Mindestsicherung: Großteil der Bezieher entfällt auf Wien

Unterschiedliche Auswertungsmethoden machen eine exakten Überblick schwierig. Wien nimmt mit etwa 129.000 Beziehern Platz eins im Ranking ein.

Die Mindestsicherung ist ein Phänomen der Großstadt
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Die Mindestsicherung ist ein Phänomen der Großstadt
(c) (Clemens Fabry)

Die Mindestsicherung ist eindeutig ein Phänomen der Großstadt. Wiewohl die Daten aufgrund unterschiedlicher Auswertungsmethoden nicht zu 100 Prozent vergleichbar sind, ist Wien mit zuletzt gut 129.000 Beziehern klar an der Spitze im Bundesländer-Ranking. Der Abstand zu Platz zwei, den Tirol mit gut 14.000 Personen einnimmt, ist gewaltig. Das erstaunlichste ist freilich, dass derzeit keine österreichweiten Mindestsicherungsdaten vorliegen, nicht einmal das Sozialministerium verfügt über exakte Vergleichswerte.

Schon jüngst bei einer parlamentarischen Anfrage blieb Ressortchef Rudold Hundstorfer (SPÖ) Zahlen schuldig und auch jetzt bei einer Nachfrage konnte das Sozialministerium keine vergleichbaren Daten vorweisen. Aus dem Büro Hundstorfer hieß es, für eine aussagekräftige Vergleichszahl müsse die von den Ländern zu übermittelnde Statistik für das Jahr 2011 abgewartet werden, die erstmals in der zweiten Jahreshälfte 2012 zur Verfügung stehen werde. Diese offizielle Datenstatistik werde einmal jährlich - wie im 15 a-Pakt mit den Ländern vorgesehen - vom Ministerium veröffentlicht werden.

Großstadt als Anziehungspunkt

Da die Länder bei den der APA vorliegenden Zahlen unterschiedliche Auswertungsmethoden anwandten, ist es unmöglich, eine exakte Zahl der Gesamtbezieher anzugeben. Grob geschätzt könnten es bis zu 180.000 Personen sein.

Wien verzeichnete 2011 einen Anstieg der Bezieher um 21 Prozent auf 129.020 Personen. Die Zahl jener, die ausschließlich von der Mindestsicherung leben, sank hingegen um 16,6 Prozent auf 12.313. Eine relativ hohe Bezieherzahl gibt es auch in Tirol. Aktuell werden 14.045 angegeben. Vorarlberg zählte im Vorjahr 8.168 Personen, aufgeteilt auf 3.789 Fälle. In Salzburg spricht momentan von 1.300 Haushalten, die Mindestsicherung beziehen.

Ähnlich niedrige Werte verkündet das Burgenland mit 1733. Kärnten, das der Mindestsicherung lange skeptisch gegenübergestanden war, berichtet von im Schnitt nicht ganz 2000 Beziehern, die Hälfte davon dauerhaft.

In Oberösterreich gab es zum Stichtag 31. Dezember 2011 exakt 7155 Empfänger der bedarfsorientierten Mindestsicherung. Ein etwas höherer Zulauf wird aus der Steiermark gemeldet, im Durchschnitt 8900 Personen. Auf ähnlichem Niveau hält sich Niederösterreich, das aufgrund der ähnlichen Einwohnerzahl immer wieder mit Wien verglichen wird. Nach Informationen der Landesregierung haben mit Stand Dezember 9153 Personen Mindestsicherung bezogen.

Die Mindestsicherung hat derzeit eine Höhe von mindestens 773 Euro für Alleinstehende bzw. von knapp 580 Euro für Paare pro Person. Ausgezahlt wird sie zwölf Mal pro Jahr. Jedes Bundesland hat die Möglichkeit, über die Leistung hinaus weitere Zuschüsse zu gewähren, womit wie einst bei der Sozialhilfe keine hundertprozentige Einheitlichkeit gegeben ist.

 

(APA/Ag.)

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