Pressestimmen: ''Marionette Orbans musste zurücktreten''

''Népszabadság'' (Budapest)

"Es ist überhaupt nicht gleichgültig, wer das Staatsoberhaupt Ungarns ist. Indem Ministerpräsident Viktor Orbán Pál Schmitt in das Sándor-Palais setzte, versuchte er dennoch so zu tun, als wäre es gleichgültig. (...) Der Regierungschef kann aber diesen früheren Fehler korrigieren, vor allem wenn er jene Parteipolitiker schnell vergisst, deren Namen nach dem Rücktritt Schmitts als mögliche Nachfolger gehandelt wurden. Es gibt zahlreiche Menschen im rechten Lager, die auf unbestreitbare Weise geeignete Kandidaten wären. In den nächsten Tagen wird sich herausstellen, ob das Amt des Staatspräsidenten für Viktor Orbán tatsächlich unantastbar ist oder ob es faktisch nur dem Zwecke dient, dass er sich besser in dieser Welt fühlen kann."

''Frankfurter Allgemeine Zeitung''

"In Zeiten von (KP-Chef János) Kádárs 'Gulaschkommunismus' musste einer wie Schmitt, dessen Degenfechtkunst zweimal olympisches Gold und zweimal den Weltmeistertitel für Mannschaft und Land brachte, zum Volkshelden der Magyaren inner- und außerhalb Ungarns werden. (...) Besonders im höchsten Staatsamt, in das er mit (Premier Viktor) Orbáns parlamentarischer Zweidrittelmehrheit gewählt wurde, erwies sich Präsident Schmitt dem Regierungschef gegenüber als unbedingt loyal. Schmitt gab sich wenig Mühe, um den Eindruck zu zerstreuen, wonach er ein Erfüllungsgehilfe des Regierungschefs sei. Der hat alleine im vergangenen Jahr mit mehr als 300 neuen Gesetzen einen neuen Rekord aufgestellt und diesen Stück für Stück vom getreuen Staatsnotar beurkunden lassen. Unter dem Eindruck der Plagiatsaffäre erhielt Schmitts enge Verbindung mit dem Regierungschef Risse. Orbáns Partei, in der er nie wirklich heimisch geworden war, hatte sich ohnedies schon abgewandt. So blieben nur noch Rückzugsgefechte und schließlich Rücktritt."

''Süddeutsche Zeitung'' (München)

"Gut möglich, dass die Plagiatsaffäre, die Ungarn derzeit erschüttert, Ministerpräsident Viktor Orbán durchaus zupasskommt. Sein ohnehin umstrittener, weil schwacher Staatspräsident, der als Marionette der Regierung galt, musste zurücktreten, weil er der Guttenplaggerei überführt worden ist. Schmitt hatte seinen wichtigsten Job - mehr als 360 Gesetze ohne weitere Nachfragen zu unterzeichnen - ohnehin bereits erledigt. Der Umbau der Verfassung gilt als weitgehend abgeschlossen, Schmitt hat seine Schuldigkeit getan. Außerdem lenkt die Affäre von anderen Problemen ab: den stockenden Verhandlungen mit dem IWF, der schwierigen Haushaltslage."

''Stuttgarter Zeitung''

"Seine Schuldigkeit hat 'Páli' nun getan, er kann die politische Bühne verlassen. Ob der Skandal auf Schmitts einstigen Förderer zurückschlägt, oder ob Orbán ähnlich wie seine deutsche Amtskollegin Angela Merkel von einem Wechsel im Präsidentenpalast unberührt bleibt, wird sich zeigen. Trotz aller Kapriolen scheint die Regierungspartei Fidesz jüngsten Umfragen zufolge relativ sicher im Sattel zu sitzen."
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