Pressestimmen: ''Also brennt das Haus weiter''

Corriere della Sera (Mailand)

"Also brennt das Haus weiter, ohne dass jemand zum Feuerlöscher greift. Es war legitim, von der Rede des Regierungschefs am Mittwoch im Parlament viel mehr zu erwarten. Die Entscheidung, sich erst nach der Schließung der Börsen zu äußern, konnte sogar auf irgendeine sensationelle Überraschung schließen lassen. Aber nichts da. Noch nicht einmal ein zaghaftes Eingeständnis einem Land gegenüber, das sich durch den Morast der Krise schleppt. (...). Das Übel ist im Gegenteil eines der ganzen Welt, Italien steht solide da, seine Banken sind solide, den öffentlichen Konten geht es besser als denen der anderen, unser Pensionssystem wird von allen beneidet. Das Süße zuletzt: Die Regierung Berlusconi bleibt regulär bis 2013 im Amt."

La Stampa (Turin)

"Das ist jetzt noch nicht einmal mehr ein politisches Problem. Es ist ein Energieproblem: In dem ungünstigsten Moment für ihn, vor allem aber für uns, ist Silvio Berlusconi der Treibstoff ausgegangen. Er besticht nicht mehr, und er empört auch nicht mehr. Er ödet an. (...). Dabei sieht er sich als Napoleon, und die Napoleons gehen nicht einfach nach Hause. Falls überhaupt, dann ins Exil. Denn für sie ist jede Schlacht immer die wichtigste. Also alles oder nichts."

Süddeutsche Zeitung (München)

"Drei Jahre lang hat Berlusconi den Bürgern versichert, Italien gehe durch die Finanzkrise wie durch einen Sommerregen. Dabei stieg dem Land das Wasser schon bis zum Hals. Egal, wie laut die Alarmrufe aus Wirtschaft und Gewerkschaften tönten, egal wie sehr sie ernste Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft forderten - der Premier schien sich die Ohren zugehalten zu haben. Jetzt, in höchster Not, nach planlos verplemperter Regierungszeit, will sich Berlusconi zusammensetzen. Dabei gäbe es nur ein Signal, mit dem der Premier den Neuanfang deutlich machen könnte: Er muss den Weg frei machen für einen Nachfolger. Bis dahin werden über den Wert seiner Worte nicht seine mühsam zusammengekarrten Abgeordneten abstimmen, sondern die Märkte."

The Times (London)

"Die Verzinsung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen ist auf 6,25 Prozent gestiegen. Der Unterschied zu vergleichbaren deutschen Staatsanleihen beträgt fast vier Prozentpunkte. Seit Einführung des Euro klaffte diese Spanne noch nie so weit auseinander. Vor dem Euro hätten die verschuldeten Länder Südeuropas ihre Währungen abwerten können. Dies hätte zu Einkommensverlusten geführt, doch die Anpassungen wären nicht so schmerzhaft gewesen wie die, die jetzt die Finanzmärkte verlangen. Das sind keine guten Nachrichten. Das schwere Schicksal Italiens ist ein weiterer Aspekt der Schuldenkrise, unter der Europa leidet."

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