Rosa Parks: Wie eine Busfahrt die USA veränderte

„Nur wenige Menschen können sagen, dass ihre Taten und ihr Verhalten das Gesicht der Nation verändert haben, und Rosa Parks ist eine dieser Personen.“ Als die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks 2005 starb, würdigten sie der Kongressabgeordnete John Conyers und zahllose weitere Repräsentanten der USA als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der US-Geschichte.

Am 1. Dezember 1955, vor nun genau 60 Jahren, war Parks verhaftet worden, weil sie ihren Sitz in einem Bus nicht für einen Weißen räumte.

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Als Rosa Parks am 4. Februar 1913 in Tuskegee, Alabama, als Rosa McCauley geboren wird, gehört Rassismus vor allem im Süden der USA zum Alltag. Als Kind beobachtet Parks wie ihr Großvater mit dem Gewehr in der Hand die Haustüre bewacht, während der Ku Klux Klan durch die Straßen marschiert.

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1932 heiratet sie Raymond Parks. Das Paar engagiert sich in der NAACP, einer Organisation für die Rechte der schwarzen Bevölkerung. Rosa Parks arbeitet als ehrenamtliche Sekretärin des Vorsitzenden der NAACP-Lokalgruppe in ihrer nunmehrigen Heimatstadt Montgomery. Im Brotberuf ist sie Schneiderin.

National Archives and Records Administration Records of the U.S. Information Agency Record

Auf ihrem Arbeitsweg in die Schneiderei ist Parks täglich mit der strengen Rassentrennung in den Bussen konfrontiert. Das Gesetz sieht vor, dass die ersten vier Reihen für weiße Passagiere reserviert sind. Je nach deren Anzahl kann der Busfahrer den „schwarzen Bereich“ weiter nach hinten verschieben. Außerdem dürfen Schwarze, wenn sich Weiße im Bus befinden, nicht durch das Fahrzeug gehen: Sie müssen beim Fahrer bezahlen und wieder aussteigen, um den hinteren Einstieg zu benützen. Nicht selten fährt der Bus einfach los, bevor sie wieder einsteigen können.

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Am 1. Dezember 1955 sitzt Parks auf der Heimfahrt von der Schneiderei in einer der mittleren Reihen des Busses, als einige Weiße zusteigen. Die für sie reservierten Plätze füllen sich, ein Mann findet keinen Sitz mehr. Der Busfahrer fordert die vier Schwarzen in Parks' Reihe auf, ihre Plätze zu räumen. Drei Männer gehorchen, auch Rosa Parks steht auf - aber nur, um vom Gang auf den Fensterplatz zu rücken. „Ich wollte mich nicht mehr schlecht behandeln lassen. Ich wollte mir den Sitzplatz, für den ich bezahlt hatte, nicht wegnehmen lassen. Es war einfach Zeit (...) Ich war der Meinung, dass wir zu lange duldsam waren“, wird sie später über ihre Entscheidung sagen.

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Der Busfahrer droht Parks damit, sie verhaften zu lassen. „Das können Sie machen“, antwortet die 42-Jährige. Als die Polizisten eintreffen, fragt sie: „Warum stoßt ihr uns herum?“ „Ich weiß nicht, aber Gesetz ist Gesetz, und Sie sind festgenommen“, antwortet einer der Beamten.

(Bild: Parks mit dem Journalisten Nicholas Chriss)

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In der Nacht kommt Parks auf Kaution frei. Die lokale NAACP-Gruppe sieht in dem Fall eine Gelegenheit, einen Musterprozess gegen die diskriminierenden Bus-Gesetze zu führen. Parks ist nicht die Erste, die sich weigerte, ihren Platz zu räumen. Aber sie ist bereit, den Fall durchzufechten, und sie scheint die perfekte Kandidatin dafür: eine hart arbeitende verheiratete Frau mit tadellosem Ruf.

(Bild: Polizeibericht zu Parks' Festnahme)

Wenige Tage nach ihrer Festnahme wird Parks zur Zahlung von 10 Dollar Strafe und 4 Dollar Gerichtskosten verurteilt. Am selben Tag verteilt die Bürgerrechtsorganisation „Women's Political Council“ 35.000 Flugzettel, in denen zu einem eintägigen Boykott der Busse aus Solidarität mit Rosa Parks aufgerufen wird.

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Die Aktion ist erfolgreich, ein Großteil der bis zu 50.000 Schwarzen von Montgomery bildet Fahrgemeinschaften, fährt mit dem Rad oder geht zu Fuß zur Arbeit. Mehrere Bürgerrechtler und Geistliche beschließen, den Boykott zu verlängern. Sie gründen die „Montgomery Improvement Association“. Als Vorsitzenden bestimmen sie einen jungen, eloquenten, noch weitgehend unbekannten Pastor namens Martin Luther King.

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381 Tage lang meidet letztendlich die schwarze Bevölkerung, die zuvor 75 Prozent der Kunden ausmachte, die Busse Montgomerys. Rosa Parks Anwälte bekämpfen inzwischen ihre Verurteilung. Im November 1956 entscheidet der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in einem ähnlichen Fall, dass die Gesetze Alabamas über die Rassentrennung in Bussen verfassungswidrig sind.

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Mehrere Bürgerrechtsgesetze erklären in den folgenden Jahren Diskriminierung in öffentlichen Einrichtungen für illegal, als bedeutendstes gilt der Civil Rights Act von 1964. Faktische Gleichberechtigung ist damit aber noch lange nicht erreicht.

(Bild: US-Präsident Barack Obama in jenem Bus, in dem Rosa Parks festgenommen wurde)

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Rosa Parks zahlt einen hohen Preis für ihr öffentliches Engagement: Sie verliert ihren Job; ihr Mann kündigt, nachdem ihm sein Chef befohlen hat, kein Wort mehr über seine Frau oder ihren Fall zu verlieren. Nach zahllosen Drohanrufen zieht das Paar schließlich 1957 nach Detroit.


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Parks reist für Vorträge durchs Land und sammelt Spendengelder für Bürgerrechtsorganisationen. In den 1960er Jahren arbeitet sie für den Kongressabgeordneten John Conyers. 1987 gründet sie das Rosa- und Raymond-Parks-Institut für Selbstbestimmung, das Jugendlichen die Bürgerrechte näher bringen soll. Bill Clinton verleiht ihr 1996 die Freiheitsmedaille, der Kongress 1999 die Goldene Ehrenmedaille.

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Ihre letzten Lebensjahre verbringt Parks von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nach ihrem Tod am 24. Oktober 2005 wird sie im Kapitol in Washington aufgebahrt, als erste Frau und zweite Privatperson in der US-Geschichte.

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Ihr früherer Vorgesetzter John Conyers würdigt Parks posthum als „wahre Gigantin der Bürgerrechtsbewegung“. Der 1968 erschossene Friedensnobelpreisträger Martin Luther King schreibt in seinem Buch „Stride Toward Freedom: The Montgomery Story“ über Parks: „Sie wurde durch die akkumulierten Demütigungen vergangener Tage und den grenzenlosen Bestrebungen der noch ungeborenen Generationen in diesem Sitz verankert.“

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