"FPÖ einzige Partei, die 17 Jahre Schwuler leitete"

Überraschung im Wien-Wahlkampf: Neben ÖVP, Grünen und SPÖ angelten bei einer Podiumsdiskussion auch die Freiheitlichen nach homosexuellen Wählern - und zwar mit einer indirekten Anspielung auf Jörg Haider.

***File*** Stuart Gaffney, left, and John Lewis, right, partners for 19 years, embrace hands with the
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***File*** Stuart Gaffney, left, and John Lewis, right, partners for 19 years, embrace hands with the
(c) APN (Benjamin Sklar)

Die Wiener Rathausparteien haben am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion offensiv um die Stimmen von Schwulen und Lesben für die Wahl am 10. Oktober gekämpft. Selbst die FPÖ umgarnte bei der Veranstaltung im City Hotel offensiv homosexuelle Wähler.

„Wir sind die einzige Partei, die 17 Jahre von einem Schwulen geleitet wurde", warb FPÖ-Gemeinderat Gerald Ebinger, ohne Jörg Haider namentlich zu erwähnen. Ebinger beharrte zwar darauf, dass die Ehe und Adoptionen nicht für Homosexuelle geöffnet werden sollten, zugleich sollten homosexuelle Paare aber in Steuer- und Mietrechtsfragen gleichgestellt werden.

"Ich bin nicht homophob"

Leider sei diese „liberale Sicht" noch nicht überall angekommen: "Ich bin heterosexuell, ich bin nicht homophob, ich habe keine Berührungsängste - aber es gibt in meiner Partei auch andere." Man höre immer wieder "entbehrliche Äußerungen", gesteht Ebinger.

"Die Ära Schüssel ist absolut vorbei"

Auch in der ÖVP wird um eine einheitliche Linie gekämpft, erklärte mit Christine Marek die einzige Spitzenkandidatin in der Runde. Wenn es um Vorurteile gehe, sei nicht alles perfekt: "Ich selbst habe das bisweilen schmerzhaft erlebt in der eigenen Partei." Es sei deshalb wichtig gewesen, dass die Volkspartei den Prozess hin zur Eingetragenen Partnerschaft durchlaufen habe: "Die Ära Schüssel ist absolut vorbei."

Einsatz für Schwule als "Knochenarbeit"

Vor allem in der Kommunalpolitik könne aber noch viel erreicht werden, glaubt der schwule Gemeinderat der Grünen, Marco Schreuder: "Das ist Knochenarbeit." Das Spektrum reiche von Aufklärung in Schulen bis zur Pflege von älteren Schwulen und Lesben. Nur in der Ökopartei fänden sich geoutete Homosexuelle auf wählbarer Stelle: "Die Grünen sind der Garant, dass auch mit Lesben und Schwulen gesprochen wird." Sonst werde nur über sie geredet.

Die Sozialdemokratie setze sich "maximal" dafür ein, Homophobie zu bekämpfen, erklärte SPÖ-Gemeinderat Kurt Stürzenbecher: "Und wir können in dieser Hinsicht sehr, sehr viel vorweisen." So habe man die Eingetragene Partnerschaft auf Wiener Ebene umfassend implementiert, werbe offensiv um homosexuelle Pflegeeltern und richte jährlich in der Stadt Life Ball sowie Regenbogenparade aus.

Und auch auf Bundesebene würde man die Ehe vollständig für Schwule und Lesben öffnen - wenn man nicht an die ÖVP gebunden wäre. Stürzenbechers Conclusio: "Wenn die SPÖ eine große Mehrheit hat, dann geht viel weiter."

(APA)

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