führungsteam um Glawischnig vorwarfen, im Kampf um Wählerstimmen zu stark auf stromlinienförmiges Politmarketing zu setzen und den inhaltlichen Kurs zu verwischen.

(Bild aus dem Jahr 2007, Van der Bellen, Glawischnig, Pilz)

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Im März 2017 eskalierte schließlich der Konflikt mit der Führung der "Jungen Grünen": Weil die bei der ÖH-Wahl eine Abspaltung der offiziellen Grünen Studenvertretung (Gras) unterstützen wollten, drehte die Partei der Jugendorganisation den Geldhahn zu. Zwar trat der Vorstand der Jungen Grünen und Glawischnig-Kritikerin Flora Petrik zurück. Intern gab es allerdings viel Kritik am Krisenmanagement der Parteispitze. Dazu kamen gesundheitliche Probleme: Anfang April erlitt Glawischnig einen allergischen Schock und musste eine Woche pausieren.

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Den nun anlaufenden Nationalratswahlkampf wollte sich Glawischnig nun offenbar nicht mehr antun. Dabei hatte sie schon vor ihrer Kür zur Parteichefin gezeigt, dass sie Wahlkampf kann - und dass die medial oft ein wenig unterkühlt wirkende Juristin auch den Bürgerkontakt nicht scheut: Im Landtagswahlkampf 2004 übersiedelte sie kurzerhand nach Kärnten, tourte mit Spitzenkandidat Rolf Holub durch die Wirtshäuser des Landes und ermöglichte den Grünen damit erstmals den Einzug in den Kärntner Landtag.

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Geboren wurde Eva Glawischnig am 28. Februar 1969 in Seeboden am Millstätter See. Die Schulbank drückte sie unter anderem mit dem heutigen FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. Ins Rampenlicht zog es die Wirtstochter schon früh: Bereits mit 18 Jahren war sie als Keyboarderin der "Gerald Gaugeler Band" mit dem Song "Gelati" in den Top 10 der Austro-Hitparade, davor spielte sie in der "Hausmusik Glawischnig" am Hackbrett.

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Drei Jahre später schaffte Glawischnig als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen den Sprung in den Nationalrat. Dort konnte sie sich als Umweltsprecherin rasch etablieren und rückte 2002 zur stellvertretenden Parteichefin auf. Im selben Jahr dann ein Rückschlag für die ehrgeizige Kärntnerin: Bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP war sie schon als Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt worden, doch die Gespräche scheiterten.

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Während ihres Studiums in Graz baute Glawischnig praktisch im Alleingang die Landesgruppe von Global 2000 auf. Aus der gemeinsamen Zeit bei der Umweltorganisation stammt auch die langjährige Freundschaft mit der Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima von der SPÖ.

Glawischnigs Start in die Parteipolitik über die Wiener Grünen war dagegen ein Fehlstart: Bei den Landtagswahlen 1996 verfehlte sie den Einzug in den Landtag und arbeitete ohne Mandat als Umweltsprecherin der Wiener Grünen. 2006 wurde sie Dritte Nationalratspräsidentin.

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Kritik brachte Glawischnig auch ihre Nähe zu den Society-Seiten des Landes ein: Ihre Hochzeit mit dem TV-Moderator Volker Piesczek im Jahr 2005 wurde ebenso öffentlichkeitswirksam vermarktet wie ihre anschließende Schwangerschaft. In der Folge ging Glawischnig merkbar auf Distanz, ihre beiden Söhne versucht sie bis heute aus der Öffentlichkeit völlig herauszuhalten.

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Immer wieder gab es Häme von den anderen Parteien: So wurde Glawischnig vom damaligen Nationalratspräsidenten Andreas Khol (ÖVP) einst als "radikale, aber wunderschöne Marxistin" bezeichnet. Die Grüne Frontfrau schenkte aber den anderen Parteien nichts. Einige "Sager" von Glawischnig: "Der sich virusartig ausbreitende Realitätsverlust scheint von der FPÖ auf die ÖVP übergesprungen zu sein", die "unverschämte" Parteienförderung in Kärnten für FPÖ, SPÖ und ÖVP, "Haider ist ein Pensionsräuber", "Schüssel ein unehrlicher Spieler" oder "Schwarz-Blau ist ein totes Projekt".

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Lieblingsmusikstil: Gutes aus allen Genres von Klassik (Puccini, Beethoven) über Jazz, Funk, Soul (von Ray Charles bis Vienna Art Orchestra und Vienna Scientists) aber auch Michael Jackson oder Prince. Seit dem Regierungswechsel wieder vermehrt Kärntner Lieder.

Lieblingsbuch: Douglas R. Hofstadter: "Gödel, Escher, Bach"

Hobbys: Laufen, Musik, Sport, Zeit in der Natur, Wandern

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