Politische Stilblüten: FPÖ will "mehr Brutto vom Netto"

Den eigenen Standpunkt um jeden Preis in die Öffentlichkeit bringen - das ist das Ziel der Presseaussendungen von Parteien. Im Eifer des Gefechts kann schon einmal eine Stilblüte, ein peinlicher Fehler oder einfach nur eine billige Beschimpfung passieren.

Jüngstes Beispiel ist eine Aussendung der FPÖ vom 2. Oktober, in der es heißt: "Mehr Brutto vom Netto" - Unter dieser Prämisse steht das freiheitliche Steuerentlastungskonzept, das FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache heute (...) präsentierte." Für die Verwechslung erntet die Partei derzeit Spott und Häme in sozialen Netzwerken. Und Strache stellte auf Facebook klar, was er eigentlich fordert: "Steuern runter - Mehr Netto vom Brutto!"(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Manchmal ist auch einfach nur der Nachrichtenwert einer Aussendung fraglich. "Der ÖVP-Pressedienst gibt die Bestellung einer Familienpizza mit Champignons bekannt. Nachdem der Grüne Pilz uns Appetit auf Schwammerl gemacht hat, wollen wir die werten Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen über unseren Heißhunger informieren", heißt es in einer OTS, mit der die Volkspartei auf Korruptionsvowürfe von Peter Pilz reagiert. Man hoffe, auf der Pizza werde sich "kein schimmelig-grüner Giftpilz" finden. 40 Minuten später die Entwarnung: "Wir geben bekannt, dass die Pizza gemundet hat. Sehr sogar."Fabry

"Lassen uns von Linksextremisten nicht kastrieren!", stellt FPÖ-Nationalratskandidat Maximilian Krauss klar. Hintergrund: Die sozialistischen Studenten lobten eine Gesetzesänderung in Deutschland, wonach im Geburtenregister kein Geschlecht eingetragen werden muss, wenn das Kind nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann.

Krauss ortet darin eine "Kastration auf dem Papier" und wird von düsteren Zukunftsvision geplagt: "Im verpflichtenden Einheitskindergarten sollen Buben sich die Nägel lackieren, Mädchen die Buben zwicken."Fabry

Wenig gastfreundlich zeigt sich BZÖ-Mandatar Stefan Petzner: "Shut up, Mister Söder! It's our money, Mister Söder! Go home, Mister Söder!", lässt er Bayerns Finanzminister ausrichten. Söder forderte zuvor "my money back". Gemeint waren jene Milliarden, die die staatliche BayernLB in die staatliche Kärntner Hypo Alpe Adria gesteckt hat und Söder für Kredite hält.

Wenn sich die Wiener FPÖ darüber empört, dass das Bundesland im Rating von Standard & Poor's sein Triple-A-Rating verloren hat, klingt das so: "FP-Gudenus: Brauner & Co verspielen Drippel-A von Wien".(c) EPA (Oliver Berg)

Zum "guten Ton" einer Presseaussendung gehört auch die Übertreibung. So spürt der Wiener ÖVP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch einen "Hauch von Nordkorea in Wiener Schulen".

Der Grund: Die Wiener ÖVP startete eine Unterschriftenaktion gegen die Streichung von Lehrer-Stellen. Der Wiener Stadtschulrat schickte daraufhin ein Schreiben an die Direktoren, wonach von Parteien übermittelte Briefe grundsätzlich nicht an Lehrer weitergegeben werden dürfen.(c) AP

Anschaulich warnt die FPÖ die Bevölkerung vor einem Exhibitionisten im Rathauspark: "Er schleicht durch die Büsche, macht durch laute Zischlaute auf sich aufmerksam und entblößt sich dann vor den Augen der Passanten".

Im Rathauspark gehe es bekanntermaßen im Schutz der Dunkelheit bisweilen rund, weiß FP-Gemeinderat Toni Mahdalik - aber: Der "zeigefreudige Schleicher" am hellichten Tage sei doch "ein wenig zu viel des Guten".(c) FABRY Clemens

Der Grüne Peter Pilz fordert ein "Verbot von Massenvernichtungs- Waffen für SPÖ und ÖVP" .

Kurze Zeit später folgt auf dann die Korrektur-Aussendung: gemeint waren nämlich "MassenVERWIRRUNGSwaffen".(c) EPA

Wenn man auf einen Flug stundenlang warten muss, ist das nervenaufreibend. Wenn man aber noch dazu EU-Abgeordneter ist, ist es ein "Skandal". Zumindest sieht das Andreas Mölzer (FPÖ) so, der sich in einer Aussendung beschwert, vor einem Flug mit der AUA nach Brüssel "offenbar mutwillig und ohne Informationen einer stundenlangen Geduldsprobe ausgesetzt" gewesen zu sein.

Mölzer vermutet einen "wilden Streik" der Belegschaft und kritisiert, dass "beispielsweise EU-Abgeordnete oder Geschäftsleute ihre Termine nicht wahrnehmen konnten".(c) Fabry

Ein an sich unspektakuläres Ereignis spannend zu verkaufen, ist gar nicht so einfach. Der Pressedienst der Stadt Wien versucht es nach dem Besuch der Sternsinger bei Bürgermeister Michael Häupl mit "leichter" Übertreibung:

"Die Heiligen Drei Könige wurden in diesem Jahr von einem 'Pferd' und einem 'Kamel' begleitet, die sich erst bei näherer Betrachtung als kostümierte Kinder herausstellten".

APA

Die FPÖ greift nicht nur auf Wahlplakaten, sondern auch in Presseaussendungen gerne zur Dichterfeder. Zum Swingerclub in der Secession reimt sie:

"Der Mailath ist ein schlimmer Bub und fördert einen Swingerclub! Er dürfte nicht ganz richtig ticken, 90.000 nur für's ?? Im Oktober werden wir die Wähler fragen, was die zu diesem Schmutz so sagen. Während alte Leute frieren, lässt Häupl schwitzend kopulieren.

....APA

Sex "Kunst" - wichtig wie ein Kropf und ein Brett vorm roten Kopf. Gang-Bang-Orgien in rot - ist die SPÖ jetzt aus dem Lot? Ob Gang-Bang oder Fesselspiel - was zu viel ist, ist zu viel

Der Mailath swingt, die Brauner lacht - wenn das ist Kunst - dann gute Nacht!"


Ob dieser Reim "ist Kunst"?APA

"Der ORF entwickelt sich immer mehr zu "Quiquita-TV", schimpft FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung zu angeblichem Postenschacher.

Gemeint war offenbar Chiquita, wie Kickls weitere Ausführungen nahe legen: Was sich derzeit im und rund um den ORF abspiele lasse eher auf eine Bananenrepublik als auf einen öffentlich-rechtlichen Sender schließen.(c) AP

Manchmal bleibt die Botschaft einer Aussendung ganz und gar rätselhaft.

Im Titel einer Mitteilung, mit der FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik eine City-Maut für Wien "klar und deutlich ablehnt", heißt es kryptisch:

"City-Maut kommt gleich nach dem Häuser anzünden". APA

Manche Aussendungen haben gar "prophetischen" Charakter.

"Anlässlich des bevorstehenden Valentinstages besuchte Konsumentenschutzstadträtin Sandra Frauenberger heute UnternehmerInnen und MitarbeiterInnen am Blumengroßmarkt in Inzersdorf. Am frühen Programm - der Besuch fand bereits um 6 Uhr statt - stand eine Besichtigung der Blumengroßmarkthalle und Gespräche mit den UnternehmerInnen des Marktes über ihre Wünsche und Sorgen."

In Wahrheit wurden die Unternehmer ihre Wünsche und Sorgen jedoch nicht los - denn wie der Pressedienst wenige Minuten später korrigierte, war der Besuch erst in der darauffolgenden Woche geplant.APA