Die „Frau Bürgermeisterin“ ist eine Exotin in Europa

EU-weite Studie: Österreich auf hinteren Rängen.

WIEN (red./APA). Was haben Dublin, Nikosia, Sofia und Warschau gemeinsam? Sie sind Hauptstädte eines EU-Mitgliedstaates, die von einer Frau geführt werden – und damit die Ausnahme der Regel. Denn die „Frau Bürgermeisterin“ ist eine Exotin in Europa. In den restlichen der 27 EU-Hauptstädte steht ein Mann an der Spitze, wie aus einer Untersuchung des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen hervorgeht.

In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwei von neun Landeshauptstädten haben eine Bürgermeisterin: Innsbruck mit Hilde Zach (Liste „Für Innsbruck“) und Eisenstadt mit Andrea Frauenschiel (ÖVP). Im Gesamtvergleich der Kommunen sind nur 110 von 2357 Ortschefs weiblich. Das entspricht einem Anteil von 4,7 Prozent.

EU-weit liegt Österreich damit auf den hinteren Rängen, in etwa gleichauf mit Ländern wie Rumänien und Slowenien. An der Spitze steht Lettland mit einem Bürgermeisterinnenanteil von 39 Prozent, gefolgt von Schweden mit 30 Prozent. Schlusslicht ist Griechenland mit drei Prozent. Der EU-Schnitt beträgt 13 Prozent (exklusive Irland), wie die Europäische Kommission 2007 erhoben hat .

Was den Frauenanteil in den Regionalversammlungen (bei uns: Landtage) betrifft, liegt Österreich mit 31,5 Prozent knapp über dem EU-Durchschnitt von 30 Prozent: 141 von 448 Landtagsabgeordneten sind weiblich. Spitzenreiter ist Wien mit 42 Prozent Frauen. Aber nur dem Vorarlberger Landtag steht eine „Frau Präsidentin“ vor.

Mit 29,2 Prozent ist die Quote bei den Landesregierungsmitgliedern noch ein wenig schlechter (21 von 72 sind weiblich). Finnland kommt hier auf 47 Prozent, Schweden auf 45 Prozent. Landeshauptfrau gibt es in Österreich überhaupt nur eine einzige, nämlich Gabi Burgstaller (SPÖ) in Salzburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)

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