Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Steirer-Wahl

Rot und Schwarz liegen gleichauf. Das zeigt die „Presse“-exklusive Umfrage. Die FPÖ liegt nur mehr knapp auf Platz drei. Die Grünen sind stärker geworden. Die große Unbekannte bleibt die KPÖ.

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Hat den Landeshauptmannbonus verspielt: Franz Voves – (c) APA/MARKUS LEODOLTER (MARKUS LEODOLTER)

GRAZ. „Vorne waren wir noch nie", analysiert der steirische ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer aktuelle Umfragedaten zur steirischen Landtagswahl am 26. September. Daran ändert auch eine aktuelle, der „Presse" vorliegende Stimmungsabfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Public Opinion Strategies von Peter Hajek nichts. Wie zuvor IMAS oder OGM konstatiert auch Hajek ein Kopf-an-Kopf-Rennen von SPÖ und ÖVP: Konkret weist seine Juli-Hochrechnung in der Sonntagsfrage ein 38 zu 38 Prozent-Remis aus.
Die Grünen sind stärker geworden: Sie kommen in der Hajek-Umfrage auf sieben Prozent (Wahl 2005: 4,7%). Der Meinungsforscher führt das unter anderem auf den (kurzfristig eingesprungenen) Spitzenkandidaten Werner Kogler zurück. „Er hat zwar nicht die wahnsinnige Durchschlagskraft, aber er ist bekannt", analysiert Hajek, sieht bei den sieben Prozent aber auch den Horizont für die Grünen erreicht: „Die Steiermark ist für sie ein traditionell nicht einfacher Boden."

Wenig Spielraum nach oben ortet Hajek auch für die bei acht Prozent stagnierende FPÖ. Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann fehle die Ausstrahlung, das auch in diesem Wahlkampf bisher solitär gespielte Zuwanderungsthema sei nicht „der große Renner", und auf Bundesparteichef Heinz-Christian Strache könne man sich aufgrund dessen Engagements bei der Wiener Wahl nur zwei Wochen nach dem steirischen Urnengang nur beschränkt verlassen.

Dazu kommt, dass in der Steiermark abseits von Kärnten die letzte noch lebende BZÖ-Zelle den Freiheitlichen weh tun werde. Dennoch wird es allen Umfragen nach BZÖ-Spitzenkandidat Gerald Grosz, der derzeit via Facebook Anleitungen zum Abgeben der für eine Kandidatur notwendigen Unterstützungerklärungen gibt, nicht in den Landtag schaffen - bei Hajek kommt er auf drei Prozent.

„Die große Unbekannte bleibt die KPÖ", gibt der Meinungsforscher zu. 6,3 Prozent und damit den Wiedereinzug in den Landtag erreichten die Kommunisten vor fünf Jahren. Hajek und Kollegen sehen sie derzeit bei fünf Prozent. Sollten sie es wieder schaffen, ergäbe sich die Option einer linken Mehrheit (Rot-Rot-Grün).

Blaue nicht ausgegrenzt

Anders als im Bund und in Wien, wo es klare Absagen der roten Spitzen Richtung Blau gibt, kann sich Landeshauptmann Franz Voves - genauso wie Schützenhöfer - eine Zusammenarbeit mit der FPÖ vorstellen.

Auch in der Interpretation der aktuellen Umfrage-Ergebnisse herrscht Gleichklang: Beide üben sich in Positiv-Interpretationen. Die ÖVP verweist auf einen erfolgreichen Lückenschluss nach dem bitteren Absturz vor fünf Jahren. Von 47,3 auf 38,7 Prozent sackte sie damals ab. Die Aufholjagd bleibt damit in Prozenten zwar nicht messbar und verdeckt auch nur unzureichend, dass die einstige 40- bis 50 Prozent-Partei mit ihren aktuellen Umfragewerten nur knapp über ihrem historisch schlechtesten Ergebnis (1995: 36,3%) fest steckt. Im Gefühlshaushalt der ÖVP bilanziert man dennoch klar positiv. 2005 verlor die ÖVP den Sessel des Landeshauptmannes. Nun könnte es in einem Bundesland erstmals gelingen, diesen schon nach einer Periode wieder zurückzugewinnen.

Landeshauptmannbonus verspielt

Auch die rote Zufriedenheit ist relativ. Werte rund um 40 Prozent seien für die SPÖ doch erfreulich, wird Voves nicht müde, zu betonen. Tatsächlich waren die 41,7 Prozent von 2005 der beste Wert bei Landeswahlen seit einem Vierteljahrhundert. Der Absturz auf Augenhöhe mit der ÖVP bedeutet aber vor allem eines: Voves hat seinen Landeshauptmannbonus verspielt.

Er setzt jetzt auf seine Finisher-Qualitäten im zäh dahin laufenden Wahlkampf und die langsam wieder einkehrende interne Ruhe nach ärgsten Turbulenzen in der Grazer Stadt-SPÖ und rund um den unrühmlichen Abgang von Noch-Landtagspräsident Kurt Flecker. Ihm hatte Voves das Präsidentenamt als Gegenleistung für seinen Rückzug aus der Landesregierung bis über den Wahltag hinaus versprochen. Dass Flecker es jetzt allerdings auf keine dafür notwendige SPÖ-interne Wahlkreisliste mehr schaffte, kam Voves zupass, den Unbequemen los zu werden. Geschadet hat das der SPÖ bisher offensichtlich nicht. Genützt aber ebenso wenig.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26. 7. 2010)

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