Heinz-Christian Strache: Der "Wahlkampf-Senior" will endlich in die Regierung

Es ist die vierte Nationalratswahl, in der Heinz-Christian Strache in diesem Herbst für die Freiheitlichen ins Rennen geht. Mit 48 Jahren ist er damit zwar nicht der älteste Spitzenkandidat, jedoch der erfahrenste Wahlkämpfer. Er selbst nimmt es pragmatisch: "Ich sage mit 48 Jahren: Ich komme überhaupt erst ins politisch beste Alter." Das erklärte Ziel: "So stark werden, wie nur möglich."

 

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Seit zwölf Jahren steht Strache der Wiener FPÖ vor, zwölf Jahre lang ist er auch schon Chef der Bundespartei. Seitdem hat der gebürtige Wiener einen gewissen Wandel vollzogen, vor allem bei medialen Auftritten ist er um sanftere Töne bemüht. Eine bewusst gewählte Strategie, um breitere Wählerschichten anzusprechen, wie Meinungsforscher dem FPÖ-Chef mehrfach attestierten. Dazu passend, so meinen einige von ihnen, auch die Brille, die Strache seit einigen Monaten trägt - aus Gründen der Lebensqualität, nicht der staatsmännischen Optik ("Nein, es sind keine ‚Fake-Glasses‘."), wie er betont.

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Früher war man harschere Worte von Strache gewohnt. 2006 forderte der gelernte Zahntechniker etwa, Abzuschiebende nicht mit zivilen Flugzeugen, sondern mit Bundesheer-Maschinen außer Landes zu bringen, denn: "Ich sage, die Herkules umrüsten zu einer Abflugmaschine, da können sie dann schreien, sich anurinieren, da stört's dann niemanden, da werden sie abgeschoben", sagte er bei einer Wahlkampf-Veranstaltung.

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Bemühungen Straches um die Öffnung der Partei in Richtung Mitte sehen Beobachter auch in dessen Versuch, den "rechten Rand" innerhalb der Partei zurückzudrängen. Im Jahr 2014 etwa entledigte sich der FPÖ-Obmann des damaligen freiheitlichen EU-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer (Bild), der wegen einem Sager über ein "Negerkonglomerat" bzw. einen Vergleich der EU mit dem Dritten Reich stark in Kritik geraten war.

 

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Gegen den Zug zur Mitte hingegen spricht, dass der umstrittene frühere Dritte Nationalratspräsident Martin Graf im Herbst an wählbarer Stelle auf der blauen Bundesliste zu finden sein soll. Oder die Zusammentreffen mit den Rechtspopulisten Marine Le Pen (Frankreich) und Gert Wilders (Niederlande).

(Bild: Strache mit Graf am Balles des Wiener Korporationsringes)

 

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Und trotzdem: Strache selbst ist ruhiger geworden, nimmt sich bewusste Auszeiten, wie er sagt. Sein Image als Partymacherscheint ihm lästig geworden: "Für mich ist Ibiza ein Kraft-Ort, wo ich mich mit meinen Kindern und meiner Frau zurückziehen kann."

Im krassen Gegensatz dazu seine Jugend, als er sich an "Waldspielen" beteiligte, die an Wehrsportübungen erinnerten. Im Haus von NDP-Gründer Norbert Burger, mit dessen Tochter Strache liiert war, ging der heutige FPÖ-Chef aus und ein. Und noch 2004, bereits als Obmann der Wiener Freiheitlichen, wollte sich Strache mit einem Kontrahenten im Rahmen eines Burschenschafter-Streits duellieren.

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In der neuesten Wahlkampagnen - jene für die Oberösterreich-, Wien- und sowie der nahenden Nationalratswahl - setzte der zweifache Vater vor allem auf das Asyl-Thema, um seine Wähler zu mobilisieren. EU und Regierung warf er wiederholt "völliges Versagen" in der Flüchtlingspolitik vor (besonders scharf wird Außenminister, ÖVP-Chef Sebastian Kurz verbal attackiert) bzw. das nunmehrige "Kopieren" blauer Ideen.

Umstrittene Plakate zum Thema Ausländer oder Migration blieben bisweilen aber aus. Stattdessen der Slogan: "Mit ihm (Strache, Anm.) gewinnt Österreich."

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Unbestritten ist Straches Standing innerhalb der freiheitlichen Partei. Dies hat er nicht nur Beratern wie Generalsekretär Herbert Kickl zu verdanken, sondern ist auch Folge eines blauen Helden-Mythos, der den Obmann umweht. Als sich Jörg Haider mit dem freiheitlichen Regierungsteam und beinahe dem gesamten Parlamentsklub ins BZÖ verabschiedete, galt nur noch der aufstrebende Strache als jener, das politische Begräbnis der FPÖ verhindern konnte.

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Und Strache hielt, was man sich von ihm versprach. Seit seinem Antritt als Wiener und als Bundes-Obmann (2004 bzw. 2005) klettern die Freiheitlichen in der Wählergunst wieder kontinuierlich nach oben. Hätte er nicht die Kärntner Freiheitlichen ins Boot geholt, könnte der Parteichef sogar guten Gewissens sagen, dass seine FPÖ mit den Korruptionsaffären der vergangenen Jahre nichts zu tun hatte.

(Bild: Strache und Kärntens Alt-Landeshauptmann Gerhard Dörfler)

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Straches politischer Weg war dabei zunächst gar nicht so deutlich vorgezeichnet: Nach der Schule absolvierte er eine Lehre zum Zahntechniker, ging zum Heer, absolvierte die Studienberechtigung, begann ein Geschichtsstudium und machte sich 1993 mit einem zahntechnischen Unternehmen selbstständig. Erst der damalige FPÖ-Bezirkschef von Wien-Landstraße, Herbert Güntner, holte ihn in als Bezirksrat in die Partei.

 

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Zur Person:

Geboren wurde der zweifache Vater Heinz-Christian Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Nach Abschluss seiner Lehre wurde er 1991 mit nur 21 Jahren Bezirksrat. Von seiner aus der Gastronomen-Familie Plachutta stammenden Frau Daniela ist er geschieden, hat mittlerweile aber neuerlich geheiratet: Philippa Beck (Bild). Zu Straches Hobbys zählt Kung-Fu, als sein Laster gibt er das Rauchen an.

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