„Frauen für ein Berufsheer“: Wer hinter der Plattform steckt

Auf Plakaten, im Radio und TV warb man um die Frauen. Trotzdem gibt es bei diesen (noch) keine Mehrheit für ein Berufsheer.

Frauen beim Bundesheer
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Frauen beim Bundesheer – (c) APA BUNDESHEER (BUNDESHEER)

Wien/Ib/Uw. Egal, ob im Radio oder Fernsehen: In den letzten 14 Tagen hörte man es immer wieder: „Sie sagt“, gefolgt von einem Argument für ein Berufsheer – und einem etwas mürrisch klingendem „Wo's recht hot, hot's recht.“ Auch auf gelben Plakaten konnte man lesen: „Der Bub soll seine Zeit nützen, nicht absitzen.“ Doch wer ist „sie“ – und wer steckt eigentlich dahinter?

„Sie“ soll jene Frau und Mutter repräsentieren, die für ein Berufsheer und gegen die allgemeine Wehrpflicht stimmen wird. Unter anderem, um dem Sohn den Grundwehrdienst zu ersparen oder in der Pflege Profis anstatt unterbezahlter Zivildiener zu haben. Hinter der Kampagne steckt allerdings ein Mann – genauer gesagt Mariusz Jan Demner von der Werbeagentur „Demner, Merlicek und Bergmann“. Im Dezember hatte sich die SPÖ an die Agentur gewandt – mit dem Wunsch, eine Pro-Berufsheer-Kampagne zu entwickeln. „Wir waren aber der festen Meinung, dass jede Parteikampagne die Falsche wäre“, meint Demner. Es sollten nicht nur SPÖ-Sympathisanten angesprochen werden, und man hätte einen „kreativen Ansatz gesucht“ – ebenso ein „Spielfeld, auf dem sonst keiner spielt“. So sei die Plattform „Frauen für ein Berufsheer“ entstanden. „Und wir konnten die SPÖ überzeugen, das zu unterstützen.“, erzählt Demner.

Laut SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter hat die Partei in die Plattform „Frauen für ein Berufsheer“ und das Pro-Berufsheer-Komitee „Unser Heer“ knapp eine Million Euro investiert. Doch wie ist das mit der Wahlkampfkostenbeschränkung der Parteien vereinbar? Es ist fraglich, inwiefern die Komitees Teil der Rechenschaftslegungspflicht der Parteien sind – es kommt auf das Ausmaß der finanziellen Unterstützung durch die Parteien an, erklärt Parteienfinanzexperte Hubert Sickinger. Eine analoge Anwendung der Wahlkampfkostenbeschränkung auf Volksbefragungen ist gesetzlich nicht vorgesehen.

Aber es gibt auch Unterstützer, die sich ehrenamtlich für die Plattform engagieren: Wirtschaftstrainerin Regina Sitnik etwa. Warum eigentlich? „Ich war besorgt, dass Frauen nicht zur Volksbefragung gehen“, erzählt sie. Viele Österreicherinnen hätten zum Militär keinen oder nur wenig Bezug und würden sich daher an der Meinung der Partner orientieren. „So haben wir uns gefragt – wie sprechen wir Frauen am besten an?“

Laut Sophie Karmasin vom gleichnamigen Forschungsinstitut bleibt die Pro-Berufsheer-Wahlkampagne den Menschen auch tatsächlich im Gedächtnis: 46 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, sich die Berufsheer-Kampagne gemerkt zu haben. Bei der Wehrpflicht-Kampagne sagten dies hingegen nur 36 Prozent der befragten Frauen. Allerdings fanden die Frauen, die sich die Wehrpflicht-Kampagne gemerkt hatten, diese insgesamt besser. Das bedeutet: Die Berufsheer-Werbung wurde stärker wahrgenommen, die Wehrpflicht-Kampagne war „einen Tick überzeugender“, so Karmasin.

 

Keine Mehrheit Pro-Berufsheer

Doch das Match um die Stimmen der Wählerinnen ist noch offen: Mitte November war laut Sophie Karmasin die Mehrheit der Frauen noch für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht. Nun hält sich der Anteil der weiblichen Berufsheer-Befürworter mit jenen der Wehrpflicht-Fans die Waage. Allerdings ist die Bereitschaft abzustimmen schwächer ausgeprägt als bei den Männern: 34 Prozent der weiblichen Befragten wollen wählen gehen – bei den Männern sind es 37 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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