Ausschreibung von Politikerjobs als Ziel

Initiative. Eine neue Bewegung um Karl Kriechbaum, einen früheren Mitstreiter des EU-Mandatars Hans-Peter Martin, will ein „Recht auf geeignete Politiker“ durchsetzen.

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Parlament – (c) Www.BilderBox.com

Wien. Nach Hannes Androsch mit seinem „Bildungsvolksbegehren“ und mehreren Salzburger Altpolitikern mit ihrer Initiative „Mein Österreich“ macht auch ein früherer Hans-Peter-Martin-Mitstreiter mit einer eigenen Bewegung gegen die gängige Politik mobil: Der einstige (erfolglose) Salzburger Spitzenkandidat der Liste Martin bei der Nationalratswahl 2006, der Wiener Psychologe und Personalberater Karl Kriechbaum, zieht nun mit einer laut Eigendefinition unabhängigen Bewegung gegen die dominierenden „Parteienapparate“ sowie den „Reformstau“ durch die rot-schwarze Regierung ins Feld. Der Name und gleichzeitig die Mission der Initiative lauten „Recht auf geeignete Politiker. Recht auf professionelle Politik“. Seit Kurzem ist man auch auf www.spiritarea.at online.

Bei seinem Vorhaben fix an seiner Seite hat Kriechbaum bereits seinen Kollegen, den Psychotherapiewissenschaftler Christian Felsenreich. Auch der frühere Chef der Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, ist im Hintergrund dabei. Für den 30.September, 15Uhr, planen die drei nun eine Demonstration und einen Protestmarsch, beginnend vor der Wiener Staatsoper. Kriechbaum und Co. wollen dabei – so wie auch über ihre Homepage – „möglichst viele Mitstreiter“ gewinnen. Wie viele Unterstützer es mindestens brauche, damit ihre Bewegung ein Erfolg sei, darauf will sich Kriechbaum noch nicht festlegen. Angedacht sei aber, dass die Initiative sogar in eine eigene Liste bei der Nationalratswahl 2013 mündet.

Die aktuellen Forderungen der Vorreiter von „Recht auf geeignete Politiker“: Vom Minister bis zum Nationalratsabgeordneten sollten künftig sämtliche staatspolitische Ämter öffentlich ausgeschrieben werden. Wer sich für ein solches Amt interessiert, solle aber auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen – neben einem Mindestalter eine einschlägige Ausbildung und Berufserfahrung. So bräuchte es für den Job des Finanzministers zum Beispiel ein Wirtschaftsstudium und bis zu 20 Jahre Erfahrung in der Branche, etwa als Steuerberater, erklärt Kriechbaum, selbst Personalberater, namens seiner Bewegung. Derzeit könne „das ja praktisch jeder machen“ – sofern die Partei einen Anwärter ins Amt hieve.

Künftig solle eine staatliche Organisation, die beim Innenministerium angesiedelt ist, über die Auswahl von Politikern entscheiden. Bewerber sollten ein objektives, faires Verfahren bekommen.

 

Demonstrationen sind geplant

Nach der Demonstration in Wien sind Veranstaltungen in Graz, Linz oder Salzburg geplant. Dort sei man bereits gut vernetzt, sagt Kriechbaum. „Irgendjemand muss ja etwas gegen das System und seine Missstände tun.“ Aktuell würden auf dem Weg der Parteien „vor allem sehr narzisstoide Persönlichkeiten in die Politik geraten, und das ist nicht produktiv“. Das habe sich auch bei Martin gezeigt, von dem er selbst sich schon nach der Wahl 2006 distanziert habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2011)

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