Ulrike Lunacek will mit Sachlichkeit zum Wahlerfolg

"Unverhofft kommt oft": Unter dieses Motto stellt Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek die gesamte Nationalratswahl am 15. Oktober. Von einem Himmelfahrtskommando oder gar einem möglichen Verpassen des Einzugs in das Parlament will die einzige weibliche Spitzenkandidatin nichts wissen. "Ich bin einiges an Härte gewöhnt", kontert die 60-jährige Feministin. Ihr erklärtes Ziel: Die Partei stärker machen und die FPÖ in der Bundesregierung verhindern.

 

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Lunacek wagt viel: Die passionierte Schwimmerin tauschte nach dem Rücktritt von Parteichefin Eva Glawischnig für ihr Antreten ihre etablierte Position als Vizepräsidentin des EU-Parlaments und grüne Delegationschefin gegen den Posten als Spitzenkandidatin ein. Und musste gleich einen Schlag aus den eigenen Reihen einstecken: Langzeitmandatar und "Korruptionsjäger" Peter Pilz kehrte den Grünen den Rücken und gründete eine eigene Liste. Lunacek nahm es sportlich: "Es gibt andere, die das auch können; wir haben viele kompetente, jüngere Leute dabei."

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Momentan eher bescheidene Umfragewerte schrecken Lunacek nicht: "Wir werden eine Kampagne machen, bei der wir die Themen in den Vordergrund stellen", hält sie jenen entgegen, die ihr ein Himmelfahrtskommando prophezeien. "Ich bin eine Frau, die einzige Frau an der Spitze, das wird mir helfen, auch als Feministin", betonte die 60-Jährige etwa im Ö3-Sommergespräck in "Frühstück bei mir".

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Lunacek hat sich in den vergangenen Jahren nach anfänglichen Querelen mit Johannes Voggenhuber als Stabilitätsfaktor der Grünen auf nationaler und internationaler Ebene erwiesen. Seit 2013 ist sie auch Vizepräsidentin der Grünen Fraktion im EU-Parlament und Kosovo-Berichterstatterin. Beim EU-Wahlkampf 2014 konnten die Grünen deutlich zulegen. Lunacek legte einen fehlerfreien Wahlkampf hin, war sachlich versiert und machte sich auch im EU-Parlament selbst einen Namen.

 

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Gekämpft hat Lunacek überhaupt für so ziemlich alles, was sie bisher erreicht hat. Ihr Selbstbewusstsein schöpfte die offen lesbische Politikerin unter anderem aus ihrem Einsatz für die Rechte Homosexueller. Die Tochter des Generaldirektors der Raiffeisenwarenzentrale wuchs schnell zu einer weltoffenen Frau heran. Als Dolmetschstudentin für Englisch und Spanisch in Innsbruck unternahm sie unter anderem mehrere Südamerika-Reisen.

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Schon früh war Lunacek für die Rechte von Frauen aktiv. Sie war etwa beim Aufbau des Innsbrucker Frauenhauses involviert, war Redakteurin des Magazins "Südwind" und Obfrau des Vereines "Frauensolidarität". Weitere Stationen der passionierten Schwimmerin: Der Sportverein für Lesben und Freundinnen "Marantana", das Österreichische Lesben- und Schwulenforum und das Wiener "TheaterBrett", wo sie als Pantomime auftrat.

(Bild: Conchita Wurst und Lunacek)

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1994 delegierte der Österreichische Informationsdienst Lunacek zur UNO-Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung nach Kairo. 1995 koordinierte sie die Pressearbeit der nichtstaatlichen Organisationen (NGO) zur UNO-Weltfrauenkonferenz in Peking. In denkbar schlechten Zeiten stieß Lunacek zu den Grünen.

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Sie kandidierte 1995 erstmals für den Nationalrat und erlebte eine vernichtende Niederlage der Partei. Ein Mandat blieb ihr vorerst verwehrt. Entschädigt wurde Lunacek ein Jahr später, als sie zur Grünen Bundesgeschäftsführerin avancierte. 1999 gelang schließlich der Sprung in den Nationalrat.

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Im Hohen Haus angelangt, konnte Lunacek unbeirrt für die rechtliche Gleichstellung und soziale Akzeptanz homosexueller Menschen auftreten. Das tat sie stets mit Selbstbewusstsein, einengen ließ sie sich auf eine derartige Rolle allerdings nicht. Als außenpolitische Sprecherin holte sie sich auch - neben ihrer regen Reisetätigkeit und Sprachgewandtheit - das notwendige Rüstzeug für das Europaparlament, aus dem sie nun nach Wien zurückkehrt.

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Zur Person:

Ulrike Lunacek wurde am 26. Mai 1957 in Krems an der Donau geboren. Sie studierte Englisch- und Spanisch-Dolmetsch an der Universität Innsbruck, engagierte sich national und international im Frauen- und Sozialbereich, arbeitete als Journalistin und ist seit den 1990er-Jahren bei den Grünen aktiv. Seit Jahren pendelt sie zwischen Wien und Brüssel, wo ihre Lebensgefährtin Rebecca Sevilla lebt und arbeitet.

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