Von Wien bis ins Ländle: Landeshymnen im Gender-Test

Nach der Umformulierung der Bundeshymne, werden nun die Landeshymnen inspiziert. Ein Überblick zeigt: Während manche keine "heiklen" Textstellen haben, fehlt eine "Wiener Hymne" völlig.

Bundeslaender Landeshymnen kein aenderungsbedarf
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Bundeslaender Landeshymnen kein aenderungsbedarf
Symbolbild

Die Ergänzung der Bundeshymne um die "Töchter" ist paktiert. Nun werden mögliche Änderungen bei den Landeshymnen diskutiert. Allerdings nur manche, denn die wenigsten enthalten überhaupt "heikle" Textstellen, durch die sich Frauen diskriminiert fühlen könnten. Wien erspart sich solche Überlegungen sogar gänzlich: Die Bundeshauptstadt verfügt über gar keine offizielle Landeshymne.

  • "Bruderband" im Burgenland

Im Burgendland scheint dagegen schon mehr Nachholbedarf zu bestehen: Mit "Mein Heimatvolk, mein Heimatland! Mit Öst'reichs Länderbunde hält dich verknüpft das Bruderband schon manche gute Stunde" beginnt die dritte Strophe der Landeshymne. Ob sich zu dem Bruder- in Zukunft auch ein Schwesterband gesellen soll, ließ Frauenlandesrätin Verena Dunst (SPÖ) offen. Es werde darüber aber Gespräche geben.

  • Oberösterreichische "Kinderl" und "Hünderl"

In Oberösterreich gibt es eine lauwarme Diskussion um eine Änderung der Zeile: "Hoamatland, di han ich so gern! Wiar a Kinderl sei Muader, a Hünderl sein Herrn". Während sich Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) gegen eine Umformulierung ausspricht, da es sich um einen Mundarttext handele, kann sich SPÖ-Frauensprecherin Sonja Ablinger einen Ideenwettbewerb für eine Änderung vorstellen.

  • Steiermark: Grenz- statt Genderfrage

Die steirischen Landeshymne enthält dagegen keine diskriminierenden Stellen. In der zweiten Strophe kommen ein Jäger und eine Sennerin vor ("Wo die Gemse keck von der Felswand springt und der Jäger kühn sein Leben wagt;
wo die Sennerin frohe Jodler singt am Gebirg, das hoch in Wolken ragt "). Damit sind beide Geschlechter im bäuerlichen Arbeitsumfeld vertreten. Änderungsüberlegungen gab es allerdings in Bezug auf die beschriebenen Grenzen der Steiermark. Dem Text zufolge würden diese bis weit ins heutige Slowenien reichen.

  • In Kärnten gilt "Mannesmut und Frauentreu"

Auch die Kärntner Landeshymne ist genderresistent: In der vierten Strophe werden die Frauen in der Textstelle "Wo Mannesmut und Frauentreu die Heimat sich erstritt aufs neu" bereits berücksichtigt.

  • Neutrales Niederösterreich

Ein Musterbeispiel an neutralen Bezeichnungen ist unterdessen die niederösterreichische Landeshymne: Hier werden einzig die "Ahnen" besungen.

  • Salzburg bald "Land der Eltern"?

Für eine frauenfreundliche Textänderung der Salzburger Landeshymne tritt die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Ingrid Riezler ein. Ihrer Ansicht nach gehöre der Beginn der ersten Strophe "Land unsrer Väter dringend in Land unsrer Eltern" geändert.

  • Vorarlberg bleibt beim "Mütterlein"

Indes schließt Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) eine Änderung der Vorarlberger Landeshymne aus. Zwar findet sich in der dritten Strophe die Liedzeile "Du Ländle, meine teure Heimat, wie könnt' ich je vergessen dein, es waren doch die schönsten Jahre beim lieben, guten Mütterlein", diskriminierend sei dies aber nicht, erklärte er der APA.

  • Tirol: Änderungen (fast) ausgeschlossen

Eine klare Abfuhr erteilt auch der Tiroler Landeschef Günther Platter (ÖVP): "Die Tiroler Landeshymne wird sicherlich nicht abgeändert." Es gebe im Land wichtigere Themen. Dennoch findet sich gleich in der ersten Strophe: "Es blutete der Brüder Herz". Die ÖVP-Landesfrauenchefin Sonja Ledl zeigte sich daher gesprächsbereit. Auch SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm, zeigte sich gegenüber einer Änderung nicht abgeneigt.

(Ag./Red.)

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