Spitäler im Umbau: 778 Akutbetten weniger

Reform in Oberösterreich ist im Laufen. Das Land erwartet sich 366 Millionen Euro weniger an Kosten. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden.

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Linz. Auf Bundesebene gibt es außer vollmundig von manchen SPÖ-Verhandlerinnen hinausposaunten „Durchbrüchen“, die prompt von anderen Teilnehmern vehement bestritten werden, keine konkreten Vereinbarungen zwischen Regierung und Ländern über die Spitals- und Gesundheitsreform. In Oberösterreich sind Änderungen trotz lautstarken Murrens und einigen Widerstands seit dem Vorjahr in Umsetzung. Dabei werden auch etliche Punkte in Angriff genommen, die teilweise seit Jahren von Experten bundesweit empfohlen werden: vom Abbau von Akutbetten bis zur Eindämmung von Parallelstrukturen in bestimmten Abteilungen bis zu Verwaltungs- und Organisationsänderungen.

Das alles soll unter der Bedingung der Politik, angeführt von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), erfolgen, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Gerade deswegen gab es allerdings Proteste, weil man sich beispielsweise in der Region um Ried im Innkreis benachteiligt fühlte.

 

Der Anstieg der Kosten erfolgt langsamer

Unter dem Strich rechnet das Land Oberösterreich, das eine eigene Spitalsreformkommission eingesetzt hat, damit, dass mit dem Umbau des Spitalswesens insgesamt die Kostenexplosion gebremst werden kann. „Kostendämpfung“ wird das in den einschlägigen Konzepten genannt. Konkret bedeutet dies, dass die Kosten vom Ausgangspunkt der Tabellen im Jahr 2010 mit 1,7 Milliarden Euro nach den Hochrechnungen bis zum Jahr 2020 nicht auf 2,605 Milliarden Euro, sondern lediglich auf 2,239 Milliarden Euro steigen sollen, es wären demnach 366Millionen Euro weniger. Werden die jährlichen Kostendämpfungen kumuliert, macht das allerdings immerhin die stolze Summe von rund 2,3 Milliarden Euro aus, die aus öffentlichen Mitteln damit eingespart werden können.

Was wird konkret gemacht? Speziell im oberösterreichischen Zentralraum zwischen den nur gut 20 Kilometer entfernten Städten Linz und Wels ist der Abbau von Paralleleinheiten bei Abteilungen, in denen es Betten gibt, ein wichtiger Teil der Vorgaben. Dies reicht von der Dermatologie bis zur Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. In dem Strukturplan ist landesweit die Schließung von vier Abteilungen vorgesehen.

In 17 Fällen ist eine Zusammenführung von Abteilungen oder der Erhalt in einer sogenannten standortübergreifenden Form das Ziel. Davon entfallen fünf auf die Region Linz/Mühlviertel, fünf auf die Region Wels/Grieskirchen, vier auf Pyhrn-Eisenwurzen, zwei auf das Salzkammergut und eine auf das Innviertel.

 

Mehr Leistungen in Tageskliniken

In elf Bereichen kommt es zu einer Neuorganisation, wobei bisherige Vollabteilungen als Fachschwerpunkte oder als Tageskliniken weitergeführt werden. Schließlich werden 19 bisherige Institute künftig in Form von Verbünden geführt: Davon werden sechs im Raum Linz/Mühlviertel zusammengelegt, sechs in der Region Wels/Grieskirchen, vier in der Pyhrn-Eisenwurzen, eine Verbundlösung ist im Salzkammergut vorgesehen und zwei im Innviertel.

Berücksichtigt wird beim Umbau des oberösterreichischen Spitalswesens beispielsweise eine bestimmte Mindestanzahl von Fällen, um eine entsprechende fachmedizinische Behandlung zu gewährleisten. Ausgebaut wird dabei vor allem das Angebot an ambulanten und tagesklinischen Leistungen.

Im Gegenzug ist ein Abbau um insgesamt 778 Akutbetten eingeplant, wobei in diesem Punkt das Jahr 2009 Ausgangsbasis ist. Statt damals 8584 Betten ist eine Reduktion in den Krankenhäusern auf 7822 im Strukturplan enthalten, was einer Verringerung der Kapazität an Akutbetten um rund neun Prozent entspricht. Neben den Änderungen im medizinischen Angebot und damit unmittelbar verbundenen Einsparungen in Höhe von 22 Millionen Euro erwartet das Land in seinem Spitalsplan eine zusätzliche Dämpfung der Kosten von rund 40 Millionen Euro im nicht medizinischen Bereich.

Vor dem Hintergrund der in Oberösterreich angelaufenen Spitalsreform zeigt sich Landeshauptmann Pühringer vorsichtig gegenüber den Sparplänen, die mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) verhandelt werden. Dabei ist Stöger selbst Oberösterreicher und war vor dem Eintritt in die Bundesregierung im Dezember 2008 Chef der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2012)

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