Währing wird grün, Innere Stadt bleibt schwarz

Bezirksvertretung. Wende in Währing – die Grünen holen ihren zweiten Bezirk von der ÖVP. Die Innere Stadt blieb am Ende schwarz, Floridsdorf rot. Und in Favoriten wurde bis zuletzt gezittert - die SPÖ konnte den Bezirk halten.

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(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Währing ist grün. Das ist die größte Änderung bei den Wiener Wahlen zur Bezirksvertretung nach der Auszählung aller Stimmen – inklusive Briefwahl – am Montagabend. Tatsächlich war es in genau vier Bezirken bis zuletzt spannend. Einen klaren Wechsel hatte es bis dahin nur in Simmering gegeben, wo die FPÖ erstmals einen Bezirksvorsteher stellen wird. In der Inneren Stadt, in Favoriten, Floridsdorf und Währing mussten die beteiligten Parteien lang zittern.

 

1. Bezirk: Innere Stadt

Eines vorweg – farblich blieb der Bezirk, wie er vorher schon war, nämlich schwarz. Aber es war ein spannender Kampf bis zuletzt, schließlich ging es nicht nur um das Erbe von Ursula Stenzel. Es ging auch um eine Bastion des bürgerlichen Wien. Und Ursula Stenzel, die zehn Jahre lang für die ÖVP an der Spitze des Bezirks stand, verkörperte das in einer bisher nicht da gewesenen Weise. Doch dann wurde sie von der ÖVP ausgebootet – Markus Figl wurde einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Wahl bestimmt. Und Stenzel wechselte zur FPÖ. Mit der neuen Partei gelang es Stenzel allerdings nicht, ihre Popularität in eine Mehrheit für ihre neue politische Heimat umzumünzen. Dafür entbrannte ein Zweikampf zwischen Figl und der langjährigen Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Daniela Ecker-Stepp von der SPÖ. Am Wahlabend hatte die rote Politikerin die Nase noch knapp vorn. Doch am Ende – nach Auszählung aller Briefwahlstimmen – ging das Rennen doch zugunsten von Figl aus. Der Großneffe von Bundeskanzler Leopold Figl war schon von 2005 bis 2010 stellvertretender Bezirksvorsteher in der City - bis ihn Stenzel überraschend zum einfachen Bezirksrat degradierte. Sie wollte, meinte sie, nicht von „Nasenbohrern“ kritisiert werden. Der von ihr geschasste Figl wird nun ihre Nachfolge an der Spitze des Bezirks antreten.

 

10. Bezirk: Favoriten

Hermine Mospointner ist seit 1994 Bezirksvorsteherin von Favoriten. Und wird es auch bleiben. Nur hätte kaum jemand vor der Wahl am vergangenen Sonntag gedacht, dass sie um diesen Posten derart hätte streiten müssen. Im Lauf der Auszählung stellte sich immer deutlicher heraus, dass SPÖ und FPÖ sehr knapp beieinander liegen. Und dass die sichere Bank für die SPÖ verloren gehen und zu den Freiheitlichen von Spitzenkandidat Michael Mrkvicka wandern könnte. Mospointner hatte sich vor allem auf die Themen Wohnen, Bildung, Freizeit und den Ausbau der U1 gestürzt. Die FPÖ hatte sich im Wahlkampf vor allem die Themen Sicherheit und Bekämpfung der Kriminalität – aber so wie auch die SPÖ den Ausbau der U-Bahn auf die Fahnen geschrieben. Während der Auszählungsphase war der Bezirk mehrmals in Richtung blau gekippt. Doch am Ende lag die SPÖ mit 40,4 Prozent der Stimmen dann doch recht klar vor der FPÖ, die auf 38,18 Prozent kam. Damit blieb den Sozialdemokraten die Schmach erspart, neben Simmering auch noch einen weiteren Bezirk an die Freiheitlichen zu verlieren.

 

18. Bezirk: Währing

Erst kamen die Jungfamilien und die netten, kleinen Cafés. Jetzt hat sich auch auf politischer Ebene der Wandel, den der 18. Bezirk in den vergangenen Jahren vollzogen hat, gezeigt. Die Ära der schwarzen Hochburg, die Währing seit dem Jahr 1946 war, ist nun vorbei. Der 18. Bezirk ist nun grün. Die Öko-Partei kam laut Endergebnis mit Briefwahlstimmen auf 28,07 Prozent (plus 2,29 Prozentpunkte), die Schwarzen folgten mit 27,26 Prozent knapp dahinter (minus 3,37 Prozentpunkte). Neue Bezirksvorsteherin wird wohl die frühere Landessprecherin der Grünen, Silvia Nossek. Langzeit-Bezirkschef Karl Homole (ÖVP) muss das Zepter weiterreichen. Das Parkpickerl – konkret dessen Fehlen – dürfte daran nicht ganz unbeteiligt sein. Denn während etwa der Nachbarbezirk Hernals 2013 das Parkpickerl eingeführt hat, hat sich die Parkplatzsituation in Währing dadurch dramatisch verschlechtert. Nossek versprach als grüne Spitzenkandidatin im Wahlkampf ebenso wie der SPÖ-Herausforderer, Josef Eichinger, die Einführung des Parkpickerls – gegen das sich ÖVP-Bezirksvorsteher Karl Homole lang gestemmt hatte. Homole, der seit 1990 im Amt ist, hat dadurch im Bezirk einiges an Beliebtheit eingebüßt. Eine schwarze Hochburg ist gefallen, die Grünen haben einen zweiten Bezirk.

 

 

21. Bezirk: Floridsdorf

Es war letztendlich dann doch ein knallhartes Duell, das in Floridsdorf tobte. Und bei dem am Ende nur knapp 800 Stimmen (bei 115.378 Wahlberechtigten) dafür sorgten, dass die SPÖ den Bezirk halten konnte – und die FPÖ sich doch nicht freuen durfte. Bei dem Duell stand auf der einen Seite Georg Papai, 42 Jahre alt, ausgebildeter Elektroinstallateur, Mitglied der SPÖ und seit 2014 Bezirksvorsteher von Floridsdorf. Auf der anderen Seite FPÖ-Spitzenkandidat Wolfgang Irschik, bis 2010 Leibwächter und Chauffeur von Bundesparteichef Heinz-Christian Strache, der als „Spätberufener“ 1990 über die Personalvertretung, die AUF, zu den Freiheitlichen gestoßen ist.
Dass es so knapp werden würde, kam für Beobachter jedenfalls überraschend. Doch da die Freiheitlichen mehr als acht Prozent zugelegt, die Sozialdemokraten mehr als sieben Prozent eingebüßt hatten, stand es plötzlich Spitz auf Knopf. Und für ein Endergebnis – und damit die Frage, ob die FPÖ neben Simmering auch einen weiteren Bezirk für sich würde gewinnen können – musste bis zur Auszählung der letzten Stimmen gewartet werden. Schließlich kam gegen 19.30 Uhr die Nachricht aus der SP-Parteizentrale, dass man den Bezirk schließlich doch halten konnte. Nachdem die Sozialdemokraten schon Simmering – recht deutlich – verloren hatten, war die Erleichterung dementsprechend groß. Und auch Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, selbst Floridsdorfer, wird wohl erst einmal erfreut aufgeatmet haben.

 

 

LEXIKON

Bezirksvertretung. Bei der Wien-Wahl wird außer dem Gemeinderat auch die Bezirksvertretung gewählt. Insgesamt traten sieben Parteien in allen Bezirken an (SPÖ, FPÖ, ÖVP, Grüne, Neos, WWW, ANDAS), daneben gab es Listen, die sich nur in einzelnen oder mehreren Bezirken zur Wahl stellten.

Farbspiele. Insgesamt sind derzeit 14 Bezirke fix rot zwei (Floridsdorf und Favoriten) wackeln rot. Vier „gehören“ der ÖVP, einer (Währing) ist noch unsicher. Dort könnten auch die Grünen punkten, die nur einen Bezirksvorsteher sicher haben. Die FPÖ hat erstmals einen Bezirksvorsteher in Simmering, eventuell noch einen Floridsdorf. In Summe setzt sich Wien aus insgesamt 1499 Wahlsprengel zusammen – ein Blick auf diesen Mikrokosmos zeigt, wie einzelne Grätzel gewählt haben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2015)

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