Entscheidung gefallen: Dinkhauser tritt bundesweit an

Dinkhausers will einen "bescheidenen, unabhängigen Wahlkampf" führen und sich von keiner Gruppe vereinnahmen lassen. Sechs bis sieben Prozent wären für ihn ein "Riesenerfolg".

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(c) REUTERS (Herbert Neubauer)

Nach langem hin und her ist es nun fix: Der Tiroler ÖVP-Dissident Fritz Dinkhauser will bei der Nationalratswahl im September bundesweit antreten. Das gab er am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck bekannt. "Es war für mich eine wahnsinnig schwierige Entscheidung", sagte Dinkhauser.

Spitzenkandidat wolle er selbst sein. Dinkhauser betonte, dass er einen bescheidenen, unabhängigen Wahlkampf führen wolle. Er lasse sich von keiner Gruppe vereinnahmen. Wenn er auf sechs bis sieben Prozent komme, sei das für ihn ein "Riesenerfolg".

Der ehemalige VP-Rebell sprach sich erneut für eine Demokratie der Bürger aus und forderte eine Politik der Leute im Gegensatz zur Politik der Lobbys, die derzeit herrsche: "Das einzige Rezept, das ich liefern kann, bin ich selber", erklärte er am Dienstag auf die Frage, wie er seine Forderungen konkret umsetzen wolle.

"Für niemanden Feigenblatt"

Für ihn ist klar: Schuld an der Frustration sind die etablierten Parteien. Dinkhauser macht es sich nun zur Aufgabe, bundesweit dei richtigen Leute für einen gemeinsamen Wahlkampf auszusuchen: "Ich werde für niemanden Feigenblatt sein", betonte Dinkhauser, dessen Einfluss auf Landesebene weiterhin erhalten bleibt.

Dinkhauser hatte es zuvor spannend gemacht: Bereits am Montagabend gab das Bürgerforum dem Listenchef Grünes Licht für ein bundesweites Antreten. Dinkhauser zierte sich jedoch noch. Das Herz sei dafür, aber der Kopf müsse noch überlegen, sagte Dinkhauser und verschob die Entscheidung um einen Tag.

Der ehemalige AK-Präsident hatte bereits im Tiroler Landtagswahlkampf immer wieder ein Kabinett der besten Köpfe gefordert. Am Dienstag sprach er sich auch auf Bundesebene für dieses Modell aus. Es sei niemand auszugrenzen, aber man müsse sich von gewissen "Extrempositionen" abgrenzen. Er wolle kein rechtsradikales Österreich, sondern ein bürgerliches, liberales Österreich.

Kein Bündnis mit "Rettet Österreich"

In der "ZiB 2" am Montagabend schloss Dinkhauser aber bereits bei zwei potenziellen Bündnispartnern aus, dass diese auf seiner Liste stehen könnten - nämlich beim früheren FP-Politiker Wolfgang Rauter von der burgenländischen Plattform Freie Bürgerlisten (FBL) sowie bei Karl Nowak, dem Initiator der Bürgerinitiative "Rettet Österreich".

Nowak zeigte sich darüber verärgert. Dinkhauser habe keine Handschlagqualität. "Rettet Österreich" wird nun autonom kandidieren.

Die FBL betonte trotz der Aussage Dinkhausers, man wolle die Dinkhauser-Kandidatur unterstützen. Sprecher Manfred Kölly sagte am Dienstag, die FBL solle die Kandidatur in Ostösterreich koordinieren. Die FBL werde aber eine eigene Gruppierung bleiben.

Eine Absage an Dinkhauser erteilte auch die Ärztepartei "Die Weißen". Ob man eigenständig antritt, entscheidet sich frühestens Ende der Woche, einem gemeinsamen Antreten mit Dinkhauser erteilte Parteisprecher Wilhelm Appel eine Absage. Laut dem "Weißen"-Sprecher war eine gemeinsame Kandidatur mit Dinkhauser ohnehin nie geplant. Ganz im Gegenteil habe der Obmann des Bürgerforums seinerseits um eine Beteiligung der Ärzte geworben, da er sich des Netzes der Mediziner über die Ordinationen gerne bedient hätte.

"Agrarrebell" Steinbichler unterstützt

Weitere Unterstützung bekommt Dinkhauser vom oberösterreichischen "Agrarrebell" Leo Steinbichler, der unter anderem durch die Gründung der IG Milch bekannt wurde. Die IG Milch tritt für bessere Erzeugerpreise beim Bauern ein. Kurz danach gründete er eine IG Fleisch mit ähnlichen Zielen. Der damalige Bezirksbauernkammer-Obmann flog daraufhin aus dem ÖVP-Bauernbund. Steinbichler erklärte: "Ja, ich werde meine bereits erklärte Bereitschaft in die Tat umsetzen." Da es "großes Protestpotential" bei den Wählern gebe, hält Steinbichler die Ziele von Dinkhauser für realistisch.

"Würdeloses Politkasperltheater"

Die Tiroler FPÖ reagierte giftig auf die Nationalratskandidatur des Tiroler "Shooting Stars": Der Wirbel um Dinkhauser sei ein "würdeloses Politkasperltheater". Der "angebliche Volkstribun" Dinkhauser habe die wichtigen Arbeiten für Tirol liegen gelassen, um sich mit irgendwelchen "Möchtegern-Aufmüpfern" zu treffen, erklärte der Tiroler FP-Parteiobmann Gerald Hauser.

Auch die Tiroler Grünen zeigten sich wenig begeistert von dem Rummel um Dinkhauser: Sie attestierten ihm "fragwürdige Sozialkompetenz". Immerhin habe Dinkhausers Nummer zwei in Tirol, Transitforumsobmann, LAbg. Fritz Gurgiser, noch am Samstag "mutig" eine Null-Lohnrunde verlangt. Der Spitzenkandidat der Liste Fritz produziere zwar flotte Sprüche, allerdings stecke wenig Inhalt dahinter, meinte Klubobmann, LAbg. Georg Willi.

Als "politischen Sesselspringer" bezeichnete der Tiroler VP-Hauptgeschäftsführer, LAbg. Hannes Rauch, den ehemaligen AK-Präsidenten. Habe er noch vor kurzem angekündigt, für die Bürger Tirols da zu sein und ihre Anliegen im Landtag zu vertreten, sei von diesem Wahlversprechen mittlerweile nichts mehr übrig.

Grundmandat möglich

Mit dem Antreten von Fritz Dinkhauser bei der Nationalratswahl wird auch das Thema Grundmandat wieder aktuell. Sollte es der Bürgerforum-Chef entgegen den derzeitigen Umfragen bundesweit nicht über die vier Prozent schaffen, würde das noch nicht automatisch sein Scheitern bedeuten. Ein Grundmandat und damit verbunden der Einzug in den Nationalrat ist angesichts der Stärke Dinkhausers in Tirol kein Ding der Unmöglichkeit. Gleiches gilt für das BZÖ in Kärnten.

(Ag./Red.)

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