Wahlkampf skurril: Mit Ganzkörperanzügen in die Schlammschlacht

Mit Ganzkörperanzügen in die Schlammschlacht

Dirty-Campaigning einmal anderes, dachte sich die Direkte Demokratie-Initiative "Österreich entscheidet". Sie versammelte fünf Laienschauspieler in parteifarbenen Ganzkörperanzügen vor dem Parlament, die die abendliche Elefantenrunde nachstellten - und sich mit realem Dreck bewarfen. Zuletzt kam es sogar zu einer inszenierten Rauferei. Dann erschallte plötzlich ein Pfiff und "Österreich entscheidet"-Proponenten nahmen - Schilder mit Slogans wie "Uns reichts", "Schluss damit" und "Wir sind Demokratie" in die Höhe haltend - Aufstellung.

APA/HERBERT PFARRHOFER

Mentalmagier Lucca will Wahlergebnis voraussagen

Wer das Ergebnis der Nationalratswahl schon vorher wissen will, sollte am 9. Oktober Café Puls schauen. Dort will der amtierender Europameister und Vize-Weltmeister der Mentalmagie, Lucca, das Ergebnis auf den Zehntel-Prozentpunkt genau bekanntgeben.

Für den 20. Oktober kündigte Lucca außerdem bereits heute eine große Überraschung im Zusammenhang mit dem amtlichen Wahlergebnis an.

(c) Felicitas Matern

Die FPÖ hat ein neues Werbevideo veröffentlicht. Darin kommt ein Mann in den Tätowierladen – untermalt ist die Szene mit lauter Rocker-Musik – und hält sein Smartphone in die Kamera, auf dem ein Foto des ÖVP-Chefs zu sehen ist. Er ruft bestimmt: „Kurz!“ Schnitt. Nächste Szene: Der Mann lässt sich unter großen Schmerzen „die neue ÖVP“ auf den Rücken stechen. Das Ergebnis: Nicht nur das Profil von Kurz und das Logo der ÖVP sind zu sehen, sondern auch die Konterfeis von Wolfgang Schüssel, Erwin Pröll, Othmar Karas und Christoph Leitl. Der Mann fällt in Ohnmacht – als er aufwacht, erklärt ihm FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, dass „die ÖVP immer die gleiche Partei bleiben wird“, eine Veränderung werde es nur mit den Freiheitlichen geben.

>>> Link zum Video

XXXLutz wirbt mit tanzenden Politiker-Karikaturen

Das Möbelhaus XXX-Lutz hat pünktlich vor der Nationalratswahl einen neuen Werbespot produziert: Die Musik geht an, ein Mann mit Sebastian-Kurz-Maske dreht sich zur Kamera und beginnt zu tanzen und singen ("Mir wird schwarz vor Augen"). Bald darauf erscheint ein weiterer ''Tänzer'' mit Christian-Kern-Konterfei und rotem Luftballon ("I werd rot vor Scham"). Auch die Karikaturen von Ulrike Lunacek, Heinz-Christian Strache ( "Wir ärgern uns grün und blau") und Matthias Strolz gesellen sich dazu und singen darüber, dass sie gerne so viele Prozente hätten, wie der XXX-Lutz.

Detail am Rande: In der Schluss-Gruppenaufnahme hält "Lunacek" einen Fliegenpilz in der Hand - womit wohl Peter Pilz gemeint sein dürfte.

>>> Video zur XXX-Lutz-Werbung

(c) Screenshot: Youtube

Winzer wirbt mit ''Türkisem Veltliner''

ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz hat jetzt auch seinen eigenen Wein. Der burgenländische Winzer Sebastian Siess hat einen "Türkisen Veltliner" ins Leben gerufen, gab das Wahlkampf-Team der "Liste Kurz" bekannt. "Wir haben uns entschlossen, damit wir für österreichische Politik einmal was Spritziges reinbringen", meinte Siess zu seinem Tropfen

Bisher hat Siess 300 Flaschen mit dem Wein gefüllt, wie er in einem Video der "Stimme der Bewegung", Peter L. Eppinger sagte. Auf den Flaschen findet sich der Slogan "Ganz meine Wahl" sowie ein türkises Kreuz.

(c) Screenshot: Youtube

''EU-Bauer'' tritt im FPÖ-TV auf

Der aus dem Villacher Fasching als "EU-Bauer" bekannte Manfred Tisal tritt mit seinem "Kuhmentar" nun im FPÖ-TV auf. Im aktuellen Spot spricht Tisal, platziert hinter einer rosa Kuh, über den "Dieselschmäh": "Die Opfer sind wieder einmal die Autofahrer", kritisiert er. Tisal sei vom "ORF verbannt" worden, heißt es zu Beginn des Videos und sei nun exklusiv auf FPÖ-TV zu sehen. Der "EU-Bauer" durfte nach einem Facebook-Posting mit Verbalattacken auf Flüchtlinge keine ORF-Sendungen mehr moderieren. Daraufhin trat er als Moderator blauer Wahlkampfveranstaltungen auf.

(c) Screenshot: Youtube/FPÖ-TV

Posterboys

Die Grünen haben im Wahlkampf eine Augmented Reality-App lanciert, mit der die Plakate der anderen Parteien quasi zum Leben erweckt werden. Mittels computergestützter Erweiterung der Realität beginnen SPÖ-Chef Christian Kern, ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache auf der Posterboys-App dreidimensional animiert zu sprechen, sobald die entsprechenden Plakate gescannt und abgefilmt werden. Was die Spitzenkandidaten-Avatare dabei von sich geben, soll die Nutzer freilich eher dazu animieren, die Grünen zu wählen. "Politische Campaigning für die junge Zielgruppe wird weltweit zum ersten Mal auf diese Art und Weise gemacht", so Grünen-Kampagnenleiter Joseph Mussil.

(c) Gruene

Ungebetene Hubers

Die freiheitliche Wahlkampffamilie Huber hat nicht nur ungebetene Gäste im Haus, sie ist auch selbst unerwünscht - nämlich von den realen Besitzern des Gebäudes. In den "Salzburger Nachrichten" meint Eigentümerin Maria Thalhammer: "Wir haben das Gefühl, dass eine Partei in unserem Wohnzimmer sitzt. Ungebeten. Da wirbt die FPÖ mit Fairness und verhält sich selbst wahnsinnig unfair. Sie wohnt bei uns ohne Mietvertrag".

FPÖ-Sprecher Alexander Höferl betont, das Bild des Hauses von einer Internet-Bildagentur unter Einhaltung aller Lizenzbestimmungen erworben und abgefilmt zu haben. Die Innenaufnahmen wurden ohnehin in einem Studio gedreht. Thema der Hubers ist, dass - in Anspielung auf die Flüchtlingswelle - eine österreichische Familie in ihrem Haus von dutzenden Gästen heimgesucht wird und in der Folge Pleite geht.

Screenshot Youtube FPÖ

Häfn-Kunst für die SPÖ

"Yes We Kern" lautet einer der Slogans der SPÖ für die Wahl. Dafür hat man sogar eigene Buttons herstellen lassen. In der Zeitung" Heute" wurde nun bekannt, wer für die Kanzlerpartei produziert, nämlich die Insassen der Haftanstalt in Korneuburg. Gesamt 50.000 Pins sollen produziert worden sein. In Summe sollen sich die Kosten für die SPÖ auf nur 700 Euro belaufen haben. Die FPÖ beklagt über ihren Abgeordneten Christian Lausch "Billigstlohnarbeit".

 

APA/HERBERT NEUBAUER

FLÖ gegen FLÖ

Die Fachschaftslisten Österreichs (FLÖ) distanzieren sich von der Freien Liste Österreich (FLÖ) des Ex-Freiheitlichen Karl Schnell. Die seit über 30 Jahren mit dieser Kurzbezeichnung bei Studentenwahlen kandidierende Fraktion habe weder personelle, inhaltliche noch finanzielle Parallelen zu Schnells bei den Nationalratswahlen antretender Truppe, wird in einer Aussendung betont. Rechtlich wollen die Studenten gegen die Neo-FLÖ aber nicht vorgehen: Das finanzielle Risiko sei zu hoch. Bei den jüngsten ÖH-Wahlen im Mai erreichten die Fachschaftslisten übrigens 14 Prozent und stellen derzeit den ÖH-Vorsitz in einer linken Koalition.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wahlkampf mit Emojis

Für alle, die Probleme mit dem Lesen haben, oder die von langen Interviews in Wahlkampfzeiten einfach die Nase voll haben, bietet die "Kleine Zeitung" online die andere Art der Information: Über WhatsApp befragte Spitzenkandidaten dürfen keine langen Vorträge halten, sondern nur mit Emojis antworten. Erster war Neos-Chef Matthias Strolz, der seine Partei unter anderem mit Glühbirne und Einhorn mit lila Mähne beschrieb.

imago/Action Plus

Kern gegen Strolz am Rasen

Am Rasen statt im TV-Studio fand das erste direkte Politiker-Duell im Wahlkampf statt: Beim Europäischen Forum in Alpbach trafen Kanzler Christian Kern (SPÖ) und Neos-Chef Matthias Strolz bei einem Charity-Fußballspiel aufeinander. Mit "tiefen Atemübungen" und einem Kipferl habe er sich auf das Match vorbereitet, meinte Kern vor Spielbeginn. Strolz hatte da schon lange aufgewärmt. "Ich stelle mich hinten rein, für mittelalterliche Männer ist das die beste Position. Wenn Kern auftaucht werde ich meinen Turbo einschalten und die rote Kraft verfolgen", so der Neos-Chef. Daraus wurde aber nichts: Nach dem Anstoß durch Kern hatte Strolz das Nachsehen: Der Kanzler legte ein Tor auf, schoss eines selbst und brachte seine Mannschaft rasch in Führung.

APA/BARBARA GINDL

Kern wirbt auf Datingplattform um Spenden

Wahlkämpfen kostet Geld. Um dieses zu beschaffen setzten die Parteien auf unterschiedlichste Modelle. Ganz vorne dabei ist freilich das Sammeln von Spenden von Privatpersonen. Kanzler Christian Kern (SPÖ) hat sich nun entschieden, dafür auch Apps zur Hilfe heranzuziehen. Wie die "Futurezone" berichtet hat, wirbt Kern auf der Datingplattform Tinder um Geld für seinen Wahlkampf. "Bundeskanzler Christian Kern zählt auf dich! Im Wahlkampf folgt Bundeskanzler Christian Kern dem Credo 'Keine Spenden über 20.000 Euro'. Umso wichtiger sind die kleinen Spenden für uns!", ist dort zu lesen.