Warum das Ende der Eurofighter naht

Verteidigungsminister Doskozil hat über die Zukunft der Abfangjäger entschieden – aus mehreren Gründen. Das Heer arbeitete bereits Alternativen für die Luftraumüberwachung aus.

In Zukunft könnten keine Eurofighter mehr im österreichischen Luftraum fliegen.
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In Zukunft könnten keine Eurofighter mehr im österreichischen Luftraum fliegen.
In Zukunft könnten keine Eurofighter mehr im österreichischen Luftraum fliegen. – (c) REUTERS

Wien. Eine Typentscheidung soll noch nicht fallen, zumindest nicht heute. Hans Peter Doskozil will am Freitag aber immerhin kommunizieren, wohin die Reise bei der Luftraumüberwachung geht: Der Verteidigungsminister (SPÖ) lädt zu einer Pressekonferenz, das Thema ist die Zukunft der Eurofighter. Das Ergebnis dürfte sein: Es gibt keine. Das Bundesheer wird voraussichtlich den Auftrag erhalten, Alternativen zum Jet zu prüfen.

In den Grundzügen wurde dies bereits erledigt: Eine eigene Kommission arbeitete die vergangenen Wochen und Monate verschiedene Varianten für die aktive Luftraumüberwachung aus. Die Vorgabe: Das System soll effektiver und im Idealfall günstiger als das bestehende sein. 19 Varianten prüfte die Kommission. In einem Bericht empfiehlt sie dem Minister zwei bis drei Modelle – das Papier liegt ihm seit vergangener Woche vor. Als Alternativmodelle für den Eurofighter kommen beispielsweise die F-16 (USA) oder Gripen (Schweden) infrage. Doskozil war ohnehin nie mit den Eurofightern zufrieden – nun hätte er die Gelegenheit, ihr Ende zu verkünden. Warum eigentlich? Ein Überblick.

 

1 Die Betriebskosten für den Eurofighter sind (zu) hoch.

Im September 2014 wurde zwar die letzte Rate für die Eurofighter abbezahlt. Aber die laufenden Kosten sind hoch, zu hoch für einige im Verteidigungsressort. Eine Flugstunde kostet 70.000 bis 80.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten für die Eurofighter betragen 80 Millionen Euro. Gespart wurde in der Vergangenheit bereits: Die Zahl der Flugstunden wurde reduziert, auch die Stundenanzahl, zu der die Jets samt Piloten bereitstehen, wurde verringert.

 

2 Eine Nachrüstung der Eurofighter steht in Zukunft an.

Bei den Eurofightern der Tranche 1, also der weniger modernen Baureihe, sind in Zukunft technische Upgrades nötig. Damit das System auch weiterhin läuft, müssen verschiedene Teile erneuert werden. Wenn, dann muss sich das Heer bald gegen diese Jets entscheiden – noch bevor Geld für Neuerungen in die Hand genommen wird. Allgemein muss man allerdings festhalten: Auch ein Umstieg auf einen anderen Abfangjäger würde hohe Kosten bedeuten. Techniker, Piloten und Flugsimulator sind immerhin auf den Eurofighter eingestellt.

 

3 Die Saab-105 muss bis zum Jahr 2020 ersetzt werden.

Der Luftraum wird derzeit von zwei Maschinentypen überwacht: Eurofighter und Saab 105. Seit 1970 werden Letztere genutzt, auch als Trainingsflieger. Spätestens ab dem Jahr 2020 ist damit allerdings Schluss: Die veralteten Maschinen müssen dringend ersetzt werden. Das Heer müsste also ohnehin eine Alternative für die Luftraumüberwachung finden. In dieser Hinsicht bietet sich eine Entscheidung über die Zukunft der Eurofighter auch an.

 

4 Es ist Wahlkampf und die Jets sind ein dankbares Thema.

Nicht, dass die Zeit nicht ohnehin drängen würde – siehe Punkt drei. Aber ganz ungelegen kommt es Doskozil mit Sicherheit nicht, dass er die Entscheidung über die Zukunft der Eurofighter im Wahlkampf kommunizieren kann. Spätestens durch den zweiten U-Ausschuss zu den Abfangjägern geraten die Jets beziehungsweise ihr undurchsichtiger Ankauf in ein schlechtes Licht. Und Doskozil versucht diese Tatsache für sich zu nutzen. Immerhin ist es vor allem seine Aufgabe in der SPÖ, Außenminister und ÖVP-Chef Sebastian Kurz beim Thema Sicherheit die Stirn zu bieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2017)

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