Mathematik der Macht: Ein Fest für Hobbystatistiker

Die US-Präsidentenwahl am Dienstag wird in sieben Bundesstaaten entschieden. Barack Obama ist Favorit. Um ihn zu schlagen, muss Mitt Romney Florida holen und weite Teile des Nordostens erobern.

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(c) REUTERS (RICK WILKING)

Wien. Wie viele Wege führen ins Weiße Haus? Wenn es nach Berechnungen der „New York Times“ geht, sind es exakt 512 – so viele Möglichkeiten stehen demnach Barack Obama und Mitt Romney offen, bei der heutigen Präsidentenwahl an die Mehrheit der Wahlmännerstimmen zu gelangen und damit das Votum für sich zu entscheiden. Wobei die Chancen, zumindest nach Ansicht der Statistiker der „Times“, ungleich verteilt sind: Während Amtsinhaber Obama gleich 431 Varianten hat, gibt es für seinen republikanischen Herausforderer Romney nur 76 Routen zum Erfolg. Und die restlichen fünf Optionen, die auf 512 fehlen? Die sehen ein Unentschieden voraus – was rein rechnerisch betrachtet zwar möglich, aber äußerst unwahrscheinlich ist.

--> Auftakt: Historischer Gleichstand in Dixville Notch

Ein Fest für Hobbystatistiker

Aufgrund der komplexen Regeln (jeder Bundesstaat wählt eine fixe Zahl von sogenannten Wahlmännern, die im Anschluss an das nationale Votum über das Staatsoberhaupt der USA abstimmen), der schieren Größe des Landes und der Heterogenität der amerikanischen Wählerschaft sind Präsidentenwahlen in den USA seit jeher ein Fest für Hobbymathematiker. Doch so gut wie alle Rechenspiele, die in den vergangenen Wochen und Monaten veranstaltet wurden, kreisen um eine einzige Zahl: 270. Wer 270 Wahlmänner hinter sich hat, wird Präsident.

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Obama und Romney gehen von verschiedenen Startpositionen ins heutige Rennen, wie unsere Grafik verdeutlicht. Denn während der Demokrat gemäß letzten Umfragen fix mit 247 Wahlmännerstimmen rechnen kann, hat der Republikaner momentan nur 206 Stimmen in der Tasche. Das heißt also, dass Romney in jenen sieben Bundesstaaten, die nach Ansicht der Demoskopen immer noch als umkämpft gelten, mindestens 64Stimmen holen muss. Obama braucht demnach lediglich 23 Stimmen.

Welche Hürden muss Romney angesichts dieser Ausgangslage nehmen, um Obama zu schlagen? Eine Conditio sine qua non ist ein Sieg in Florida – der angesichts schwacher Konjunktur und hoher Arbeitslosenzahlen möglich erscheint. Einzig eine überdurchschnittlich hohe Beteiligung der Latino-Wähler, die als Obama zugeneigt gelten, könnte Romney noch einen Strich durch die Rechnung machen.

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Doch ein Sieg im Süden reicht für den Wahlerfolg nicht aus – der Republikaner muss auch im Nordosten der USA reüssieren. Romneys gestriges Tagesprogramm liest sich in dieser Hinsicht wie eine Prioritätenliste: Nach einem frühen Auftritt in Florida reiste Romney über Virginia und Ohio nach New Hampshire, wo er um 22Uhr Ortszeit im Beisein von Rüpelrocker Kid Rock den Abschluss seines Wahlkampfs feiern wollte.

Vor allem Ohio mit seinen 18Wahlmännern gilt als wichtig: Laut Umfragen hat Obama in dem Bundesstaat einen soliden Vorsprung von knapp drei Prozent – wohl nicht zuletzt aufgrund der von ihm in die Wege geleiteten staatlichen Rettung der US-Autoindustrie. Sollte Romney in Ohio scheitern, muss er (sofern die Berechnungen der Meinungsforscher zutreffen) alle anderen Battleground States außer New Hampshire erobern.

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Wisconsin, Ohio, Iowa

Im Umkehrschluss zielt die Strategie der Demokraten darauf ab, Romneys Offensive im Norden und Osten zu stoppen. Obamas Wahlberater räumen Florida keine Priorität mehr ein – dafür absolvierte der Präsident seine letzten Auftritte in Wisconsin, Ohio und Iowa und flog anschließend in seine Heimatstadt Chicago, wo er den Wahltag verbringen will.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2012)

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