Wahlbündnis in Tirol? Stronach klopft bei Dinkhauser an

Das Team Stronach sucht Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in Tirol und Salzburg. Für die Wahlkämpfe im Jahr 2013 will die Partei mindestens 20 Millionen Euro ausgeben.

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Fritz Dinkhauser – (c) APA (Andreas Pessenlehner)

Der Chef ist derzeit außer Landes. Frank Stronach verbrachte Weihnachten in Kanada und wird erst im Jänner wieder in Österreich erwartet. Bis dahin sind in seiner Partei einige strategische Entscheidungen für das Wahljahr 2013 zu treffen. Zum Beispiel, ob das Team Stronach bei der Landtagswahl im Frühjahr in Tirol antreten soll.

Die Antwort lautet: Wenn sich ein Spitzenkandidat findet, dann ja. Landesparteichef Hans-Peter Mayr, ein weitgehend unbekannter Jurist, und Stronachs Stellvertreter in der Bundespartei, Robert Lugar, führen derzeit Gespräche auf mehreren Ebenen: „Mit Prominenten und Gruppierungen“, wie Lugar der „Presse“ erklärte.

Eine dieser Gruppierungen nennt sich Liste Dinkhauser, erreichte 2008 beachtliche 18,35 Prozent und wird vom Ex-ÖVP-Politiker Fritz Dinkhauser geführt. Dem Vernehmen nach wird über ein Wahlbündnis zwischen Stronach und Dinkhauser verhandelt – auch wenn das offiziell niemand bestätigen will. Lugar sagt nur so viel: „Wir gehen auf mehrere Personen zu, konkret ist bislang aber noch nichts.“

Ähnlich verhält es sich in Salzburg, das nach der Finanzaffäre wohl ein Jahr früher – im Mai 2013 – wählen wird. Landesparteiobmann Erich Tadler, wie Lugar ein BZÖ-Überläufer, kommt als Spitzenkandidat nicht infrage, zumal ihn auf der Straße wohl nur die wenigsten erkennen würden.

Für Gerhard Köfer gilt das nicht. Der Bürgermeister von Spittal/Drau, früher SPÖ- und jetzt wilder Abgeordneter im Nationalrat, wird das Team Stronach am 3. März in die Kärntner Landtagswahl führen. Und wohl auch in den Landtag: Umfragen sehen die Partei derzeit zwischen zehn (Market) und 14 Prozent (Hajek), also deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde.

In Niederösterreich, das ebenfalls am 3. März wählt, wird der 80-jährige Parteigründer selbst Spitzenkandidat sein. Offiziell, weil seine Wirtschaftskompetenz gefragt sei. Inoffiziell hört man anderes: Stronach, dessen unternehmerische Pläne in Niederösterreich nicht immer politisch unterstützt wurden, habe mit Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) noch die eine oder andere Rechnung offen.

Ein Landtagsmandat will Stronach aber nicht annehmen (sein Ziel ist die Nationalratswahl im Herbst) – die Geschäfte in Niederösterreich überlässt er Ernest Gabmann junior. Der Sohn des einstigen Pröll-Stellvertreters tritt hinter Stronach auf Platz zwei an. Die restlichen Kandidaten werden vorerst nur alphabetisch genannt und dann nach den Vorzugsstimmen gereiht.

Auf dem Stimmzettel wird sich auch der Name Karin Prokop finden. Ursprünglich sollte die Tochter der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop sogar Spitzenkandidatin werden. Dieser Plan wurde – auf Prokops Wunsch hin – aber wieder verworfen.

Mindestens 20 Millionen Euro will das Team Stronach in die Wahlkämpfe investieren. Dass der Betrag durchaus höher sein könnte, wie Lugar sagt, liegt vor allem an Niederösterreich. Man habe gehört, dass die ÖVP insgesamt zwölf Millionen aufbringen werde – „da muss man dagegenhalten“. Finanzielle Obergrenze gebe es keine.

Dabei leistet sich das Team Stronach auch internationale Experten mit „US-Wahlkampferfahrung“ (Lugar). Der Wahlkampf wird durchgehend auf Stronach zugeschnitten sein.

Filialen hat die Partei mittlerweile in allen Bundesländern. Jessi Lintl, Ex-Stellvertreterin von Innenstadt-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, kümmert sich um Wien. In der Steiermark sitzt die frühere FPÖ-Klubchefin im Landtag, Waltraud Dietrich, steht an der Spitze. In Oberösterreich führt der ehemalige Linzer Polizeidirektor Walter Widholm (früher SPÖ) die Geschäfte. Vorarlberger Parteichef ist der Nationalratsabgeordnete Christoph Hagen (früher BZÖ). Ins Burgenland entsandte Stronach seinen Medienmanager Rouven Ertlschweiger.

 

E-Mails an: thomas.prior@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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