Strache: "Moscheen an den Stadtrand"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache fordert im Gespräch mit der "Presse am Sonntag" Vorschulen für Kinder mit schlechtem Deutsch und die Möglichkeit zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft.

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Strache – APA

Fürchten Sie, nach Dichands Tod in der „Krone“ schwerer thematisch durchzukommen?

Heinz-Christian Strache: Hans Dichand hat dafür gesorgt, dass sich die Breite der Meinungen aller Leser in der „Krone“ widerspiegelt und so sein Publikum angesprochen. Wenn man sich in der politischen Meinung verengt, verliert man.

Ist das eine Warnung?

Überhaupt nicht. Ich bin überzeugt, dass das Erbe Dichands fortgesetzt wird.

Wie sieht es mit dem politischen Erbe von Jörg Haider aus, der einst in diesem Büro saß? Sie wirken in letzter Zeit angeschlagen.

Im Gegenteil: Überall, wo ich als Kandidat angetreten bin, wurde ich mit großen Gewinnen gestärkt. Wir schafften in Vorarlberg und Oberösterreich eine Verdoppelung und im Burgenland, das historisch ein schwieriges Bundesland für uns ist, eine Erhöhung von 3,5 Prozent.

Ihr Ziel, Wiener Bürgermeister zu werden, ist aber in weiter Ferne.

Reden wir über Inhalte und nicht über ungelegte Eier: Wir haben einen Bürgermeister, der von einer Alibiaktion zur nächsten hüpft. Dabei ist die Arbeitslosenquote so hoch wie nie zuvor, in den Schulen geht es drunter und drüber.

Die Arbeitslosenquote war schon höher.

Wir pendeln bei der Höchstzahl, bei über 100.000 Arbeitslosen in Wien, die mit Schulungen kosmetisch korrigiert wird. Die Kriminalitätsrate steigt und die SPÖ schaut völlig untätig zu.

 

Die sinkt gerade.

Aber nur, weil man täglich die Statistiken ändert. Nein, wir haben als Bürgermeister einen großen Blender.

Wenn man Ihre Plakate liest, könnte man Sie auch für einen halten. Sie versprechen Dinge, die die Bundesregierung beschließen muss.

Ich sage, was ich für Wien fordern und umsetzen werde, wenn die Bevölkerung mich wählt. Wir brauchen einen Sicherheitsstadtrat, dem alle Wachkörper unterstehen und der eine Null-Toleranz-Doktrin nach Vorbild des früheren New Yorker Bürgermeisters Giuliani verfolgt.

Damit sind Sie auf Linie mit der ÖVP.

Das sind unsere alten Forderungen. Jetzt schreiben sie vor der Wahl von unseren Programmen ab. Aber das interessiert mich nicht. Ich will vielmehr, dass es keine Schulklasse mit mehr als 25 Kindern in Wien gibt. Dann muss man eine verpflichtende Vorschule für Kinder einführen, die nicht Deutsch können.

Das letzte Jahr im Kindergarten ist schon häufig ein Vorschuljahr.

Das ist nicht vorschulhaft, das ist ein reines Betreuungsmodell. In Finnland wird der Schwerpunkt darauf gelegt, dass die Kinder die Landessprache erlernen.

Eine Vorschulklasse nur für Kinder, die kaum Deutsch sprechen? Da lernen sie die Sprache schwerer als in einer Klasse mit Deutschsprachigen. Sie wollen eine Vorsonderschule.

Nein, das ist keine Vorsonderschule, sondern eine Sprachvorschule, damit diese Kinder auch Chancengleichheit haben.

Sie könnten der SPÖ helfen, gegen die ÖVP ein Hausbesorgergesetz zu beschließen.

Wien braucht ein anderes Modell als das der SPÖ: Hausmeister mit Kompetenzen. Die Mietern, die die Hausordnung nicht einhalten, kündigen können. Das passiert nicht. Es kommen Hunderte zu mir und sind verzweifelt, dass in der Waschküche im Gemeindebau Tiere geschächtet werden, dass es Anpöbelungen gibt...

Das mit dem Schächten ist eine Legende.

Das ist keine Legende. Es findet leider statt. Ich lade Sie gerne ein, dass wir uns vor Ort die Missstände ansehen.

 

Können Sie sich vorstellen, Christine Marek als Bürgermeisterin zu stützen?

Frau Marek soll, wie ich höre, Kulturstadträtin auf Kosten Mailath-Pokornys werden. Ein ÖVP-Mann darf die Verkehrs- und Stadtplanung übernehmen. Da dürfte man sich mit der SPÖ einig sein. Aber die SPÖ wird nachdenken müssen, ob sie durch die Ausgrenzung der FPÖ nicht eine sichere Niederlage riskiert. Ich kann mir vorstellen, als Bürgermeister von Wien mit der SPÖ zu koalieren.

Und in der Steiermark? Dort können Sie sich eine Koalition mit Franz Voves vorstellen?

Immer. Ich kann mir immer Koalitionen vorstellen, weil wir Äquidistanz zu allen leben. Wir wollen nur unser Vorhaben umsetzen. Dass Integration gelebt wird, dass Kriminelle abgeschoben werden.

Wenn ein Österreicher kriminell wird, können Sie ihn nicht abschieben.

Aber wenn jemand ein moslemischer Fundamentalist ist, also unter falschen Voraussetzungen die Staatsbürgerschaft erhalten hat, muss man diskutieren, ob man diese nicht entziehen kann.

Ich dachte schon, Sie lassen den Islam aus.

Sie haben mich darauf gebracht. Ich unterstütze auf jeden Fall die Floridsdorfer Bevölkerung gegen den geplanten Moscheebau. Es kann nicht sein, dass es in Wien schon mehr islamische Gebetshäuser als Kirchen gibt.

Das stimmt nicht.

Wenn wir die Vereinslokale dazuzählen, gibt es in vielen Bezirken mehr Gebetslokale als Kirchen.

Klar, dass es Vereinslokale gibt, wenn Menschen keine Gotteshäuser zum Beten haben.

Wir wollen, dass jede Religion mit größtem Respekt behandelt wird. Wir wenden uns gegen Gebetshäuser in Ballungszentren, wo sie nicht hingehören.

Wo sollen sie denn stehen?

An geeigneten Stellen am Stadtrand, wo es Parkplätze gibt. Es gibt doch bitte den Hafen Freudenau. Aber es muss immer mit Einbindung der Bevölkerung passieren.

99,38

Prozent

der Abgeordneten haben Heinz-Christian Strache 2008 zum Chef der Wiener Freiheitlichen gewählt. Heute, Sonntag, stellt er sich auf dem 32.ordentlichen Parteitag der Wiener FPÖ im Austria Center der Wiederwahl.

Am Freitag hat Strache an der Demonstration gegen ein islamisches Kulturzentrum in Floridsdorf teilgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2010)

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