ÖVP: „Wer ihn angreift, greift das Land an“

Wahlkampfauftakt I. Erwin Pröll startete in Schwechat vor 4000 Funktionären in den Landtagswahlkampf. Das Motto der ÖVP diesmal: „Alle kämpfen gegen uns."

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APA/GEORG HOCHMUTH

[Schwechat] Claudia Schmied hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass sie einmal für Erwin Pröll einen Wahlkampf eröffnen würde. Genau das ist gestern Abend aber passiert: Ein Video mit zusammengeschnittenen Aussagen der SPÖ-Unterrichtsministerin sowie Redeauszügen Frank Stronachs und Heinz-Christian Straches bildete gleichsam den „Teufel an der Wand“, an dem sich 4000 Funktionäre der niederösterreichischen ÖVP gemeinsam in den Intensivwahlkampf bis zur Landtagswahl am 3. März hineinsteigern sollten.

Bei allem, was man der mächtigen Landespartei nachsagen kann: Wie man einen bombastischen, „amerikanischen“ Wahlkampfauftakt inszeniert, weiß sie. Jeder der Funktionäre aus allen Ecken des schwarzen Kernlandes wurde beim Eingang mit einem blaugelben Schal ausgestattet. Den Schals sollte auch noch eine dramaturgische Funktion zukommen: Rapid-Stadionsprecher Andy Marek, der gemeinsam mit „Soko“-Darstellerin Kristina Sprenger moderierte, stimmte später zu den Klängen von „Go West“ die inoffizielle Wahlkampfhymne an.

Und wenn 4000 Menschen – darunter nur Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Staatssekretär Sebastian Kurz aus der Bundesregierungsriege – in einer engen Halle im Gleichklang „Steeeht auuuf für Niederösterreich“ grölen und dazu mit den Schals wacheln, ist Gänsehaut garantiert.
Für Gänsehaut könnte bei manchem Funktionär auch der Eingangsfilm gesorgt haben: Der setzte sich einerseits aus Medienzitaten über Politikverdrossenheit, weltweite Unsicherheit und politischen Streit zusammen, andererseits kamen auch die politischen Gegner der ÖVP vor – komplett mit Kritik an Wohnbauveranlagungen, zu viel Macht in Prölls Hand und anderen Ausführungen.

Pröll: „Wir sind heute wer“

„Alle kämpfen gegen uns“, schlussfolgerte dann ÖVP-Landesgeschäftsführer Gerhard Karner – und schwor die Funktionäre auf die Verteidigung von Prölls Absoluter ein, denn: „Wer den Landeshauptmann angreift, greift das Land an!“, stellte Karner fest, bevor er gegen die anderen Parteien vom Leder zog – vor allem gegen Frank Stronach, „ein Politwürstel, ein Frankfurter“, kalauerte Karner: „Nach der Wahl ist der Frank wieder furt.“

Pröll selbst gab sich dann, begrüßt von Standing Ovations im ganzen Saal, wesentlich staatstragender: „Wir sind heute wer“, streichelte der Landeshauptmann die niederösterreichische Seele – ein Ergebnis von Jahrzehnten Arbeit der ÖVP. Nach den zwei Jahrzehnten an der Spitze des Landes bitte er, Pröll, noch einmal um „Klarheit und Sicherheit“ für eine weitere Amtszeit. Nur einen seiner Gegner würdigt Pröll mit einer Erwähnung in seiner Rede: Natürlich den „Milliardär aus Kanada“: „Das Land ist ja kein Spielzeug, das man wieder in die Ecke wirft, wenn man das Interesse verliert“, wie das Stronach mit all seinen Projekten in Niederösterreich getan habe. Dass er selbst Lust auf eine weitere Amtszeit hat, daran ließ Pröll keinen Zweifel: „Ich werde mich sicher nicht ein Jahr nach der Wahl davonstehlen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. Februar 2013)

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