Ex-Aufsichtsrat von Hocheggers Firma berät heute „News“

Der ehemalige "Sicon"-Aufsichtsrat ist Anwalt der Verlagsgruppe News. Manche Beobachter sehen die Rolle Ganzgers kritisch.

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Archivbild – (c) AP (RONALD ZAK)

Wien. Beobachter und Betroffene stört die Optik – auch wenn sie diese offiziell nicht kommentieren wollen: Der versierte Wiener Medienanwalt Gerald Ganzger war eigenen Angaben zufolge von 2010 bis vor wenigen Monaten Mitglied im Aufsichtsrat der „SICON Unternehmensberatung und -beteiligung AG“ – der Nachfolgefirma der „VALORA Unternehmensberatung und -beteiligung AG“ des Lobbyisten Peter Hochegger. Dieser ist (mit der Valora) immerhin eine Schlüsselfigur in der aktuell von Justiz und Korruptions-U-Ausschuss untersuchten Telekom-Affäre.

Dazu kommt, dass Ganzger heute – wie zum Teil schon in den Vorjahren – die Verlagsgruppe News berät, wie er im Gespräch mit der „Presse“ bestätigt. Zu jenen, die er medienrechtlich berät, zähle der „Aufdeckerjournalist“ Kurt Kuch. Und der schrieb zuletzt über rund 200.000 E-Mails, die „News“ in Sachen „Schmiergeld“-Affäre zur Verfügung gestellt worden seien. Kuch zitierte bereits mehrfach aus Mails zu (möglichen) Telekom-Geldflüssen in Richtung von Einzelpersonen oder Parteien wie der ÖVP oder des BZÖ.

Manche Beobachter – etwa im Parlament – sehen die Rolle Ganzgers kritisch, nämlich wie folgt: Wie passt es zusammen, dass der Anwalt einst im Aufsichtsrat der Sicon – also der Nachfolgefirma der Valora – saß, dass er Hochegger auch, wie Ganzger bestätigt, als Anwalt vertrat; und dass Ganzger heute „News“ auch in Sachen Aufdeckerjournalismus – siehe Telekom-Affäre – berät? Stein des Anstoßes: Ausgerechnet über die Valora soll ersten (Zeugen-)Aussagen vor Gericht und im U-Ausschuss zufolge Geld von der Telekom Austria unter anderem an das BZÖ oder auch die ÖVP gegangen sein. Der Verdacht: Über die Valora bzw. Hochegger wurden Geld „gewaschen“ und Parteien gefördert; die Ermittlungen dazu laufen.

Eine Annahme gegen Ganzger, die insbesondere in ÖVP-Kreisen kursiert, lautet: Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler, der sich heute als „Kronzeuge“ in der Affäre anbietet, könnte die 200.000 E-Mails oder einen Teil davon über seinen Anwalt Stefan Prochaska, den ehemaligen Konzipienten von Gabriel Lansky, weiterverbreitet haben. Etwa von Prochaska an Lansky, der wiederum Kanzleipartner Ganzgers ist. Am Ende könnten die Mails sogar bei Ganzger und – vielleicht über diesen – letztlich bei „News“ gelandet sein. Was freilich gänzlich unbestätigt ist.

 

Ganzger: „Verschwörungstheorie“

Im Gegenteil: „Das ist eine sehr lustige Verschwörungstheorie“, betont Ganzger im „Presse“-Gespräch. „Ich habe keine Ahnung, wie viele und welche Mails es gibt und von wem diese Mails stammen.“ Und: Als er, Ganzger, Aufsichtsrat der Sicon wurde, sei der Skandal – wie auch der Buwog-Skandal – längst passiert gewesen. Sein Ziel sei es gewesen, „sicherzugehen, dass die Sicon ab dem Zeitpunkt völlig rechtskonform agiert“.

Auch Schieszlers Anwalt Prochaska wehrt ab: „Ich habe die Mails leider nicht. Hätten wir die Mails gehabt, wäre der Sommer viel einfacher gelaufen.“ Dann hätte er vor dem Staatsanwalt leichter zugunsten Schieszlers argumentieren können.

Und Journalist Kuch? Kann sich aufs Redaktionsgeheimnis berufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2012)

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