Pressestimmen: ''Tirol als Menetekel''

''Kronen Zeitung''

"Im Westen nichts Neues", findet Claus Pandi: "Weder die im Westen traditionell schwache SPÖ noch die angeschlagenen Freiheitlichen oder das mit erheblichen Startschwierigkeiten kämpfende Team von Frank Stronach haben im Westen etwas Neues als Alternativen anbieten können." LH Günther Platter werde in seiner nächsten Amtszeit weniger auf Harmonie achten müssen, denn hinter seinem Rücken fuhrwerken die "vormodernen, agrarisch geprägten Seilschaften". Als Wahlsieger könnte er nun durchgreifen.

''Der Standard''

"Tirol als Menetekel", schreibt Alexandra Föderl-Schmid. "Auch wenn VP- Politiker das "sehr, sehr gutes Ergebnis" bejubeln: es ist das historisch schlechteste Abschneiden ihrer Partei in Tirol - was auch auf die SP zutrifft. Italienische Verhältnisse gibt es längst in der Tiroler VP: eine Zersplitterung und Fragmentierung."(...)Es geht nicht nur um die Wählerstimmen, die der ÖVP abhandenkommen, sondern noch stärker ist der Substanzverlust in der eigenen Organisation. Es ist ein "Braindrain", den die ÖVP erleidet. Engagierte Funktionäre wenden sich aus Enttäuschung von ihrer politischen Gesinnungsgemeinschaft ab. Das ist nicht nur in Tirol der Fall, sondern auch im Bund.(...)

"Die SPÖ ist in Tirol weiter marginalisiert worden. Von einer Großpartei kann man angesichts dieses Ergebnisses nicht mehr sprechen.Es zeigte sich wie in Niederösterreich, dass es profilierte Spitzenkandidaten braucht, um wahrgenommen zu werden. Auch wenn die Grünen ihren Zugewinn geschickt verkaufen und hervorheben, dass sie als einzige bereits im Landtag vertretene Partei zugelegt haben: Sie haben mehr erwartet. Einmal mehr hat sich bestätigt, dass die Grünen die aus Umfragen gespeisten Erwartungen bei den Urnengängen nicht umsetzen können. Ihr Potenzial ist beschränkt. Auch wenn aus Tirol keine Prognose für die Nationalratswahl im Herbst abgeleitet werden kann, so werden längerfristig Tendenzen deutlich.

''Vorarlberger Nachrichten''

Einen "Stillstand in Tirol" ortet Johannes Huber. "Im Grunde genommen hat die gestrige Landtagswahl deutlich gemacht, dass es in Tirol insbesondere im bürgerlichen Lager seit fünf Jahren einen Stillstand auf niedrigem Niveau gibt."(...)

"Sozialdemokraten, Freiheitliche und Grüne begnügen sich mit Nebenrollen. Frank Stronach ist gar nicht so weit gekommen, die Wähler anzusprechen, weil er mit internen Auseinandersetzungen beschäftigt war. Würde an der Spitze der ÖVP also nur ein halber Erwin Pröll stehen, weit mehr als 50 Prozent wären ihr sicher."

''Kurier''

"Platters Erfolg: Wenig Charisma, viel Ruhe", schreibt Helmut Brandstätter. "Günther Platter ist trotz seiner Zeit in der Bundespolitik kein Landeshauptmann, der hohe Aufmerksamkeit auf sich zog. Und es ist sicher schwieriger, die freiheitsliebenden, um nicht zu sagen sturen Frauen und Männer der Tiroler ÖVP unter einen Hut zu bringen als die gewohnt streng geführten Niederösterreicher. Aber Platter gelang es, sich als stabile Kraft zu präsentieren. Das ist in unseren unsicheren Zeiten auch etwas wert. Jetzt wird es spannend, ob er die begabte frühere ÖVP-Politikerin Anna Hosp ins bürgerliche Lager integrieren kann. Regieren wird Platter aber mit der geschwächten SPÖ oder den gestärkten Grünen."

''Neues Volksblatt''

"Grundsätzlich gilt: Nach der Wahl ist vor der Wahl; es gilt aber auch: Nicht alles, was vor der Wahl gesagt wurde, gilt auch nach der Wahl. Der prognostizierte Absturz der ÖVP etwa ist nicht eingetreten, das Minus - auch wenn es die Tiroler ÖVP auf einen historischen Tiefststand führt - ist angesichts der Vorhersagen verschmerzbar."(...)"Vollmundig gescheitert ist die SPÖ mit der Ansage, eine Dreierkoalition gegen die ÖVP auf die Füße stellen zu wollen. Dass das Team Stronach den Fuß nicht in die Landtagstür bekam, ist eine Wohltat und ein Reifezeugnis für die Wähler. Kasperliaden wie das Listen-Theater oder der Kandidaten-Aufruf, die Stronach-Liste nicht zu wählen, dürfen nicht belohnt werden. Der FPÖ wiederum fehlt seit gestern die Ausrede, dass man Wahl-Verluste oder Stagnation der Stronach-Truppe zu verdanken habe. Auf Bundesebene kann die ÖVP vor dem nächsten Urnengang am kommenden Sonntag jedenfalls kräftig durchschnaufen - und auf eine Fortsetzung des Trends hoffen."

''Wiener Zeitung''

"Die vielen Jäger haben sich selbst dezimiert, der vermeintliche Hase ist fast ungeschoren davongekommen", das stellt Walter Hämmerle in der "Wiener Zeitung" fest. Bester Wahlhelfer für die beiden Regierungsparteien seien das "Bündel von Oppositionsparteien" gewesen, das den Wählern deutlich vor Augen führe, dass auch in der Politik selten etwas Besseres nachkomme. In einer derartigen Situation erscheine die Fortsetzung der Großen Koalition in den Augen vieler Wähler das geringste Übel.

''Tiroler Tageszeitung''

Günther Platter sitzt nach Ansicht von Alois Vahrner ("Tiroler Tageszeitung") nach der Wahl "fester im Sattel denn je": "Der Umsturz in Tirol ist abgeblasen." Gezogen habe wohl vor allem die Warnung vor politischem Chaos und "italienischen Zuständen". Auf Platter warte nun aber auch einiges an Arbeit, und "letztlich wird er auch versuchen müssen, die ÖVP-Zersplitterung zu beenden".
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