Kommen Österreichs nächste Kampfflugzeuge aus Indien?

Sollten erneut Überschallflugzeuge erworben werden, könnten die Saab Gripen aus Schweden oder die bewährte F-16 Fighting Falcon aus den USA zum Zug kommen. Letztere käme angeblich recht günstig, würde aber - wenn überhaupt - in Indien gebaut.

Darstellung der möglichen F-16 Block 70 für Indien
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Darstellung der möglichen F-16 Block 70 für Indien
Darstellung der möglichen F-16 Block 70 für Indien – Lockheed Martin

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil schwieg am Freitag bei der Bekanntgabe der Abschaffung der "Typhoons" von Eurofighter auf Fragen, welche Flugzeugmodelle als Ersatz beschafft werden sollten. Genannt wurde nur die Zahl von 15 Einsitzern und drei Zweisitzern, und es hieß, die neuen Maschinen sollten "leistungsfähig" sein und "zeitgemäße" Systeme etwa für den Luftkampf und Selbstschutz besitzen, auf die frühere Regierungen bzw. Minister beim Typhoon aus Kostengründen verzichtet hatten.

Auch für den renommierten heimischen Militärluftfahrtexperten Georg Mader, Österreich-Korrespondent der internationalen Militärfachzeitschrift "Jane's Defence", ist aus heutiger Sicht noch nicht absehbar, welches Kampfflugzeug ab 2020 neu zum Bundesheer stoßen könnte. Nachdem Doskozil aber von Überschallflugzeugen gesprochen hat, entfallen damit schon einmal die bisher im Raum gestandenen Modelle von Kampfjets, die gerade noch unterhalb der Schallmauer fliegen (die Schallgeschwindigkeit in Luft hängt unter anderem, etwa neben der Dichte, von der Lufttemperatur ab: Bei 20 Grad beträgt sie etwa 1230 km/h, bei 0° etwa 1190 km/h, bei -20° rund 1150 km/h).

Flugzeuge wie die M-346 von "Alenia Aermacchi" bzw. "Leonardo" (Italien) oder die britische "Hawk" von BAE Systems scheiden daher als Eurofighter-Ersatz wohl aus. Mögliche Überschallmodelle scheinen zwar weltweit en masse vorhanden zu sein, jedoch scheiden die meisten davon aus politischen, finanziellen und technischen Erwägungen wohl aus, etwa die amerikanische F-35 "Lightning II" von Lockheed Martin, die französische "Rafale" von Dassault und in Bausch und Bogen wohl auch alle russischen und chinesischen Jets.

Von Bangalore nach Zeltweg?

Laut Mader zeichneten sich zuletzt in der Sonderkommission zur Luftraumüberwachung die schwedische Gripen E/F von Saab und die an sich altbewährte, im Grunde seit den 1970ern fliegende US-amerikanische F-16 "Fighting Falcon" von Lockheed Martin als Optionen ab.

Möglich seien auch Übergangslösungen. "Gebrauchte Gripen als Übergangslösung für neue Gripen E/F oder F-16 aus der Wüste als Übergangslösung für die neue F-16 Block 70."

Vor allem die Gripen dürfte bei Österreichs Militärs einige Anhänger haben. Neue F-16 aber würde es nur geben, wenn Indien diese kauft, wo zur Zeit eine Ausschreibung über 200 bis 250 (!) Kampfflugzeuge läuft. Die Fertigungslinie der F-16 in Fort Worth (Texas) ist nämlich in Einstellung begriffen oder schon eingestellt worden. Sollte Lockheed Martin aber die Ausschreibung in Indien gewinnen, würde der Konzern die F-16 auch in Indien bauen lassen, das ist Teil des Angebotes an Delhi. "Das würde bedeuten, dass neue österreichische F-16 aus Bangalore kommen würden."

"Echt fetter Jagdbomber"

Sowohl der Gripen E/F als auch die F-16 Block 70 seien freilich weit mehr als bloße "Abfangjäger", nämlich "richtige" Mehrzweckkampfflugzeuge, wie sie heute eben üblich sind. Der Block 70 sei überhaupt, falls er denn kommt, ein "echt fetter Jagdbomber", so Mader, und das könnte in einigen (eher pazifistisch-linken) Kreisen, die "Kampfbomber" ablehnen, rein ideologisch gesehen nicht so gut ankommen.

Die heimische Sonderkommission sei jedenfalls von diesem Flieger sehr angetan: "Sie fanden ihn ,erfreulich günstig'", so Mader zur "Presse", wiewohl vorerst in der Öffentlichkeit keine klaren Zahlen genannt wurden. Er stelle sich das allerdings sehr "mystisch" vor, wie österreichische Abgesandte diesfalls in Indien vorstellig würden.

80 Mio. € Leasingkosten pro Jahr für Tschechen-Gripen

Bezüglich des Gripen indes meint Mader, dass es auch eine Kostenfrage sei. Immerhin kosteten die 15 abbezahlten Eurofighter Österreich halt zwar um die 80 Millionen Euro im Jahr, während etwa jene 14 Gripen, die Tschechiens Luftwaffe bis 2027 geleast hat, dem Land auch etwa 80 Millionen pro Jahr kosten würden.

Saab Gripen
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Saab Gripen
Saab Gripen – Saab/Jamie Hunter

Kein Problem wäre es laut Mader allerdings auch, die bestehenden Typhoons um bisher fehlende Fähigkeiten aufzurüsten. "Fähigkeitszuwachs ja, aber mein Optimismus, dass der Umstieg auf ein anderes Modell auch kommt, ist enden wollend", sagte Mader im Gespräch mit der APA.

Als man Österreichs Flugzeuge "kastrierte"

Einiges, was die Sonderkommission "Aktive Luftraumüberwachung" in ihrem Bericht an zusätzlichen Systemen fordert, sind Dinge bzw. Eigenschaften, die bei den Typhoons ursprünglich an Bord waren, letztlich beim Vergleich mit dem Hersteller EADS bzw. Eurofighter aber wie erwähnt weggelassen wurden. Darunter waren etwa die Nachtflugfähigkeit, das extrem nützliche, passive Infrarot-Identifizierungssystem "Pirate", Geräte zum aktiven und passiven Selbstschutz und die Erkennung fremder Radarsysteme.

All diese Fähigkeiten - inklusive Bewaffnung auch mit Mittelstrecken-Luft-Luft-Raketen - soll also das Nachfolgemodell bei billigeren Betriebskosten erfüllen. Da über die konkreten Kostenvorstellungen pro Flugstunde noch zu wenig bekannt seien, könne man schwer sagen, welche Flieger ab 2020 letztlich einfliegen werden. Eine Lieferung neu gebauter Maschinen würde jedenfalls mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Übrigens: Wäre es 2007 nicht zu dem so umstrittenen wie fragwürdigen Vergleich des damaligen SPÖ-Verteidigungsministers Norbert Darabos mit EADS/Eurofighter gekommen wäre, hätte man laut Georg Mader jetzt noch nicht aktiv werden müssen. "Dann wären zwar die Betriebskosten immer noch hoch, aber man müsste jetzt nicht nach zusätzlichen Fähigkeiten rufen." Österreich bräuchte dann nur neue Trainingsdüsenflugzeuge als Nachfolger für die uralte Saab 105, die seit 1970 im Bundesheer fliegt.

(APA/wg)

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