Wenn Gewerkschafter zu Kannibalen werden

Die akuten Leiden von Vida-Chef Kaske: ÖGB-Teilorganisationen liefern sich Wettstreit um Mitglieder.

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(c) AP (RONALD ZAK)

Für den Vorsitzenden der Transport- und Dienstleistungsgewerkschaft, kurz Vida, Rudolf Kaske, gab es schon ruhigere Karwochen. Das liegt nicht nur daran, dass er sich wegen des AUA-Sparpakets in einen internen Konflikt der „Flieger“ mit den „Tyrolean“-Betriebsräten eingelassen hat. SPÖ-Gewerkschaftskollegen greifen sich an den Kopf, dass Kaskes Vida die risikobehaftete Kündigung des Kollektivvertrages forciert hat. Die ÖGB-Spitze mit Präsident Erich Foglar stellte sich zwar in der Vorwoche nach dem Bundesvorstand hinter die ÖGB-Teilorganisation Vida – allerdings mit Bauchweh.

Es ist nicht Kaskes einziges Problem. Die Geschäftsführung der aus Eisenbahner- und Tourismusgewerkschaft fusionierten Vida, die 2011 die meisten Mitglieder aller sieben ÖGB-Teilgewerkschaften verloren hat, wird getauscht. Die Vida kämpft bei Kollektivvertragsverhandlungen etwa im privaten Sozial- und Pflegebereich Schulter an Schulter mit der mitgliederstärksten ÖGB-Teilgruppierung, der Gewerkschaft der Privatangestellten und Drucker, die von Wolfgang Katzian mit Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein geführt wird.

Dem Vernehmen nach gibt es überdies schon seit längerer Zeit einen politischen Deal zur gewerkschaftsinternen Machtaufteilung, der die künftige Präsidentschaft in der Arbeiterkammer betrifft: Demnach soll Kaske mit GPA-Unterstützung Nachfolger von Herbert Tumpel als AK-Chef werden. Als voraussichtlicher Zeitpunkt ist nun ein Termin nach der Nationalratswahl 2013, aber rechtzeitig vor der nächsten AK-Wahl im Jahr 2014 im Gespräch.
Das ändert allerdings nichts daran, dass die GPA im Kampf um Gewerkschaftsmitglieder im Dienstleistungssektor in den Gefilden der Vida wildert. Dies gilt als ein Mitgrund, warum die Vida inzwischen unter dem Strich 4000 Mitglieder weniger hat als 2010. Rote Gewerkschafter kannibalisieren sich dabei quasi gegenseitig.

E-Mails an: karl.ettinger@diepresse.com

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