Junge vermissen Sachinformation und wollen kürzeren Zivildienst

Die Bundesjugendvertretung liefert auf Online-Portal www.abstimmungshilfe.at Auskünfte. Beim Wehrersatzdienst gibt es die Befürchtung, dass „Zivis“ nur als „billige Arbeitskräfte“ ausgenützt werden.

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Zivildienst – (c) FABRY Clemens

Wien/Ett/Ib. Er singt nicht nur „A Liad für di“, sondern ist auch einer der prominentesten jüngeren Österreicher, der morgen Sonntag – vermutlich anders als die Mehrheit der 6,3 Millionen stimmberechtigten Österreicher – an der Volksbefragung über Wehrpflicht oder Berufsheer teilnehmen will. Der Volksmusiksänger und Chartstürmer Andreas Gabalier macht jedenfalls kein Hehl aus seiner Meinung: Der 28-Jährige wirbt für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Er halte sie für sinnvoll, weil diese jungen Männern die Möglichkeit biete, „miteinander auszukommen“.

Stimmberechtigt sind am Sonntag Mädchen und Burschen, die vor dem 21.Jänner 1997 geboren wurden. Damit sind auch Tausende darunter, für die nicht nur wie für alle Österreicher eine bundesweite Volksbefragung eine Premiere ist, sondern für die es überhaupt das erste Mal ist, dass sie in einem Wahllokal auch ihre Stimme abgeben dürfen. Ein paar von ihnen sind auch von der Entscheidung unmittelbar betroffen – müssen sie im Jahr 2014 noch einrücken?

Umso mehr schmerzt die Bundesjugendvertretung, in der rund 50 Jugendorganisationen unter einem Dach zusammengefasst sind, dass die Republik viel zu wenig objektive Information über die Volksbefragung bietet. Die Bundesjugendvertretung hat deswegen das Portal www.abstimmungshilfe.at online gestellt, das Antworten auf einfache Frage liefert – bis hin zu konkreten Fragestellungen für Sonntag.

 

Hoffnung auf 40 Prozent Beteiligung

„Es gibt von der Regierung nur Wahlkampfgeplänkel, aber keine wirkliche Sachinformation“, beklagt die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Johanna Zauner. Sie hofft, dass zumindest 40 Prozent der Jungen tatsächlich an der Volksbefragung teilnehmen. Das ist sehr optimistisch – zumindest nach den Ergebnissen einer Befragung von Karmasin Motivforschung: Demnach wollen nur 30 Prozent der 16- bis 30-Jährigen an der Volksbefragung sicher teilnehmen. Bei der Altersgruppe ab 50 Jahren hingegen sind es immerhin 43 Prozent. Doch das Schneechaos dürfte eher ältere Menschen zum Zuhausebleiben bewegen als die jüngere Wählerschaft. Bei den jungen Wählern ist ein klarer Trend zu beobachten: 55 Prozent sind für die Einführung eines Berufsheeres, 40 Prozent für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht.

Johanna Zauner wartet jedenfalls für die Zeit nach der Abstimmung mit einer konkreten Forderung auf: Der Zivildienst soll, wenn sich eine Mehrheit gemeinsam mit der Wehrpflicht am Sonntag dafür ausspricht, von derzeit neun Monate auf sechs Monate verkürzt und damit der Dauer des Präsenzdienstes angeglichen werden. Ihre Begründung: Der Zivildienst dürfe nicht als „Bestrafung“ gesehen werden. Außerdem sollten Zivildiener „nicht irgendwie billig Arbeitsplätze füllen“, sie dürften also nicht anstatt regulärer Arbeitskräfte im Sozial- und Pflegebereich eingesetzt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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