Nemsic: Wusste nichts von Telekom-Kursmanipulation

Der Ex-Telekom-Generaldirektor zahlte im Vorjahr einen Bonus von 160.662 Euro auf Treuhand-Konto ein. Von einer Kursmanipulation will er nichts gewusst haben.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: NEMSIC
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KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: NEMSIC
Ex-Telekom Austria-Generaldirektor, Boris Nemsic – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (Helmut Fohringer)

Der frühere Telekom Austria-Generaldirektor, Boris Nemsic, betonte im Korruptions-U-Ausschuss von einer Manipulation des Telekom-Aktienkurses nichts gewusst zu haben. Die von ihm erzielten 160.662,20 Euro netto aus dem Aktien-Optionsprogramm habe er im August 2011 als erster der Betroffenen auf ein Treuhand-Konto gelegt.

Das Optionenprogramm war nach Angaben von früheren Telekom-Managern durch eine Kursmanipulation ausgelöst worden. Während jener Woche, als am 26. Februar 2004 kurz vor Börseschluss der Kurssprung der Telekom-Aktie über die vereinbarte Schwelle von 11,70 Euro passierte, sei er in Frankreich gewesen, sagte Nemsic. Auch nach seiner Rückkehr sei der Verdacht auf Kursmanipulation, der zu einer - erfolglosen - Untersuchung der Finanzmarktaufsicht geführt hatte, in den Vorstandssitzungen nicht thematisiert worden.

Liste mit 100 Namen

Die Liste mit den 100 Namen der betroffenen Manager steht dem U-Ausschuss bisher nicht zur Verfügung, rügte die Vorsitzende Gabriela Moser am Donnerstag. ÖIAG-Chef Markus Beyrer habe dem U-Ausschuss in einem Brief mitgeteilt, dass die Telekom die Liste an die Staatsanwalt gegeben habe und sie daher in den Akten sein müsste.
Er selber habe sich damals für die "gemischte Option" entschieden, er habe nämlich Aktien behalten und sich die Differenz durch den erzielten Kursgewinn auszahlen lassen. Andere Vorstände hatten ihre Aktien abgestoßen und sich alles auszahlen lassen.

Die Kursmanipulation war vom Ex-Finanzvorstand der Mobilkom, Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hatte, in Einvernahmen geschildert worden.Ob Nemsic bei einer Vorstands-Besprechung dabei gewesen sei, als man einen Investor für die geplante Kursmanipulation suchte, wusste Schieszler nicht. Nemsic beteuerte nun, nicht dabei gewesen zu sein. Er habe damals zwei Büros gehabt und habe sich großteils im Mobilkom-Büro aufgehalten.

Telekom-Affäre: Was bisher geschah

Wirbel um Petzner

Bei der Befragung von Nemsic kam es zudem zu einem teils lautstarken Wirbel um den BZÖ-Abgeordneten Stefan Petzner. Er hielt Nemsic vor, dass er der Telekom schriftlich mitgeteilt hatte, in welcher Form er seinen Gewinn lukrieren wollte - noch vor dem Kurssprung. In dem Dokument, legte sich Nemsic für eine Variante der Auszahlung des Stock-Option-Programms fest. Darin war eine "allfällige Kursentwicklung der Telekom" erwähnt - was Petzner nicht erwähnte. Datiert ist das Schreiben mit 25. Februar, am 26. Februar war der Stichtag für die Kursentwicklung.

Abgeordnete anderer Fraktionen hielten daraufhin Petzner vor, dass er nicht vollständig zitiert habe. Auch die Ausschuss-Vorsitzende Gariela Moser wies Petzner zurecht.

Erinnerungslücken

Zahlreiche Erinnerungslücken hatte ein früherer Mitarbeiter des Public Affairs-Teams der Telekom bei seiner Befragung am Donnerstagnachmittag. ÖVP und Grüne interessierten sich vor allem für Verbindungen zur SPÖ und zum SP-Abgeordneten Kurt Gartlehner - dessen Rolle wurde aber während der Befragung nicht klarer. Die Frage, ob in seinem Beisein von Geldflüssen an Politiker oder Parteien gesprochen wurde, verneinte der Ex-Mitarbeiter. Gegen Gartlehner liegt ein Antrag zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität vor, es geht um mögliche Geldflüsse ohne ersichtliche Gegenleistung. Gartlehner bestreitet, als SPÖ-Telekomsprecher für den Lobbyisten Peter Hochegger in Sachen "Telekom" tätig gewesen zu sein, und will nur bei Windkraft-Projekten gearbeitet haben.

 

 

(APA/Red.)

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