Krankenstand: Kontrolle bei "schwarzen Schafen"

Das Thema Krankenstand lässt die ÖVP nicht los. Wiens neue ÖAAB-Chefin Tamandl schlägt eine Alternative zur vom Wirtschaftsbund geforderten Streichung des Lohns am ersten Krankenstandstag vor.

Manfred Juraczka, Gabriele Tamandl   Fritz Aichinger, �VP Wien  Foto: Clemens Fabry
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Manfred Juraczka, Gabriele Tamandl   Fritz Aichinger, �VP Wien  Foto: Clemens Fabry
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Dem Vorschlag des ÖVP-Wirtschaftsbundes, den ersten Tag im Krankenstand nicht mehr zu bezahlen, erteilt sie prompt „eine klare Absage". Im Gespräch mit der „Presse" lässt aber eine schwarze Arbeitnehmervertreterin bei diesem heiklen Thema aufhorchen. Gabriele Tamandl, die am Donnerstag dieser Woche zur Wahl als neue Wiener ÖAAB-Chefin antritt, schlägt vor: Wenn Unternehmen beweisen können, dass bestimmte Beschäftigte sich nachweislich mehrmals an Montagen, Freitagen oder an sogenannten „Fenstertagen" zur Verlängerung der Wochenenden krank melden, sollten die Firmen von der Sozialversicherung sofortige Kontrollen der Betroffenen verlangen können, um Missbräuche abzustellen.

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Tamandl, die ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Steuersachbearbeiterin in einer Steuerberatungskanzlei ist, äußert sich differenziert zur Forderung der Wirtschaft, in Österreich sollte es keine Lohnfortzahlung zu Beginn eines Krankenstandes mehr geben. Der SPÖ-dominierte ÖGB hat das strikt abgelehnt. „Ich verstehe die Intention des Wirtschaftsbundes", versichert die designierte Wiener ÖAAB-Chefin, aber: „Ich halte den Vorschlag für einen Pauschalvorwurf. Wenn man dem Missbrauch Herr werden will, dann muss man schauen, wie bekomme ich die schwarzen Schafe heraus."

„Kollegen sind selbst die Draufzahler"

Unternehmen, die beweisen könnten, dass bestimmte Dienstnehmer fünf- oder zehnmal - über die genaue Anzahl könne man reden - sich ausgerechnet vor oder nach einem Wochenende krank melden, müssten sich an die Sozialversicherung wenden. Diese müsste in dem Fall noch am selben Tag einen Kontrollor ausschicken. Werde jemand dann zum ersten Mal dabei ertappt, dass er gar nicht krank ist, könne man es noch bei einer Verwarnung belassen, so Tamandl. Sie ist der Ansicht, dass dies bereits eine entsprechend abschreckende Wirkung habe.
Die schwarze Arbeitnehmervertreterin ist sicher, dass sie auch Verständnis bei Beschäftigten ernte, wenn damit der Missbrauch durch „schwarze Schafe" abgestellt werde. Denn, so Tamandl: „Die Kollegen sind selbst die Draufzahler."

Seitenhieb auf die Frauenministerin

Als künftige Wiener ÖAAB-Chefin will sich Tamandl vor allem auch für das Schließen von Einkommenslücken zwischen Frauen und Männern einsetzen. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) unverblümt: Es gebe „bessere Möglichkeiten", um die Einkommenslücke zu schließen, als die ständigen Einkommensberichte und Frauenförderungspläne. Konkret müssten Karenzzeiten von Eltern - derzeit sind das großteils noch Mütter - bei den Gehaltsvorrückungen in den Kollektivverträgen angerechnet werden. „Elternkarenz darf nicht zum Nachteil werden", verlangt die ÖVP-Politikerin.

Aus diesem Grund verlangt sie auch eine Verbesserung der Anrechnung von Erziehungszeiten für die Pension. Auch von dieser Maßnahme würden derzeit zum allergrößten Teil Mütter profitieren. Demnach sollen den Müttern (aber auch Vätern in Karenz, Anm.) in jedem Fall volle vier Jahre für die Pension angerechnet werden. Derzeit ist das nicht der Fall, wenn Kinder in einem kürzeren Abstand geboren werden. Dies wäre eine Gegenmaßnahme, um die länger werdende Zeit, die für die Pensionsberechnung herangezogen wird, auszugleichen.
Generell müsse es eine bessere sozialrechtliche Absicherung von Menschen mit atypischer Beschäftigung (Werkvertragsnehmer, geringfügig Beschäftigte) geben, deren Zahl zunimmt. Das betreffe beispielsweise die Auszahlung von Krankengeld.

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