Schmid im Wahlcafé: „Kann nichts dafür, dass Pilz das macht“

Der grüne Jugendsprecher über Anstand und Attacken in der Politik, Peter Pilz und Europa als das Zukunftsthema für die Jungen.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Peter Pilz raubt dem grünen Nationalratsabgeordneten Julian Schmid nicht den Schlaf. „Im Moment schlafe ich wenig, weil ich seit fast zwei Monaten quer durch Österreich auf Wahlkampftour unterwegs bin“, sagte er am Donnerstagabend im Wahlcafé mit „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak. Er stehe dazu, Pilz den vierten Platz auf der grünen Bundesliste streitig gemacht zu haben. „Junge Menschen sollen sich der Politik nicht immer hinten anstellen.“ Und dass Pilz nun mit seiner Liste den Grünen Konkurrenz mache? „Da kann ich nichts dafür, dass er sich so entscheidet.“

„Das ist natürlich alles andere als vorteilhaft gewesen“, sagte er über die grüne Krise nach dem Erfolg mit Alexander Van der Bellen bei der Präsidentschaftswahl. „Die Zeit nach der Wahl war eine große Herausforderung.“ Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek habe die Grünen aber jetzt stabilisiert. Zu seinem Erfolg gegen Pilz habe ihm Ex-Parteichefin Eva Glawischnig übrigens gratuliert. Und: „Es geht ihr gut.“

Im Nationalrat will Schmid sich für Europa einsetzen, einem wichtigen Thema für die junge Generation, als deren Vertreter sich der grüne Jugendsprecher sieht. „Ich werde mich stark dafür einsetzen, dass Österreich nicht den Orban macht, sondern in Richtung gemeinsame EU geht, mit Deutschland und Frankreich.“ Und auch gegen den Klimawandel, auch das ein wichtiges Zukunftsthema. „Da müssen wir was tun.“ Auch Bildung und Lehre sind Themen.

Nur die Spitze des Eisbergs

Sind die Grünen zu weichgespült worden? Müssen sie als Tiere verkleidet durchs Parlament laufen? „Jünger, wilder, härter, Rock'n'Roll: Können wir machen“, sagt Schmid. „Was ich will ist, dass wir möglichst viele Menschen gewinnen für unsere politischen Ideen. Ich weiß, dass uns gerade ein rauer Wind entgegenweht, aber unsere Themen sind wichtig. Und auch fast jeder, mit dem ich rede, ist der Meinung, dass es wichtig ist, dass die Grünen im Parlament sind, als Korrektiv.“

Was Schmid beklagt ist der Zynismus in der Politik. „Die Silbersteinaffäre ist nur die Spitze des Eisbergs. Wie über Politik und Politiker diskutiert wird: Da kann nichts Gutes dabei rauskommen.“ Über die Attacken nach dem Pilz-Eklat im Sommer sagt er: „Das waren schon Angriffe, da ist es ganz schön rund gegangen.“ Nicht einverstanden zu sein, sei eine Sache. „Aber es geht auch um den Ton und den Respekt.“ Andererseits will er auch nicht wehleidig sein. „Ich habe mich für eine öffentliche Funktion entschieden: Da muss man auch was aushalten.“

Mehr Anstand in der Politik

Im Parlament „gibt es Luft nach oben, was die Würde des Hauses angeht“, sagt er. „Ich bin oft dafür kritisiert worden, dass ich das nicht respektiere, weil ich zum Beispiel einen Kapuzenpulli anhabe. Aber mir ist es immer darum gegangen, dass man sich – etwa unter den Jugendsprechern – nicht so das Hackl ins Kreuz haut. Es braucht mehr Anstand in der Politik.“ Er sei der Meinung, dass er keine dickere Haut brauche, sondern dass sich die politische Kultur ändern müsse. „Ich will niemals so werden wie viele in der alten Politik.“

Was den 15. Oktober angeht, so könnte man jedenfalls über eine Jamaikakoalition – wie in Deutschland – nachdenken. Allerdings sei Angela Merkels CDU eine konservative Partei, meint Schmid: „Sebastian Kurz hat aus der ÖVP eher eine rechtspopulistische Partei gemacht, neben der Jörg Haider erblasst.“

(beba)

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