Widerstand gegen mögliches Aus für Rauchverbot

Gesundheitsministerium, Lungenfachärzte und Krebshilfe reagieren kritisch auf die Gerüchte, wonach ÖVP und FPÖ das für 2018 geplante Rauchverbot in der Gastronomie kippen könnten. Die Wirte sind unentschlossen.

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Symbolbild Rauchen – APA/HELMUT FOHRINGER

Die Gerüchte, dass ÖVP und FPÖ womöglich das für 1. Mai 2018 geplante Rauchverbot in der Gastronomie kippen könnten, lässt Widerstand aufkommen. Nicht nur die heimischen Lungenfachärzte forderten am Freitag in einer Aussendung die Umsetzung des Verbots, auch aus dem Gesundheitsministerium sowie von der Österreichischen Krebshilfe und der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) kommt Kritik.

Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) betonte, die rauchfreie Gastronomie in Österreich, die 2015 von der Volkspartei und Sebastian Kurz mitbeschlossen wurde, sei aus gesundheitspolitischer Sicht ein Erfolg. "Ein Zick-Zack-Kurs der ÖVP wäre ein massiver Rückschritt." Die Rauchverbote in anderen Ländern würden einen positiven Trend bei Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten und Frühgeburten zeigen. "Es wäre völlig unverständlich und medizinisch unverantwortlich, die endlich begonnene Trendwende jetzt plötzlich wieder umzukehren und nachhaltig zu vernichten," betonte auch der Mediziner und Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. Rauchen sei für ein Drittel aller Krebserkrankungen verantwortlich. Die Initiative "Don't smoke" verfolge die Koalitionsverhandlungen mit großer Sorge.

"Die 2015 beschlossene Novelle des Tabakgesetzes war ein Meilenstein in der österreichischen Gesundheitspolitik", stellen die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) in einer Aussendung fest. "Eine Aufweichung des Nichtraucherschutzes bedeutet nicht nur einen Rückschritt, sondern vor allem eine massive Bedrohung der Gesundheit für die österreichische Bevölkerung - insbesondere der Jugend. Deshalb fordern wir diesen Irrsinn nicht vorzunehmen: Das Nichtrauchergesetz muss bleiben", betonte Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda.

OeGHO-Präsident Andreas Petzer attestierte: "Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie zählt in Europa mittlerweile zum Standard, der in Österreich bis dato zwar beschlossen, aber noch nicht umgesetzt ist."

"Vielzahl langfristiger positiver Effekte auf die Gesundheit"

Kein Verständnis dafür, das beschlossene Tabakgesetz wieder aufzuheben, hat auch die Fachstelle für Suchtpräventation Vivid. "Die Übergangszeit waren also knapp drei Jahre. Diese außergewöhnlich lange Frist gab allen Beteiligten ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen", heißt es in einer Aussendung.

"Die erwartbaren positiven Effekte eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie sind für die Gesundheit der Menschen so bedeutend und so vielfältig, dass ein Kippen des für 2018 geplanten Rauchverbots nicht in Frage kommen darf", sagte Peter Schenk, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Er verwies dazu auf eine "Vielzahl langfristiger positiver Effekte auf die Gesundheit der Menschen" und nannte als Beispiel "weniger Lungenkrebs- und COPD-Neuerkrankungen". Die ÖGP weiter: "Es werden auch weniger Kinder geboren werden, deren Körpergröße aufgrund des - aktiven oder passiven - Rauchens der Mutter während der Schwangerschaft zu gering ist."

Wirte unentschlossen

Unter Wirten gibt es indes keine einhellige Meinung zum Thema Rauchen. Die "Initiative für einen gesunden Wettbewerb in der Gastronomie", der laut Eigenangaben 15 Lokale angehören, spricht sich für einheitliche Rahmenbedingungen für alle Wirte aus, denn die derzeitigen Regeln würden von vielen Gastronomen gebrochen, so Sprecher Peter Tappler. "Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, die Mehrheit ist für das Rauchverbot, denn kein Wirt will sich schon wieder mit einer Änderung herumschlagen müssen." Als Gegner des Rauchergesetzes ist auch immer wieder der Gründer von Wein & Co., Heinz Kammerer, aufgetreten. 2015 führte er eine Umfrage unter seinen Gästen durch. 75 Prozent waren dafür, das erst ab 2018 geltende Rauchverbot schon sobald wie möglich umzusetzen. Seit Juli 2015 sind die Lokale des Weinhändlers rauchfrei.

Ein klarer Verfechter des Rauchens ist hingegen der Wiener Gastronom Heinz Pollischansky. Ein Aus für das geplante generelle Rauchverbot "wäre das Überleben für die Wirte", so Pollischansky. Aus seiner Sicht würde das Verbot vor allem die Kleinen treffen. Pollischansky forderte, zur Regelung von 2008 zurückzukehren, dass Wirte wieder entscheiden können, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen wollen. Die ÖVP-Ansage im Wahlkampf, Bürokratie abbauen zu wollen, habe er in diese Richtung interpretiert, so Pollischansky.

Übrigens: Trifft ein aktueller Bericht der "Kronen Zeitung" zu, können die Kritiker aufatmen: Demnach ließ die die ÖVP die FPÖ mit deren Wunsch nach einem Aus für das Rauchverbot bereits abblitzen.

>> "Krone"-Bericht

(APA/Red.)

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