Nazi-Vergleich: Auch Bundespräsident rügt Ackerl

Oberösterreichs SP-Chef erklärte im Ringen um ein Berufsheer, die Zwangsverpflichtung sei eine Idee des Nationalsozialismus. Fischer und die ÖVP orten eine "Entgleisung".

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Ackerl (li.), Kopf

Ein Vergleich der allgemeinen Wehrpflicht mit dem Nationalsozialismus durch den oberösterreichischen SPÖ-Chef Josef Ackerl empört nicht nur die ÖVP. Mittlerweile hat auch Bundespräsident und Bundesheer-Oberbefehlshaber Heinz Fischer scharfe Kritik geübt: "Die Behauptung von Landeshauptmann-Stellvertreter Ackerl, wonach die Verpflichtung zum Wehrdienst eine Idee des Nationalsozialismus sei, ist eine bedauerliche Entgleisung",  sagte Fischer zum "Kurier". Die Aussage sei zudem "völlig unhistorisch".

Die ÖVP hatte bereits am Donnerstagvormittag deutliche Worte des Bundespräsidenten in Richtung Ackerl verlangt. VP-Klubobmann Karlheinz Kopf bezeichnete Ackerls Vergleich als "ungeheuerliche Entgleisung und beschämenden Tiefpunkt der Auseinandersetzung". "Die in unserer Bundesverfassung verankerte allgemeine Wehrpflicht mit Front- und Zwangsdiensten des Nazi-Regimes gleichzusetzen, ist unerträglich", sagte Kopf. Auch eine Klarstellung von SPÖ-Chef Werner Faymann werde gewünscht - konkret, "eine formelle Distanzierung des Bundeskanzlers von derartigen Äußerungen als notwendigen Akt der politischen Hygiene und historischen Verantwortung", sagte ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger.

Ackerl hatte bei einer Pro-Berufsheer-Veranstaltung in der Welser Stadthalle am Mittwochabend erklärt, die Zwangsverpflichtung sei eine Idee des Nationalsozialismus, der den Arbeitsdienst geschaffen habe. Er argwöhnte, dass vornehmlich die Kinder von Arbeitern und Angestellten Wehr- oder Zivildienst leisten müssten und sich andere "die Dinge richten können". Zum Zivildienst stellte er unter anderem fest, für anständige Arbeit sollte mit einem freiwilligen sozialen Jahr ordentlich gezahlt und nicht Ausbeutung von jungen Menschen betrieben werden.

(APA)

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