Das Kandidatenkarussell des Frank Stronach

Dass sich Kandidaten in Tirol von Stronach abwenden und solche in Salzburg zweifeln, kommt nicht von ungefähr: Das „Chefprinzip“ ruft zunehmend Unmut hervor.

Austro-Canadian businessman and billionaire Stronach speaks during an interview with Reuters in the village of Oberwaltersdorf
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Austro-Canadian businessman and billionaire Stronach speaks during an interview with Reuters in the village of Oberwaltersdorf
Austro-Canadian businessman and billionaire Stronach speaks during an interview with Reuters in the village of Oberwaltersdorf – REUTERS

Wien. Eigentlich hätte alles ganz anders sein sollen: Karin Prokop hätte das Team Stronach in die Niederösterreich-Wahl führen sollen. Doch dann war auf einmal Ernest Gabmann jun., ebenfalls Spross einer ÖVP-Familie, Spitzenkandidat. Er hätte auch Klubchef werden sollen. Dieser heißt heute aber Walter Laki. Und Ende dieser Woche kündigte sich die nächste Rochade an: Gabmann, bisher einfacher Abgeordneter und Landesgeschäftsführer, sagte der „Presse“, er werde bald Landesparteichef. Als Nachfolger Prokops, die sich künftig auf die Organisation der Landespartei für die Nationalratswahl konzentrieren will – oder muss.

Was sich derzeit im Team Stronach Niederösterreich abspielt, ist symptomatisch für die gesamte Organisation der Partei, die von Gründer Frank Stronach offenbar mit harter Hand geführt wird. Zwar haben sich alle Funktionäre in ihrer Euphorie, mit von der Partie zu sein, zum „Chefprinzip“ bekannt, das Stronach – immerhin über Jahrzehnte ein erfolgreicher Manager im In- und Ausland – im Vorjahr ausgegeben hat: Der Chef schafft an, die Mitglieder folgen.

 

Inhaltlich eins, personell uneins

Doch während man inhaltlich weiterhin einig und ohne wirklichen Tiefgang um die Werte „Wahrheit, Fairness, Transparenz“ kreist, hat die Bereitschaft zum Gehorsam in Personalfragen sichtlich abgenommen – von Freude oder gar Euphorie keine Spur mehr.

Dass nunmehr tiefe Risse in der Partei bestehen, wurde Mitte der Woche in Tirol augenscheinlich: Da rief Sonja Ulmer, vor wenigen Wochen noch Stronachs Nummer eins für die Wahl am Sonntag, mit anderen Kandidaten die Bevölkerung auf: „Wählt uns nicht!“ Etwas, was es in der Zweiten Republik noch nie gab. Auch hier ist die Vorgeschichte einigermaßen komplex: Zwischenzeitlich wollte Stronach mit Hans-Peter Mayr in die Wahl ziehen, es folgte ein Zerwürfnis um Mitstreiter, und der Parteichef schwenkte auf Ulmer um – die bis dahin auf Mayrs Liste auf den hinteren Rängen zu finden war. Allerdings ließ die Landeswahlbehörde die neue Stronach-Liste um Ulmer aus Formalgründen nicht zu, sondern nur die frühere Mayr-Liste.

Von dieser distanzieren sich Ulmer und Co. nun – sehr zum Unmut Stronachs, der sich nach einer Kunstpause schon längst mit Mayr versöhnt hat, um doch noch in Tirol um den Einzug in den Landtag zu kämpfen. Am Freitagabend feierte man sogar gemeinsam „Wahlkampfabschluss“ in Innsbruck.

Der Parteichef bleibt damit intern in der Schusslinie, wirklich anhaben können ihm Attacken von Funktionären oder Ex-Funktionären aber nichts. Insoweit funktioniert die Machtkonzentration Umfragen und ersten Wahlergebnissen zufolge: Nur was der Parteigründer sagt, zählt, alle anderen sind Unterläufer – und sogar Stronach-Wählern kaum mit Namen oder Inhalten bekannt. Am Ende schlägt die Ansage Stronachs zu Buche, das Land revolutionieren zu wollen: mit schlankerer Verwaltung und niedrigeren Steuern. Nicht zu vergessen das Frustwählerpotenzial.

So gesehen wird Stronach auch kaum schaden, dass es nach Tirol auch in Salzburg brodelt, wo in einer Woche gewählt wird: Dort sollen sich erst dieser Tage einige Polit-Neulinge kritisch zum Chefprinzip – oder, weniger hart gesagt: zur strengen Organisation um Spitzenkandidat Hans Mayr – geäußert haben.

Gut, dass einer seine Landespartei im Griff hat: Kärntens Landesrat Gerhard Köfer. Ihm vertraute Stronach von Anfang an, ihm lässt er mehr Freiheiten als anderen. Daher darf Köfer – gegenteiligen Ankündigungen zum Trotz – nun auch das Privileg eines Dienstwagens in Anspruch nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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