„#gfraster“ – ins Parlament zurückgezwitschert

Ex-ÖH-Chefin Maurer darf trotz Hausverbots zu Vortrag. SPÖ-Mandatarin Hakel bot ungelenk Hilfe an.

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(c) Clemens Fabry

Am 22. Dezember 2010 kassierte die damalige ÖH-Chefin Sigrid Maurer (Grüne und Alternative StudentInnen) ein 18-monatiges Hausverbot im Parlament, weil sie anlässlich der Budgetrede des damaligen Finanzministers Josef Pröll (ÖVP) – mit anderen – Flugzettel geworfen und Parolen skandiert hatte. Jetzt darf sie, noch vor Ablauf der Frist, wieder zurück, und zwar für einen Vortrag der US-Expertin Pamela Samuelson über „Recht auf Wissen. Für eine progressive Netzpolitik“ am 4.Mai ab 16 Uhr. Veranstalter: die SPÖ in Wien und Brüssel sowie die SPD.

Wie es kommt, dass Maurer – inzwischen „einfache“ Soziologiestudentin – nicht mehr Persona non grata im Hohen Haus ist? Passend zum Vortragsthema hatte sie sich online, nämlich über Twitter, mokiert: „ich würd ja ur gern kommn (sic!), aber ich hab bis 1. juli parlamentsverbot“, postete sie diese Woche. Und der Veranstalter SPÖ wollte ihr in Gestalt der Abgeordneten und „Creative Industries“-Sprecherin der Partei, Elisabeth Hakel, selbst Moderatorin des Abends, zu Hilfe eilen: „ich spreche mit der NR-Präsidentin...“, postete sie ebenfalls auf Twitter; bis 2008 war Hakel Pressesprecherin von Parlamentschefin Barbara Prammer (SPÖ).Wie sich zeigte, war Hakels Bemühen aber gar nicht mehr notwendig: Ihre Klubkollegin Sonja Ablinger hatte sich bereits für Maurer stark gemacht und eine (vorübergehende) Zulassung der Grün-Alternativen im Haus am Ring erreicht. Hakel verkündete dies wiederum via Twitter, Maurer – die seit 2010 sogar auf der Extremistenliste des Verfassungsschutzes geführt wird – daraufhin launig: „muss ich versprechen dass ich nicht randaliere? lol. (etwa: „mit lautem Lachen“, Anm.) danke!“

Bei allen Rezipienten dürften Hakels Postings übrigens nicht so gut angekommen sein. Immerhin leistete sie sich am 24. April einen Fauxpas: „... das wäre ja ein Termin, das sollte aegumentierbar (sic!) sein ...#gfraster“, schrieb sie damals. Die „#gfraster“ (das Kreuz markiert zentrale Begriffe auf Twitter) könnten auch als Angriff auf das Parlament, nicht auf die Studenten interpretiert werden. Und letztverantwortlich für das Hausverbot gegen Maurer war – richtig, nicht etwa die Parlamentsdirektion, sondern die Parlamentsspitze. Also Hakels alte und neue Chefin, Prammer.

 

E-Mails an: regina.poell@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2012)

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