Matthias Strolz: Die Neos halten ''die Flügel oben''

"Eine kraftvolle Überraschung am 15. Oktober", wollte Matthias Strolz mit seinen Neos werden. Bei der letzten Nationalratswahl gelang das: Mit 5,0 Prozent zogen die Pinken (damals im Wahlbündnis mit dem Liberalen Forum) 2013 erstmals ins Parlament ein. Nun wurde es nicht viel mehr, dennoch wurde aus der sechststärksten Partei im Parlament die viertstärkste Fraktion. Strolz - in Verstärkung mit der ehemaligen Höchstrichterin Irmgard Griss - gelang es folglich, seinen Pinken die ''Flügel zu heben'', wie er gerne betont.

(c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)

War beim ersten Antreten die Hilfe des Industriellen Hans-Peter Haselsteiner wohl noch ein wesentlicher Faktor für den überraschenden Neos-Erfolg, ist Strolz mittlerweile unumstrittener Star der Truppe, wenngleich ihm diesmal mit der recht knapp gescheiterten Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss sowie der Wiener Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger starke Kräfte zur Seite standen.

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Das Gesicht der Partei blieb aber Strolz. Geboren in Bludenz, aufgewachsen in Dalaas, hat sich der Vorarlberger eine Bodenständigkeit bewahrt, die ihn über selbst ernannte Eliten hinauswirken lässt.

Was Strolz in der österreichischen Politik derzeit so einzigartig macht, ist, dass er sich für wenig geniert. Er publiziert Gedichte über Kastanien, philosophiert über das Bäume-Umarmen und produziert opulente Wortbilder.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Strolz, der schon Vorarlberger Landesschulsprecher war und für die ÖVP-nahe AG an der Uni Innsbruck Vorsitzender der örtlichen Hochschülerschaft war, ist gelernter Coach. Motivation ist seine Sache, "Mutmacher" will er sein, den Kindern die "Flügel heben".

Sein Glück ist, dass er sich bei aller Ein- und Aufdringlichkeit eine Art kindlichen Charmes bewahrt hat. Dazu passt, dass er seiner Frau den Heiratsantrag bei einer Polsterschlacht gemacht haben will. Das Paar hat mittlerweile drei Töchter.

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Seit der Parteigründung wirkt Strolz dauer getrieben. Sich im Parlament zu etablieren, ist schon keine leichte Übung. Dann waren aber auch noch diverse Wahlen zu bestreiten, obwohl die Strukturen vor allem in den Ländern fehlten. Einzelnen kleineren Erfolgen bei der EU-Wahl, in Wien und Vorarlberg standen Pleiten etwa in Oberösterreich und der Steiermark gegenüber. Der frische Wind war schnell verpufft, für die Neos begann ein Überlebenskampf.

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Es spricht für den deklarierten Optimisten Strolz, dass er nicht die Nerven wegwarf. Das zähe Ringen um ein Bündnis mit der früheren OGH-Präsidentin Griss sollte sich etwa bezahlt machen. Zwar brachte sie den Neos vielleicht nicht direkt tausende Stimmen, aber sie trug insgesamt zu einer Stabilisierung bei. Kein internes Tränchen trübte den pinken Wahlkampf. Das Team stand zusammen, mit Strolz an der Spitze. Interne Reibereien, so es sie tatsächlich gegeben haben sollte, drangen nicht an die Öffentlichkeit.

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Zur Person:

Matthias Strolz, geboren am 10. Juni 1973 in Bludenz, verheiratet, Vater von drei Töchtern, Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Landesschulsprecher in Vorarlberg, Vorsitzender der ÖH an der Uni Innsbruck. Ab 2001 Unternehmer, 2012 Gründer und Vorsitzender der Partei Neos. Seit der Nationalratswahl 2013 Abgeordneter zum Nationalrat und Klubobmann der Neos.

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