ATIB: Kultur-Verein oder Islamisten-Hort?

Der türkisch-islamische Verein ATIB betreibt in Österreich mehrere Islam-Zentren und gehört zu den Lieblings-Feindbildern heimischer Islam-Kritiker. ATIB sei ein verlängerter Arm der Türkei, erklärt ein Experte.

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ATIB: Kultur-Verein oder Islamisten-Hort? – (c) AP (OSMAN ORSAL)

Vier Buchstaben, die bei vielen das Blut in Wallung bringen: ATIB, die „Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich", zählt bei heimischen Islam-Kritikern zu den Lieblings-Feindbildern. Der Verein betreibt und plant in Österreich mehrere Zentren, gegen die sich Bürgerinitiativen formiert haben. Sie werfen ATIB vor, politische Ziele zu verfolgen.

Zu den Gegnern des Vereins zählt auch die FPÖ. Ziel von ATIB sei es, türkische Werte zu etablieren und den Koran zu verbreiten, kritisiert die Partei. Der Verein werde vom türkischen Staat gesteuert.

ATIB sei „sicher nicht unabhängig", meint dazu Cengiz Günay vom Österreichischen Institut für Internationale Politik. Der Verein sei ein verlängerter Arm des türkischen Staates. Als die große Welle der Migration aus der Türkei startete, habe man festgestellt, dass die Migranten auch im Ausland religiöse Bedürfnisse haben. Um islamistischen Bestrebungen einen Riegel vorzuschieben, habe die Türkei versucht, ihr Religionsverständnis zu exportieren - unter anderem durch Vereine wie ATIB. "Der Verein vertritt wie die Regierung von Recep Tayyip Erdogan einen gemäßigten Islam", erklärt der Türkei-Experte.

Dass ATIB ein verlängerter Arm der Türkei ist, ist nach Günays Ansicht aber nur dann ein Problem, wenn man die Türkei als eine Gefahr betrachtet. Genau das macht Hannelore Schuster, Sprecherin der Bürgerinitiative gegen den Ausbau eines ATIB-Zentrums in der Dammstraße in Wien-Brigittenau. „Über ATIB regiert der türkische Staat in Österreich hinein", sagt sie. Und der türkische Staat sei darauf aus, den Islam in Europa dominieren zu lassen. „Natürlich" würden in ATIB Islamisten agieren, so Schuster.

Günay sieht das anders: „Es gibt keine unterirdische Strömung, die Österreich erobern will". Er glaubt auch nicht, dass durch Islam-Zentren in Österreich Parallelgesellschaften entstehen. Denn: „Die gibt es ja ohnehin schon." Türkische Migranten würden auf der untersten Stufe der sozialen Leiter stehen. Vom Staat gebe es für sie kaum Angebote.

Schuster glaubt hingegen, dass türkische Zuwanderer, die sich in Österreich integrieren wollen, Vereine wie ATIB ablehnen. Für ihren Protest gegen den Ausbau des Zentrums in der Dammstraße habe sie sogar Blumen von Türken bekommen.

„ATIB empfiehlt den Weg zur Integration in der Gesellschaft"

In seinen Statuten betont ATIB, die österreichischen Gesetze sorgfältig zu befolgen, die Menschenrechte zu respektieren und großen Wert auf interreligiöse Dialoge zu legen. „ATIB empfiehlt den Weg zur Integration in der Gesellschaft", heißt es.

Als Vereins-Zweck gibt ATIB unter anderem die Unterstützung von in Österreich sesshaften türkischstämmigen und dem Islam zugehörigen Personen in sozialen, kulturellen, religiösen, sportlichen und erzieherischen Bereichen an. Der Verein betont auch seine Unabhängigkeit: "In seiner Funktion ist ATIB zu allen Parteien gleich distanziert und sieht sich unparteiisch." Zu der Diskussion um seine geplanten Zentren und den Vorwürfen gegen den Verein wollte ATIB gegenüber DiePresse.com keine Stellungnahme abgeben.

ATIB

Die Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich wurde 1990 gegründet. Sie ist der Dachverband für 59 Mitgliedsvereine, fünf davon in Wien. ATIB betreibt in Österreich mehrere Islam-Zentren und Moscheen.

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