Politik: Nur 'aalglatte Strippenzieher' kommen an die Spitze

Der Politologe und frühere Politiker Walter Thaler analysiert in seinem Buch "Pfade zur Macht" die Karrierewege in der heimischen Politik.

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Politik aalglatte Strippenzieher kommen
Faymann; Spindelegger – (c) Dapd (Ronald Zak)

Ochsentour, Quereinstieg oder Kükenweg: Das sind laut dem Politologen und früheren SPÖ-Landespolitiker Walter Thaler die drei in der heimischen Politik möglichen „Pfade zur Macht". In seinem gleichnamigen Buch untersucht Thaler Auswahlverfahren und Karrierewege in den Parlamentsparteien. Dabei zeigt sich: Die „Ochsentour", also das mühsame Hochdienen aus der Lokalpolitik, hat zunehmend ausgedient. Prominente Quereinsteiger wiederum werden zwar zu Wahlzeiten gerne in die Schlacht geworfen, können sich nach dem Urnengang in der Regel aber nicht lange im Sattel halten.

Bleibt der „Kükenweg", den Thaler zufolge immer mehr künftige Spitzenpolitiker begehen. Junge Karrieristen eignen sich ihr Know-How in Regierungsbüros und Parteisekretariaten an und steigen auf, ohne sich die langen Bewährungsjahre an der Basis antun zu müssen.

Der Vormarsch dieser „Schreibtischtäter", deren Beförderung die Parteichefs oft im Alleingang beschließen, ist für Thaler eine der Wurzeln des derzeitigen politischen Übels. Er vermisst die Rebellen in der Politik. Vorankommen würden nur mehr „aalglatte Strippenzieher der Macht". Die Welt der Spitzenpolitik werde immer mehr zu einem in sich geschlossenen Zirkel von Menschen, die die reale Lebenswelt außerhalb des Parteiapparats nie kennengelernt hätten.

"Jugendliche Kraftnaturen fehlen"

In seinem Buch zeichnet Thaler nicht nur die Karrierewege sämtlicher derzeitiger Spitzenpolitiker nach, er nimmt auch den Nachwuchs der Parteien unter die Lupe. Sein Befund: In den Parteien gibt es kaum echte Zukunftshoffnungen: „Die Ehrgeizigen gibt es noch zuhauf, was fehlt, sind die jugendlichen energischen Kraftnaturen".

Der Autor empfiehlt den Parteien, wieder interne Kontroversen zuzulassen: „Ohne Flügelkämpfe erschlafft eine Partei". Vor allem aber schlägt er ein Mehrheitswahlrecht mit einer Verstärkung des Persönlichkeitsfaktors vor. Auch Vorwahlen wie bei der US-Präsidentschaftswahl fände Thaler sinnvoll, um eine breitere Basis bei der Auswahl von Spitzenpolitikern mitbestimmen zu lassen.

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Braumüller

Außerdem sollte der politische Nachwuchs künftig nicht mehr nur von den Parteien ausgebildet werden. Thaler schwebt vor, dass Parteien, Universitäten, Managementorganisationen, Medien und kommunale Vertretungsorganisationen gemeinsam Ausbildungsmodule anbieten.

Sollte sich bei der Personalauswahl in Zukunft nichts ändern, sieht Thaler schwarz für die bestehenden Parteien: „Dann können sie sich gleich selbst das Leichenhemd anziehen".

Der Autor

Walter Thaler, geb. 1941, war 35 Jahre lang in der Salzburger Kommunal- und Landespolitik tätig, davon zwölf Jahre als Bürgermeister von Zell am See sowie 22 Jahre im Salzburger Landtag. Gegen Ende seiner politischen Karriere studierte er Politikwissenschaften. Zurzeit beschäftigt er sich mit Fragen der Parlamentarismus- und der politischen Eliteforschung.

(kron)

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