T-Shirt-Affäre in FPÖ: Neonazicode präsentiert

Oberösterreich: Erwin Kiebler, FP-Mandatar aus dem Mühlviertel, trug ein Neonazi-Shirt und fühlt sich seither "von linksextremen Kreisen" bedroht. Der "Vikinger Fan" ist sich selbst indes keiner Schuld bewusst.

TShirtAffaere FPoe Neonazicode praesentiert
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Germanic Warrior – (c) AP (JIM MONE)

Linz. Mit seinem T-Shirt der Marke „Max H8“ hat ein FP-Ersatzgemeinderat aus dem Mühlviertel unerwartet viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Erwin Kiebler, der mit dem Kleidungsstück am 18. April bei einem Lokalaugenschein des Bau- und Kanalausschusses von Mitterkirchen im Bezirk Perg auftauchte, und nach lokalen Medienberichten dafür heftig kritisiert wird, fühlt sich nun verfolgt. Seine Familie werde „von linksextremen Kreisen“ massiv bedroht, sagte der 33-Jährige zur „Presse“.

Der Markenname ist Teil eines Codesystems, das in rechtsradikalen Kreisen häufig zur Umgehung des Verbotsgesetzes genutzt wird: Er kann nicht nur als „Maximum Hate“, also „maximaler Hass“, sondern auch als Symbol für Heil Hitler – abgeleitet aus dem Buchstaben H und der Ziffer 8, die wiederum den Buchstaben H im Alphabet markiert – gelesen werden. So ist es möglich, gleichsam getarnt, nationalsozialistische Gesinnung erkennen zu lassen.

„Max H8“ kommt aus dem Textilvertrieb Max Stange im deutschen Niedersachsen. T-Shirts auf der Internetseite des Labels tragen Aufschriften wie „Nordische Krieger“, „Thule“, „Runenmagie“, „Krawallerie“, „Berserk“, „Berchtesgaden“ oder „Eiche“.

Kiebler, der von sich sagt, „Wikinger-Fan“ zu sein, ist sich indes keiner Schuld bewusst: „Ich bin sicher rechts, aber nicht rechtsradikal. Mit Neonazis habe ich nichts am Hut. Was während des Nationalsozialismus passiert ist, ist schrecklich genug, ich bin keiner, der diese Zeit verherrlicht“, verteidigt er sich gegen Rücktrittsforderungen, die nun vor allem von SP-Seite, unter anderem vom Nationalratsabgeordneten, dem Perger Bezirksvorsitzenden, Kurt Gaßner, erhoben werden.

Das T-Shirt trage er gern in seiner Freizeit – angeblich wegen der guten Qualität der Verarbeitung, er sei im Internet günstig und wie er sagt zufällig zu einer größeren Menge der Kleidungsstücke gekommen. Am 18. April sei er zudem direkt von seiner Baustelle zum Lokalaugenschein gekommen – der formelle Charakter des Ausschusstreffens sei ihm nicht bewusst gewesen.

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Kiebler mit einschlägiger Mode auffällt: 2009 gab es Demonstrationen gegen ein Geschäftslokal in Waldhausen, das „Max H8“verkaufte, und an dem Kiebler beteiligt gewesen sein soll. Unter dem Namen „Nordic23“ soll er die Marke im Internet selbst mitvertrieben haben.

 

Anzeige gegen Facebook-Freund

Als Schriftführer des Rings Freiheitlicher Jugend hat er 2008 unter der Rubrik „Unsere Themen“ unter anderem die Aussage mitverantwortet: „Einwanderungsstopp. Keine zusätzliche Zuwanderung mehr, auch keine Integration. Wenn schon, dann Assimilation.“ Auch auf der Facebook-Seite Kieblers finden sich Hinweise auf eine Nähe zu Rechts-außen-Kreisen. Unter anderem ist etwa Ludwig Reinthaler als „Freund“ registriert: Der Welser war 2009 mit seiner Partei „Die Bunten“ an der Zulassung durch die oberösterreichische Wahlbehörde gescheitert. Anstelle einer Kandidatur gab es eine Anzeige gegen „Die Bunten“ – wegen Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinn.

Auf einen Blick

Ein FP-Politiker aus dem Mühlviertel sieht sich mit Rücktrittsaufforderungen konfrontiert, seit er bei einem Lokalaugenschein des Bauausschusses im Bezirk Perg (Oberösterreich) ein T-Shirt mit einem Neonazicode trug. Indessen fühlt sich nun der 33-jährige Mandatar „von linksextremen Kreisen bedroht“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2011)

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