Hofburg-Entscheidung: Hofer würden 40 Prozent der Briefwähler reichen

Rund 700.000 Briefwahlstimmen werden bei der Bundespräsidentenwahl den Ausschlag geben. Sie werden bis zum späten Nachmittag ausgezählt. Hochrechner glauben, dass Van der Bellen seinen Rückstand aufholen kann.

BP-Wahl: Stein rechnet mit etwas mehr als 700.000 Briefwahlstimmen
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BP-Wahl: Stein rechnet mit etwas mehr als 700.000 Briefwahlstimmen
Van der Bellen; Hofer – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Der Bundespräsidenten-Stichwahltag geht in die zweite Runde: Erst nach der Auszählung der Briefwahlstimmen am heutigen Montag wird Österreich wissen, ob sein neues Staatsoberhaupt Norbert Hofer (FPÖ) oder Alexander Van der Bellen (Grüne) heißt. Etwas mehr als 700.000 Briefwahlstimmen dürften die Bezirkswahlbehörden noch auszuzählen haben, erklärte Robert Stein, der Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium, am Sonntagabend in der "ZiB2". Ausgestellt wurden 885.437 Wahlkarten. Der größte Teil davon wurde für die Briefwahl verwendet.

Ein kleiner Teil diente am Sonntag zur Stimmabgabe in einem "fremden" Wahllokal, diese Stimmen sind bereits im vorläufigen Endergebnis enthalten. In diesem liegt Hofer mit 51,93 Prozent um 144.006 Stimmen vor Van der Bellen. 

Das Ergebnis der Auszählung der Briefwahlstimmen wird zwischen 17 und 19 Uhr erwartet. Die "Presse" hält Sie über alle Entwicklungen des Tages auf dem Laufenden, ab dem Nachmittag auch wieder in einem Live-Ticker.

>> Detailergebnisse aus den Gemeinden

Hochrechner sehen Van der Bellen voran

Die ORF-Hochrechner von SORA sagen voraus, dass Van der Bellen letztlich um 2888 Stimmen vor Hofer liegen wird. Andreas Kohlsche vom Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung in Kaufbeuren sieht den Grünen um 6000 Stimmen voran.

Die ARGE Wahlen hat berechnet, wie die Briefwahl zumindest ausgehen muss, damit Van der Bellen gewinnt: 60,2 Prozent müsste Van der Bellen demnach bei den Briefwählern holen, womit 39,8 für Hofer blieben. Mit einem solchen Briefwahlergebnis läge der Grüne um 200 Stimmen vor dem blauen Kandidaten. Im Umkehrschluss würden Hofer also 39,9 Prozent der Briefwähler für einen Sieg reichen. Wobei die ARGE-Hochrechner als Basis genommen haben, dass am Montag noch rund 707.000 gültige Stimmen ausgezählt werden. Je weniger Briefwahlstimmen es gibt, umso größer müsste die Differenz sein, damit der Grüne Bewerber das Ergebnis noch drehen kann.

>> Interaktive Grafiken zur Bundespräsidentenwahl

Kohlsche geht von wesentlich mehr gültigen Briefwahlstimmen aus - nämlich fast 730.000. Damit kommt er auf den größeren Vorsprung von 6.000 Stimmen für Van der Bellen im (hochgerechneten) Gesamtergebnis. Auch wenn Kohlsche bei der Briefwahlschätzung auf einen ähnlichen Anteil für den Grünen Professor - nämlich 60,3 Prozent - kommt.

SORA geht davon aus, dass nur 680.000 Stimmen der Briefwahl ausgezählt werden. Dafür prognostizieren die ORF-Hochrechner den Anteil Van der Bellens mit 60,8 Prozent etwas höher - womit in Summe Van der Bellen mit 2,206.845 Stimmen knapp vor Hofer mit 2,203.957 läge.

Zwei Bundesländer könnten "drehen"

Mit den Briefwahlstimmen könnten auch noch zwei Bundesländer "drehen". Laut vorläufigem Endergebnis liegt Hofer ohne Briefwähler in sieben Ländern auf Platz eins, Van der Bellen in nur zwei, nämlich Wien und Vorarlberg.  In Tirol und Oberösterreich ist das Ergebnis aber so knapp (50,7 Prozent für Hofer), dass sie durch die Briefwähler noch zu Van der Bellen wandern könnten.

Wie auch immer das Endergebnis letztlich aussehen wird, nach den Prognosen dürfte es das knappste aller nunmehr 13 Hofburg-Wahlen der Zweiten Republik werden. Das ist der Fall, wenn keiner der beiden Kandidaten über 50,69 Prozent kommt. Denn diese knappen 50,69 Prozent verhalfen 1965 Franz Jonas (SPÖ) zu seinem Einzug in die Hofburg. Damals hatte es schon im ersten Wahlgang nur zwei Kandidaten, Jonas und Alfons Gorbach (ÖVP) gegeben. 

Warum die Briefwahlstimmen überhaupt erst am Tag nach der Wahl ausgezählt werden, begründet das Innenministerium so: "Eine dezentrale Ermittlung wäre nicht möglich, da sonst das geheime Wahlrecht nicht gewährleitstet wäre". In einer kleinen Gemeinde könne man sonst rückschließen, wer wie gewählt hat. 

Reaktionen: ''Das hat Österreich noch nie erlebt''

(APA/Red.)

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