Rekrutierung: Auf der Suche nach Anti-Rambos

Wer wird in Zukunft Berufssoldat? Berufsheergegner bezweifeln, dass sich ausreichend qualifiziertes Personal finden wird. Verteidigungsminister Norbert Darabos lockt mit Prämien und Berufsausbildung.

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Symbolbild – (c) APA HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wien. Wer wird in Zukunft Berufssoldat? Wenn die Grundwehrdiener wegfallen sollten, muss sich das Heer seine Beschäftigten am Arbeitsmarkt holen – und das wird nicht ganz so einfach, wie selbst die Befürworter eines Berufsheers zugeben. Und wie auch an ausländischen Beispielen zu sehen ist: Die USA locken mit einer Krankenversicherung und sozialem Aufstieg, Spanien stellt Zuwanderern eine rasche Einbürgerung in Aussicht, und andere Länder sollen gar in Gefängnissen mit Strafnachlass werben (was aber offiziell bestritten wird).

Und Österreich? Da werden wohl andere Argumente greifen müssen. Schließlich soll das Heer ja nicht aus Rambos und sozialen Randgruppen gebildet werden. Bisher gab es dieses Problem nicht. Interessenten für den Soldatenjob fanden aber auch ein attraktives Angebot vor: Wer zum Heer ging, konnte damit rechnen, einen lebenslangen Job als Beamter zu ergattern. Die wird es weiterhin geben, 8500 an der Zahl. Kern des Profiheers soll aber eine junge Einsatztruppe mit 7000 Mann (und Frau) sein – und die können sich nur auf drei bis maximal neun Jahre verpflichten.

 

84.000 „High Potentials“

Wer so etwas macht? Interessenten gibt es genug, sagt Verteidigungsminister Norbert Darabos. Laut einer Ifes-Umfrage unter den 16- bis 30-Jährigen wären 576.000 Personen prinzipiell interessiert. 84.000 davon haben die Meinungsforscher als „High Potentials“ herausgefiltert – Personen also, die nicht nur interessiert, sondern auch bestens geeignet für den Job wären. Darunter wären 64.000 Männer und 20.000 Frauen – Letztere laut Ifes überdurchschnittlich gut gebildet.

Um in dieser Gruppe erfolgreich anwerben zu können, muss aber auch etwas geboten werden. Der Verteidigungsminister verweist auf attraktive finanzielle Konditionen: Zeitsoldaten sollen ein Einstiegsgehalt von 1450 bis 1800 Euro netto im Monat bekommen, dazu eine Prämie von 7200 Euro im Jahr, wenn man für Auslandseinsätze bereitsteht. Wer tatsächlich ins Ausland geht, kann mit einer wirklich attraktiven Entlohnung rechnen: Für einen Einsatz gibt es dann einen Zuschlag von 1600 bis 2700 Euro netto im Monat.

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Ausbildung für die Zeit danach

Auch der Wiedereinstieg ins zivile Erwerbsleben wird gefördert: Bis zu einem Drittel des Verpflichtungszeitraumes kann für eine Ausbildung verwendet werden, das Verteidigungsministerium übernimmt Ausbildungskosten von bis zu 32.000 Euro. Minister Darabos will sich darum bemühen, dass ein Umstieg in andere Ministerien erleichtert wird. Anbieten würde sich vor allem der Polizeidienst – der allerdings eine härtere Aufnahmeprüfung hat als das Militär.

Für die Profimiliz ist auch ein finanzielles Zuckerl vorgesehen: Wer sich verpflichtet, erhält eine jährliche Prämie von 5000 Euro, zusätzlich werden Übungen von zwei bis drei Wochen im Jahr und etwaige Einsätze abgegolten. Ein attraktives Angebot beispielsweise für Studenten, sollte man meinen.

Dass es nicht ganz so leicht sein wird, Freiwillige für ein Berufsheer zu bekommen, zeigt aber das Pilotprojekt, das Darabos vergangenes Jahr gestartet hat: Zwei Milizkompanien mit jeweils 115 Soldaten sollten aufgestellt werden. Es fanden sich aber selbst für dieses Prestigeprojekt nur 177 geeignete Bewerber.


Pro Wehrpflicht

Die Rekrutierung von Zeitsoldaten wird nicht ganz einfach, das zeigen auch internationale Beispiele. Vor allem, wenn man nicht vorrangig soziale Randgruppen ansprechen will. Speziell in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit muss viel bezahlt werden, um entsprechend qualifizierte Kandidaten zu bekommen. Bei der Beibehaltung der Wehrpflicht ist dagegen automatisch eine Durchmischung der Truppe mit Angehörigen aus allen Bevölkerungsschichten gegeben.

Pro Berufsheer

Profis gesucht. Wenn die Wehrpflicht abgeschafft wird, stehen die jungen Männer früher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und tragen zu einem höheren Wirtschaftswachstum bei. Beim Heer dienen dann jene, die sich wirklich dafür interessieren. Davon gibt es genug, wie Studien zeigen: Mehr als eine halbe Million junger Österreicher ist prinzipiell ansprechbar. Attraktive Gehälter und Ausbildungsmöglichkeiten für die Zeit danach sollen genügend potenzielle Soldaten ansprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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