Burn-out bei der Polizei: Ministerium beruhigt

Das Innenressort verweist auf eine aktuelle Erhebung: Nur 5,6 bis 9,3 Prozent der Beamten haben ein Burn-out-Risiko. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft ist hingegen alarmiert.

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Polizei – (c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)

Wien. Wie stark sind Exekutivbeamte durch Arbeitsstress überbelastet und burn-out-gefährdet? Und unternimmt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Prävention genug gegen das Risiko des „Ausbrennens“ von Polizisten in ihrem Beruf? An diesen Fragen scheiden sich die Geister zwischen Polizeigewerkschaft und Innenressort. Im Ministerium werden Ergebnisse einer umfassenden Studie ins Treffen geführt: Demnach liegt die akute Burn-out-Gefährdung der uniformierten Polizeibeamten bei lediglich 5,6 bis 9,3Prozent. Die „Belastungsrate“ bewege sich damit im internationalen und im beruflichen Vergleich im niedrigen Bereich, wird im Ministerium argumentiert.

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Hermann Greylinger, ist hingegen alarmiert. Er hat im August in der „Presse“ beklagt, die Innenministerin sei angesichts der Ergebnisse bei österreichweit insgesamt 1848Befragten untätig. Die Ministerin lässt das nicht auf sich sitzen. Ihr Kabinett verweist auf „Presse“-Anfrage auf mehrere Maßnahmen – etwa das 2009 eingeleitete Projekt Supervision.

Das Innenministerium macht geltend, dass laut Befragung umgerechnet mehr als die Hälfte der uniformierten Polizeibeamten überhaupt keine Belastungssymptome gezeigt hätten. Exakt waren dies 49,7Prozent nach dem Kriterium „Emotionale Stabilität“ und 61,6Prozent nach dem Kriterium „Arbeitsbelastung“, die keine Belastungssymptome aufwiesen. Bei der Erhebung wurden ausgesuchte polizeispezifische Parameter im Hinblick auf das persönliche Belastungsempfinden herangezogen. Beim überwiegenden Teil der Exekutive gebe es gar keine Anzeichen einer erhöhten Stressbelastung oder einer Überbeanspruchung, betont man mit Hinweis auf die Forschungsarbeit. Diese ist nach einem neuen Verfahren von der Uni Graz entwickelt worden. 33 bis 41Prozent würden je nach Kriterium hingegen bei ihrer Arbeit Stress empfinden. Von Burn-out gefährdet seien, wie erwähnt, nicht einmal zehn Prozent. Nach dem Kriterium „Emotionale Stabilität“ lag die Gefährdungsrate bei 9,3 Prozent, nach dem Kriterium „Arbeitsbelastung“ lag das Burn-out-Risiko bei lediglich 5,6 Prozent.

Das Ministerium hat kein Verständnis für die Kritik Greylingers und betont, dass längst Maßnahmen ergriffen worden seien, um einem „Ausbrennen“ von vorneherein zu begegnen. Schon das Ausleseverfahren vor dem Eintritt in den Polizeidienst sei auf die Besonderheiten der Tätigkeit abgestimmt. Darüber hinaus gebe es spezielle Schulungsinhalte für Führungskräfte, darunter auch den Bereich Psychologie. Für die Polizisten selbst gebe es anlassbezogene Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Es sei nicht nur das Projekt Supervision gestartet worden, es gebe auch Betreuungen durch Psychologen des Innenministeriums für Beamte, die mit Problemen zu kämpfen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2011)

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