Verteidigungsressort: 66 Millionen für unnötiges Personal

Der Rechnungshof kritisiert, dass mehr als 2000 Mitarbeiter im Verteidigungsministerium nicht mehr benötigt werden.

Norbert Darabos  Foto: Clemens Fabry
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Norbert Darabos  Foto: Clemens Fabry
Norbert Darabos – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das Ressort von SP-Verteidigungsministerium Norbert Darabos hat zu viel Personal. Das hat ein aktueller Rechnungshof-Bericht zur Reorganisation des Ministeriums ergeben. Demnach wurden im Jahr 2010 2059 Arbeitskräfte oder 8,6 Prozent des Personalgesamtstands nicht mehr benötigt. Die Kosten für diese Mitarbeiter lagen bei 66,1 Millionen Euro.

Für etliche dieser "Beschäftigten" gibt es offenbar im Verteidigungsministerium überhaupt keine Verwendung mehr. 281 Betroffene befanden sich in der Intensivbetreuung und hatten dennoch nichts zu tun. 45 Bedienstete aus dieser Gruppe befanden sich ohne Beschäftigung und bei vollen Bezügen zu Hause, davon 19 seit mehr als sechs Monaten. Zwei von ihnen waren seit über zwei Jahren nicht mehr zum Dienst einberufen worden. Nur in zwei Fällen wurden die vorgesehenen Schulungen durchgeführt.

Überzähliges Personal wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren, ist offenbar nicht überall gewollt. Von April 2008 bis Juni 2011 sprach die Abteilung Personal Provider 697 Empfehlungen zur Besetzung von fixen Arbeitsplätzen durch nicht mehr benötigte Mitarbeiter aus. Die Dienstbehörden entsprachen dem allerdings in gerade drei Fällen. Die Erfolgsquote lag also bei 0,4 Prozent.

48 Prozent nicht zu Jobwechsel bereit

Freilich ist auch die Flexibilität der Bediensteten eingeschränkt. Eine Befragung des Rechnungshofs im Vorjahr ergab, dass 48 Prozent nicht bereit waren, den Arbeitsort innerhalb des Verteidigungsressorts zu wechseln. Einen Arbeitsplatz mit über 20 Kilometer Entfernung würden gerade 13 Prozent annehmen, mit über 50 Kilometer Distanz ein Prozent. Etwas mehr als die Hälfte der Bediensteten kann sich zudem keinen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich des öffentlichen Dienstes vorstellen.

Für gerade einmal sechs Prozent ist es denkbar, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Ein Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes gestaltet sich allerdings schwierig. Die Nutzung der internen Jobvermittlungsprogramme ist gering. So griffen die Ressorts 2010 insgesamt bloß 27-mal auf die Karriere-Datenbank zu.

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es am Dienstag, zahlreiche Kritikpunkte des Rechnungshofes seien bereits umgesetzt worden. Personen, die derzeit noch über Stand beschäftigt sind, sollen in Zukunft verstärkt auf Arbeitsplätze vermittelt werden.

Die Rechnungshof-Prüfer kritisierten auch, dass das Verteidigungsressort über Bedarf ausbildet. So stieg die Anzahl der Offiziere zwischen 2006 und 2011 trotz eines verringerten Streitkräfteumfangs um sieben Prozent. Das Ministerium erklärt dazu, dass das Aufnahmekontingent für die Offiziers- und Generalstabsoffiziersausbildung bereits im Vorjahr gesenkt wurde.

(APA/Red.)

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