Frank on Tour: ''Diese Leute haben Angst vor mir''

Knapp drei Wochen sind es noch bis zur Nationalratswahl. Zeit, um sich um seine Anhänger zu bemühen - und die, die es werden könnten. So lautet die Devise beim Team Stronach. Am Mittwoch ging der Parteigründer daher höchstpersönlich im Burgenland auf Stimmenfang.

(Von Hellin Sapinski)(c) Presse Digital

"Gmahte Wiesn is es kane", geben Frank Stronachs Wahlhelfer zu, als sie bei Nieselregen eine kleine Bühne im Stadtpark von Oberwart errichten und Tische mit Giveaways aufstellen. "Denn die Konkurrenz schläft nicht."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Tatsächlich sind die politischen Kontrahenten sogar näher, als manchem lieb ist. "Den Michael müsst's am 29. September wählen, da hat er Namenstag", hört man eine Dame mit ÖVP-Jacke keine zehn Meter weiter rufen und emsig Sackerl, Stift und Zuckerl von Parteichef Spindelegger austeilen.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Dann teilt sich die Menge der beschenkten Passanten und zwei Personen mit grellen Jacken kommen zum Vorschein. "Wer sind denn die?", fragt eine der ÖVP-Austeilerinnen. "Sind die vom Frank?", fragt ein Mann. Nach Sekunden des Zweifelns werden die Unklarheiten beseitigt: "Wir sind vom BZÖ. Darf's ein Flyer sein?"(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Dann ertönt Musik. "Steirermen are very good", dröhnt es über den Wochenmarkt. "Dort ist Frank", freut sich ein Passant und eilt zum ankommenden Magna-Gründer, um ihm die Hand zu schütteln. "Alles Gute, Mister Stronach", fügt er hinzu. Der Austrokanadier nickt: "Sag Frank zu mir, ich bin einer von euch."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"Der lügt nicht, der sagt, was Sache ist", ist ein Gastwirt überzeugt. "Ich mach mich für ihn stark", ergänzt er, greift sich ein paar Frank-Bierdeckel "zum Auflegen in meinem Gasthaus" und verschwindet in der Menge.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"Der Frank ist ein anständiger Kerl, die anderen Politiker sind alles Falotten", sagt dieser begeisterte Fan. "Deswegen hab' ich mir sein Buch besorgt. Ich will alles über ihn lesen."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"Wie viel Prozent hatte das Team Stronach eigentlich bei der letzten Nationalratswahl?", grübeln indes andere. Der Parteigründer hört's und klärt auf. "Ich bin damals noch nicht angetreten, sonst wäre ich schon Bundeskanzler", lacht er.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Rouven Ertlschweiger folgt Stronach nach zur Bühne. "Sind Sie der Bodyguard von Frank?", will eine erstaunte Pensionistin wissen. "Nein, ich bin der burgenländische Spitzenkandidat und Pressesprecher", erläutert er - um dann kämpferische Töne nachzuschießen: "Hier ist es rot wie der Tod, das gehört geändert."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Schließlich ergreift der Parteichef das Mikrofon. "Wollt ihr den alten Weg weitergehen mit Korruption, Freunderlwirtschaft und einem ORF, der mich nie ausreden lässt?", ruft Stronach seinem Publikum entgegen. "Oder wollt ihr, Veränderung? Wollt ihr mich?" Ein kräftiger Applaus ist die Antwort.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Hart ins Gericht geht der Neo-Politiker sogleich mit den "Funktionären, deren Zahl halbiert gehört" und dem "verrückten Schulsystem". Es könne ja "nicht sein, dass Direktoren ihre Lehrer vorgesetzt bekommen, ohne Mitspracherecht", wettert Stronach. "In Österreich zählt nur das Parteibuch, das darf nicht sein."(c) Presse Digital

Nach wenigen Minuten ist die Rede auch schon wieder zu Ende. Hände werden nun geschüttelt und Bücher signiert. "Er hat mir auf die Jacke geschrieben", strahlt diese Sympathisantin.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Nächster Stopp: Eisenstadt. Eine Diskussion mit Lesern der burgenländischen Volkszeitung steht am Programm. Die Themen: Bildung, direkte Demokratie und "Franks Wirtschaftswunder Magna".(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Gegen 18 Uhr erfüllt ein Donnern den Himmel über Eisenstadt. Drei motorisierte Paragleiter kreisen über dem Hauptplatz. Auf einem der Schirme prangt das Logo des Team Stronach, auf den anderen beiden ist je ein Wort zu lesen: "Jetzt", "Frank".(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"Ich darf heuer erstmals wählen", sagt eine junge Passantin, "und Frank gefällt mir schon gut".

Ihre Begleiterin ist skeptischer: "Der gibt ja nie richtige Antworten. Immer wiederholt er die drei gleichen Sätze: Alle sind korrupt. Ich investiere 25 Millionen Euro in den Wahlkampf. Und das System gehört geändert. Drei Sätze, das reicht doch nicht."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"Stronach ist peinlich", kritisiert ein Burgenländer mit Wiener Wurzeln. "In den TV-Duellen macht er sich lächerlich, wenn er von seinem Programm keine Ahnung hat."

"Hätte ich so viel Geld, würde ich mir eine Insel kaufen und mich nicht in die Politik einmischen. Das hätte er besser auch so gemacht", pflichtet seine Gattin bei.(c) Presse Digital

Das Gemurmel am Platz wird von einem Lied von "Otto Normalverbraucher" unterbrochen, der die Besucher zu animieren versucht, für den auf die Bühne kommenden Parteigründer kräftig zu applaudieren. Der Appell fruchtet nicht ganz, nur vereinzelt ist ein Klatschen zu hören.(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Stronach schafft es dann aber doch, die Menge zum Jubeln und "Franky, du packst das"-Rufen zu bringen. "Ich habe fast mein ganzes Leben lang mit Eisen gearbeitet", beginnt er, "deswegen fühle ich mich in Eisenstadt so wohl."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

Es folgen Erinnerungen an seine Zeit in Kanada ("Ich war arbeitslos, ich hatte Hunger"), an den Aufbau seines Magna-Imperiums ("Das geht nur mit den richtigen Werten") sowie ein Seitenhieb auf SPÖ und ÖVP. "Diese Parteien schauen nur auf sich selbst. Die Machterhalter, diese Leute, haben Angst vor mir, weil ich etwas ändern will. Sie haben Angst, dass ich zu populär werde und sie vom Futtertrog weggestoßen werden."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

"In der Wahlkabine seid ihr allein, entscheidet euch dort für das richtige Kreuzerl", wünscht sich Stronach zum Abschied. "Ich kann den Korruptionssumpf nur trocken legen, wenn ihr mich anschiebt." Doch bis zum Wahltag bleiben noch drei Wochen, und bis zur Entscheidung heißt es erstmal: "Ein Autogramm, bitte."(c) Hellin Sapinski (Presse Digital)

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